Tafelspitz-Rezept: Sei bitte zart zu mir

Von Hobbykoch

2. Teil: Rezept für Tafelspitz vom Kalb mit Apfelkren und Bouillongemüse (Hauptgericht für 4 Personen)

Zubereitung: Tafelspitz mit Apfelkren und Bouillongemüse Fotos
Peter Wagner

Vorbereitungszeit: 30 Minuten

Zubereitungszeit: 90 Minuten

Schwierigkeitsgrad: einfach

Zutaten

Tafelspitz
1 kg Tafelspitz vom Kalb
750 ml Kalbsbrühe (selbst gezogen aus Knochen & Suppenfleisch oder Convenience-Kalbsfond mit Wasser 1:1 gemischt)
1 l Wasser
1 El Meersalz
500 g Suppengemüse, klein geschnitten (Karotten, Sellerie, Petersilienwurzeln, Frühlingszwiebeln
1 El weiße Pfefferkörner
1 El Kardamomkapseln
3 Stück Lorbeerblätter
1 Stück französisches bouquet garni (siehe Zubereitung)

Gemüse & Kartoffeln
0,5 Stück Knollensellerie
6 Stück mittelgroße Bundmöhren
4 Stück Petersilienwurzeln
6 Stück dicke Frühlingszwiebeln
600 g kleine neue Kartoffeln (halbfest kochend)

Apfelkren, Garnitur & Sauce
60 g frischer Meerrettich
1 Stück Apfel (feste, fruchtige Sorte)
1 El Sahnemeerrettich aus dem Glas
150 g Crème fraîche (wenn verfügbar französische Ware bevorzugen)
1 Prise Salz
1 Spritzer Zitrone

1 El frischer Meerrettich, geschält und fein geraspelt
3 El scharfe Kresse (z.B. Rettichkresse)

100 ml trockener Weißwein
50 g Butter

Zubereitung

Tafelspitz
Vom Tafelspitz die seitliche Sehne entfernen (kann auch der Fleischer vorbereiten), den Fettdeckel aber nicht abschneiden. Fleisch rechtzeitig aus dem Kühlschrank nehmen, es sollte zu Kochbeginn auch im Inneren Zimmertemperatur haben.

Brühe mit Wasser und Salz in Topf mischen, aufkochen. Fleisch einlegen, Temperatur möglichst konstant bei 85-90 Grad halten, wenn Eiweiß aufsteigt, abschöpfen. Nach 20 Min. restliche Zutaten zugeben. Wenn verfügbar ein in Mousseline eingeschlagenes französisches bouquet garni einsetzen oder die Zutaten (Thymian, Korianderkörner, Fenchelsamen, Basilikum, Petersilie, Sellerieblätter) selbst in ein Tüllsäckchen einschlagen. Fleisch weitere 60 Min. bei geschlossenem Deckel leise sieden lassen. Fleisch aus dem Sud (Bouillon) nehmen, in Alufolie fest einwickeln und im Backofen bei 80 Grad aufbewahren.

Sud durch Sieb schütten, Siebinhalt gut ausdrücken, entsorgen. Bouillon auffangen und zur Zubereitung von Gemüse, Kartoffeln und Sauce verwenden.

Gemüse & Kartoffeln
Aus der Selleriehälfte mit großem Kugelausstecher gleichmäßige Kugeln ausstechen (alternativ Sellerie in gleich große Würfel von ca. 3-4 cm Größe zuschneiden). Möhren schälen, Stiele 4 cm vom Grün-Ansatz abschneiden, Möhren mit Sparschäler (oder Schälmesser) in gleich große Form bringen (tournieren). Petersilienwurzeln schälen und in gleiche Größe bringen (dicke Wurzeln evtl. längs halbieren). Lauchzwiebeln am Strunk abschneiden, auf ca. 8 cm Länge kürzen, äußere Blattschicht entfernen. Gemüse in der kochenden Bouillon 10 Min. garen (Lauchzwiebeln erst nach 8 Min. zugeben). In geschlossener Schüssel mit einem El Bouillon beim Fleisch im Backofen warm halten. Von der Bouillon 300 ml für die Sauce abmessen, Rest für die Kartoffeln benutzen.

Kartoffeln schälen und mit dem Schäler auf möglichst gleiche Größe bringen. In der sprudelnd kochenden Bouillon in Topf weich kochen.

Apfelkren & Sauce
Apfel schälen und entkernen, Meerrettich schälen, beides in grobe Stücke schneiden. Zusammen mit den restlichen Zutaten im Mixer zu einer glatten Creme pürieren, am Ende mit Salz und Zitronensaft abschmecken.

Für die Sauce 300 ml Bouillon und den Weißwein auf ca. 100 ml reduzieren, Butter mit Schneebesen einrühren, warm halten.

Anrichten

Gemüse und Kartoffeln kurz durch die Sauce ziehen (glasieren), restliche Sauce servieren. Fleisch aus der Folie nehmen und mit sehr scharfem Messer quer zur Faser in 1 cm dicke Scheiben schneiden. Entweder einzelne vorgeheizte Teller anrichten (mit Gemüse & Kartoffeln, Apfelkren, Fleisch mit der Kresse und dem frisch geriebenen Meerrettich bestreuen, Sauce seitlich angießen oder in eine Krenspur füllen - siehe Foto), oder alle Komponenten auf einer großen, vorgeheizten Platte zum Selbstbedienen servieren. Sauce in diesem Fall getrennt anbieten.

