Tägliche Sport-Zeitung "Wir trauen uns"

Getestet wurde die erste deutsche Sport-Tageszeitung während der Fußball-WM - und verkaufte sich bestens. Seit heute bringt der Axel Springer Verlag die "Sport-B.Z." im Berliner Raum ohne stützende WM-Euphorie auf den Markt. Das Mutterblatt soll dafür weiblicher werden.


Berlin - Einen ersten Markttest machte der Verlag mit der "Sport-B.Z." während der Fußball-Weltmeisterschaft. Die tägliche Ausgabe, die auch samstags und sonntags erschien, verkaufte sich laut "B.Z."-Chefredakteur Walter Mayer zwischen 11.000 und 17.000 mal täglich, "und das, obwohl es viele kostenlose Beilagen in Zeitungen gab". Die Startauflage der regulären "Sport-B.Z.", die es seit heute zu kaufen gibt, liegt nun bei 50.000.

"Sport-B.Z.": Zusätzlich zur "B.Z".
DPA

"Sport-B.Z.": Zusätzlich zur "B.Z".

Dass eine tägliche Sportzeitung in Deutschland durchaus Chancen hat, ist in der Branche kein Geheimnis. Andere Länder machen es vor: Die französische "L'Equipe" erscheint mit einer Druckauflage von 359 000, die spanische "Marca" mit 403 000. In Japan erreichen "Tokyo Sports" sogar 2,4 Millionen Druckauflage.

In Deutschland hielten sich die Verlage zurück. Bis jetzt. "Wir trauen uns", sagt der stellvertretende Chefredakteur Peter Huth. Mit der "Sport-B.Z." testet Springer nun den Erfolg einer werktäglichen Sportzeitung vorerst in Berlin, Brandenburg und im Süden Mecklenburg-Vorpommerns.

Ausdrücklich bezeichnete Mayer das Unterfangen als "erweiterten Markttest". Eine Expansion in andere Verbreitungsgebiete schließt er nicht aus. Auch eine bundesweite Ausgabe sei "eine Option", sagt Verlagsleiter Ralf Hermanns. Ob die Zeitung dann jedoch noch "Sport-B.Z." heißen wird, ließ er offen. Die verkaufte Auflage der "Sport Bild", ein wöchentlicher Ableger der starken "Bild"-Marke, lag im zweiten Quartal 2006 bei 470.388 Exemplaren.

Ein "Kern-Team" von etwa 30 Journalisten aus der "B.Z."-Sportredaktion erstellt die Zeitung. So würden Synergien genutzt, betont Mayer. Das erste Interview mit Hertha-Trainer Falko Götz füllt in der "Sport-B.Z." fast zwei Seiten, in der regulären "B.Z." eine halbe. Ansonsten verspricht die "Sport-B.Z." in Rubriken wie "Herzschlag Hertha", 2. Bundesliga, Regionalliga, Oberliga, Basketball, Eishockey, Leichtathletik und Berliner Sport News aus dem Vereinsleben rund um die Hauptstadt. Premiere-Chefreporter Marcel Reif und Ex-Nationalspieler Fredi Bobic gehören zu den Kommentatoren.

Bereits während des WM-Tests mit der "Sport-B.Z." halbierte das Mutterblatt "B.Z." seine Sportseiten von rund zehn auf vier bis fünf Seiten. Chefredakteur Mayer zufolge überblätterten selbst während der Fußball-WM drei Viertel aller "B.Z."-Leser den Sportteil. Und jenem Viertel, das sich für Sport interessiert, seien die vorhandenen Seiten zu wenig gewesen, sagt er.

Für diese Leser soll es nun die "Sport-B.Z." geben. Sie sind Mayer zufolge ohnehin "männlicher, jünger, besser gebildet und besser verdienend" als der durchschnittliche 'B.Z.'-Leser". Die "Sport-B.Z." versteht der Chefredakteur als "Zusatzmedium, nicht als Ersatz für die 'B.Z.'" Die frei gewordenen Seiten in der "B.Z." sollen nun mit "weiblichen Themen" bestückt werden.

Wie lange der "Markttest" laufen soll, ließ der Verlag offen. "Aber wir werden nicht nach drei Wochen aufgeben", betont Mayer.

Korrektur: In der ursprünglichen Version dieses Textes hatte es geheißen, die Jahres-Druckauflage der "Sport-Bild" liege nach jüngster IVW-Statistik bei 214.000 Exemplaren. Dieser Fehler ist beim Redigieren des Textes entstanden. Richtig ist, dass die verkaufte Auflage der "Sport-Bild" im zweiten Quartal 2006 bei 470.388 Exemplaren lag.



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