Tageskarte Küche Germany's Next Supergriller

Hier kommt die finale Waffe im nachbarschaftlichen Grill-Wettbewerb: Wer mit Alligatoren-Spießchen oder Seeteufelbäckchen im Bananenblatt keinen Eindruck mehr schinden kann, wird mit dem selbstgekochten Tomatenketchup zum Killergriller.

Von Hobbykoch


Mietwohnungsbehauser drehen angewidert den Kopf weg, wenn der TV-Spot einer Baumarktkette das alltägliche Wettrüsten in den Grillwaffenkammern der Gartenbesitzer zum Beat von Queens "We Will Rock You" thematisiert. Doch wer laut Rechtsprechung nur viermal im Jahr auf seinem Balkönchen die Kohle unterm Gitter anheizen darf, kann dieses Lied nie mitsingen. Denn es herrscht tatsächlich ein blutiger, heißer Krieg auf beiden Seiten deutscher Buchsbaumhecken.

Da wird aufgerüstet mit Killergrills für tausend Euro, die Würstchen-Superhelden schützen ihren gestählten Grillerkörper mit stramm sitzenden Schürzen und ellenbogenlangen Handschuhen aus der Raumfahrttechnik und schwingen fleischeslustig ihre edelstählernen Zangen, Gabeln und Wender als seien es heilige Schwerter im Gralskampf.

Wenn Hardware-seitig alles ausgereizt ist, schweigen die Waffen noch lange nicht. Denn auch den bestgerüsteten Nachbarn kann man mit immer edlerem Grillgut in die Enge treiben. Jenseits von Thüringer, Schweinenacken und Stockfisch kommen dann Lende, Straußenfilet, Lachs, Garnelen oder Känguruwaden auf den Rost. Doch was tun, wenn auch auf dieser Ebene ein Remis erzwungen ist? Grille Deinen Nächsten wie Dich selbst? Nein - jetzt beginnt die heiße Schlacht um die kalten Grillsaucen.

Der normale Supermarkt bietet meist nur öde, böse überzuckerte und mit Nahrungsmittelzusätzen vollgepumpte Langweilerschmieren. Deshalb hier ein paar Tipps für eine Saucenauswahl, bei auch der eingebildete Grillschnösel von nebenan feuchte Augen bekommt.

Neben dem als Standard unverzichtbaren Heinz-Ketchup gehört zu gegrilltem Rind und dunklem Geflügel je ein Klecks der britischen "HP Sauce" mit ihrem kolonialem Tamarinden-Flair und die mit Orangenschalen auf spitze Säure optimierte "A.1." aus den USA (beide in gut sortierten Feinkostgeschäften erhältlich, oder bei bosfood ).

Schärfe in feinsten Nuancen bringen nicht irgendwelche Curryketchups vom Discounter, sondern die wunderbar nuancierten Saucen und Marinaden von "Creolo". Grundausstattung bilden die milde "Chicken Wing Marinade", die stark knofelnde "Cayenne Garlic Sauce" und die noch erträglich scharfe "Mexican Salsa Picante" (z.B. über Gourmetversand). Trotz des verniedlichenden Namens "Medium Peri-Peri Sauce" sorgen die bösen, kleinen Birdeye-Chillis aus Zimbabwe, Botswana oder Malawi bei dem südafrikanischen Grillsaucen-Klassiker von "Nando's" (z.B. bei Gourmondo) für das Ende der gewöhnlichen mitteleuropäischen Schärfe-Fahnenstange. Wer es schärfer haben will, muss auf einschlägige Chatrooms für Zungenperversionen zurückgreifen.

Zum Autor
Foto: Gunter Glücklich
Der in Hamburg lebende Autor Peter Wagner, Jahrgang 1960, kocht länger, als er für Geld schreibt: Seit seinem 16. Lebensjahr ist das Schnibbeln, Simmern und Sautieren sein liebstes Hobby. Als furchtloser Esser mag der hauptberufliche Musikkritiker im Grunde alles, solange es mit Liebe und Verstand aus frischen Zutaten gekocht wird. Weitere Wagner-Rezepte finden Sie auf seiner Männerkochseite www.kochmonster.de
Zurück zum Tomatenklassiker. Wir haben den im nachfolgenden Rezept selbst gebrauten Tomatenketchup im Freundeskreis-Blindtest gegen mehrere Industrie-Ketchups antreten lassen, die den meisten Testern aber zu überzuckert schmeckten. Immerhin konnte ein Produkt sensorisch mit der Hausmarke fast gleichauf ziehen.

Der "Real Tomato Ketchup" von Stokes aus dem britischen Suffolk schmeckt für eine industriell gefertigte Sauce fast schon unverschämt intensiv nach frischen Tomaten und benutzt ähnliche Zutaten wie unser Hausmacher-Rezept: unraffinierter Roh-Rohrzucker in erfreulich geringer Dosis, Meersalz und Essig. Zwiebeln und Knoblauch kommen als Pulver hinzu. Der Branntweinessig bringt eine etwas öde Note, leider wurde die Masse mit Speisestärke gebunden. Wer kein Problem mit dem Konservierungsstoff Sorbinsäure hat (wird leider in allen Stokes-Produkten eingesetzt), kann mit dem "Real Tomato Ketchup" eine echte Alternative zu dem zugegebenermaßen arbeitsaufwendigen und auch nicht besonders lange haltbaren Eigengebräu auf den Grillteller bringen.

Das Fleisch (siehe Foto) wurde mit der milden "Bone Suckin' Sauce" (bei bosfood) mariniert, dazu erzeugten wir mit dem getrockneten tasmanischen Pfefferblatt (bei All-Australian) eine samtig-prickelnde Schärfe, die auf dem heißen Grill im Gegensatz zu den üblichen scharfen Marinaden keine unangenehmen Bitterstoffe entwickelt.

So ausstaffiert können Sie auch den härtesten Grillerkillerkonkurrenten auf einer halben Arschbacke niedergrillen.



insgesamt 2 Beiträge
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halbdick, 22.06.2008
1. Weitere Alternativen
Wie wär´s mit Merguez und Harissa ? Das gehört bei uns im Badischen - jedenfalls in Grenznähe - zu einer vernünftigen Grillerei.
schleckischleck 22.06.2008
2. Endlich Ketchup mit wenig Zucker!
Schon lange suche ich nach einem Ketchup, in dem nicht so viel Zucker wie sonst ist. Eine Sorte aus dem Reformhaus mit Apfelsüße schmeckte den Kindern nicht, aber dieses Rezept können wir ja sogar gemeinsam mit ihnen machen. Tolle Idee, denn wenn die Kleinen mitkochen, essen sie die Sachen hinterher auch gern. Bin gespannt, wie wenig schädlichen Zucker man da wirklich braucht.
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