Küchen-Klang

Helles Fleisch, weißer Kren, das passt wunderbar zur aktuellen Diskussion, ob Jazz überhaupt noch als "schwarze Musik" gelten kann. Wasser auf die Mühlen jener (schwarzen) US-Musiker, die keinen Jazz mehr spielen wollen, weil das eine total "weiße" Musik geworden sei, schüttet eimerweise das skandinavische Quintett um die Saxofonistin und Flötistin Sarah Elgeti, das auf "Into The Open" (Soulfood) schneidend klugen, unglaublich coolen New Nordic Jazz spielt.

Getränketipp

Trotz des leicht französischen Einschlages passen zu diesem Gericht noch immer am besten Weine aus dem Mutterland des Tafelspitz - Österreich. Wir tranken zum Kalb den trotz Holzfass-Ausbau herrlich leichtfüßigen roten 2006 Sighardt Donabaum Zweigelt Reserve Granit, dessen straffe Mineralik sehr schön auch zur reduzierten Sauce passte, und dem der zunächst naheliegendere, vom Kamptaler Winzerpaar Dieter und Maria Laurenz exorbitant frech vinifizierte Veltliner 2011 Forbidden Grüner nur wegen seiner fruchtschmatzenden Saftigkeit Paroli bieten konnte.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. ...........
janne2109 06.05.2012
Zitat von sysopPeter WagnerTopf frei für das bekannteste Siedfleischstück der Wiener Küche: Dank Kaiser Franz Joseph ist Tafelspitz einer der großen Klassiker - in unserer Basiskochen-Lektion ganz traditionell serviert mit Apfelkren und Bouillongemüse. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,831204,00.html
Spon übernimmt jetzt aber nicht die Kochsendung von Lanz oder??
2. warum?
linkslibero 06.05.2012
Zitat von sysopPeter WagnerTopf frei für das bekannteste Siedfleischstück der Wiener Küche: Dank Kaiser Franz Joseph ist Tafelspitz einer der großen Klassiker - in unserer Basiskochen-Lektion ganz traditionell serviert mit Apfelkren und Bouillongemüse. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,831204,00.html
Wieso gibt's bei SPON eigentlich immer nur diese Dorftrottel-Rezepte? Fleischessen macht krank und dumm. Bietet doch mal 'was Veganes oder Makrobiotisches. Ich esse seit 15 Jahren makrobiotisch und bin kerngesund.
3.
greyarea99 06.05.2012
Dieser Kommentar beweist das Gegenteil.
4.
Flari 06.05.2012
Zitat von linksliberoWieso gibt's bei SPON eigentlich immer nur diese Dorftrottel-Rezepte? Fleischessen macht krank und dumm. Bietet doch mal 'was Veganes oder Makrobiotisches. Ich esse seit 15 Jahren makrobiotisch und bin kerngesund.
Nehmen Sie doch statt dem Fleisch einfach ein grosses Stück Tofu und alles wird gut..
5. Trocken und zäh.
Frickleburt Frogfart 06.05.2012
Zitat von sysopPeter WagnerTopf frei für das bekannteste Siedfleischstück der Wiener Küche: Dank Kaiser Franz Joseph ist Tafelspitz einer der großen Klassiker - in unserer Basiskochen-Lektion ganz traditionell serviert mit Apfelkren und Bouillongemüse. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,831204,00.html
Genau diese Methode ergibt ein trockenes zähes Stück Fleisch, auf dem einst die Mongolen schon aus der Steppe bis nach Wien geritten sind. Kocht Ihr Eure Rezepte eigentlich mal nach? Siedefleisch muss immer in kaltem Wasser aufgesetzt werden. KALT! Alles andere ergibt i.d.R. obiges Ergebnis.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Gesellschaft
RSS
alles zum Thema Auf Rezept - Basiskochen mit Peter Wagner
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 19 Kommentare
Auf Rezept - Basiskochen mit Peter Wagner
  • Gunter Glücklich
    Im Küchenkursus "Basiskochen" von unserem "Tageskarten"-Hobbykoch geht es 20 Sonntage lang um die Geheimnisse, Grundlagen und Anwendungstricks der zehn wichtigsten Kochtechniken.

    Es geht ums Braten, Frittieren oder Rösten und um die feinen Unterschiede zwischen Dünsten, Dämpfen und Schmoren.

    In jedem Teil werden zwei Rezepte vorgestellt, in deren Zentrum die jeweilige Gartechnik steht: ein leichtes und ein raffiniertes.

  • Alle bereits erschienenen Rezepte des "Basiskochen" finden Sie hier.

Zum Autor
Foto: Gunter Glücklich
Der in Hamburg lebende Autor Peter Wagner, Jahrgang 1960, kocht länger, als er für Geld schreibt: Seit seinem 16. Lebensjahr ist das Schnibbeln, Simmern und Sautieren sein liebstes Hobby. Als furchtloser Esser mag der hauptberufliche Musikkritiker im Grunde alles, solange es mit Liebe und Verstand aus frischen Zutaten gekocht wird. Weitere Wagner-Rezepte finden Sie auf seiner Männerkochseite www.kochmonster.de
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 5/2012 Die Schauspielerin Sophie Rois über Irrsinn am Theater und Stümpereien in der Liebe

Facebook