Von Hobbykoch Peter Wagner
Als ich Anfang der 1990er Jahre in einer Zeitschriftenredaktion das HiFi-Ressort betreute, durfte ich eines Abends die Redaktionsparty mit imposanten Test-Boxen beschallen. Zu fortgeschrittener Stunde demonstrierte ich dem stark angetrunkenen Chefredakteur die Leistungskraft der großen Basslautsprecher, indem ich aus 20 Zentimeter Entfernung mein Feuerzeug nur von dem Luftzug des Subwoofers ausblasen ließ. Mein Chef zeigte sich unbeeindruckt: "Dein Zippo kann ich dir auch ausfurzen."
Ich war froh, wieder einmal etwas von ihm gelernt zu haben: Erstens, dass Medienkollegen auch deshalb zu Führungspersönlichkeiten reifen, weil sie die Heftigkeit des Ausdrucks im Zweifelsfalle über die Korrektheit des Inhalts stellen. Und zweitens, dass man, will man Chef werden oder bleiben, keine Angst davor haben darf, sich auch mal gehörig den Arsch zu verbrennen.
Genau das nämlich hätte ihm geblüht, wenn er tatsächlich eine geballte Ladung Darmwinde mit ihrer hoch brennbaren Mischung aus Wasserstoff und Methan direkt ins offene Feuer flatuliert hätte. Ein schönes, fast vergessenes Verb übrigens, dessen Substantiv in unseren Ohren deutlich feiner klingt als der gemeine Furz.
Das war nicht immer so. Luthers angebliche Tischrede "Warum rülpset und furzet ihr nicht? Hat es euch nicht geschmacket?" ist dem Kirchengründer zwar erst im 18. Jahrhundert angedichtet worden, verbrieft ist aber Luthers, in der Führungskraftdiskussion wieder hochaktuell gewordenes "Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz."
Was uns unweigerlich zu der Frage führt, warum es angesichts der unglaublichen Mengen Treibhausgase (Methan, Kohlenstoffdioxid, Schwefelwasserstoffe), die die Menschen früherer Jahrhunderte hinter sich ließen, nicht schon im Mittelalter zum grausigen Global Warming gekommen ist.
Denn damals ernährte sich der Großteil der Bevölkerung Europas von Speisen, die bis heute zu Recht den Ruf haben, durch ihre blähende Wirkung jegliche viel versprechend beginnende zwischenmenschliche Interaktion jäh beenden zu können: Getreidebrei, Kohl, Zwiebeln, Wurzeln, sowie Eier und Hülsenfrüchte als wichtigste Eiweißlieferanten in einer an regelmäßigem Fleischkonsum armen Epoche, die andererseits Ende des 19. Jahrhunderts einige begnadete Kunstfurzer wie den Franzosen Joseph Pujol hervorbrachte, in dessen Fußstapfen später nur der Brite Paul Oldfield passte, der im Juli 2000 unter dem Künstlernamen Mr. Methane die leider längst vergriffene Kult-CD "Anal Madness from the Man with the Rumbling Ring" flatulierte.
Wenn es heutzutage bei Ihnen hinten mal knattert und stinkt und Sie nicht unter Flatulenz-fördernder Lactose-Intoleranz leiden, müssen Sie sich dennoch nicht schämen. Von den rund 15 Litern Gasen, die bei der täglichen Verdauung im Körper entstehen, wird bis auf etwa einen halben Liter der Großteil über das Blut und die Lungen entsorgt, der Rest verschwindet meistens leise und unbemerkt unter die Bettdecke. Bei schmerzhaften Blähungen vor dem Einschlafen helfen Fencheltee, Wärmflasche und sanfte, kreisförmige Bauchmassagen (wichtig: immer im Uhrzeigersinn streicheln!).
Als Hobbykoch steht man den Bekochten gegenüber natürlich in der Verantwortung, schon in der Küche alles Menschenmögliche zu tun, um spätere Peinlichkeiten zu vermeiden. Beim Sauerkraut hilft, es nach dem Salzen lange gären zu lassen. Generell Flatulenz senkend, sind bei sämtlichen blähenden Speisen Gewürze mit karminativ wirkenden ätherischen Ölen. Also: Kümmel im Kohl, Anis und Fenchelsaat in den Bohnen, kleine und feste Zwiebeln mit etwas gemahlenen Koriander anschwitzen, ein paar frische Pfefferminzblätter oder Kurkuma zu den Wurzeln geben.
Auch dem Wermutkraut wird nachgesagt, die Darmwinde abflauen zu lassen. Am wirkungsvollsten, indem man sich den Thujon-Flash in Form von mehreren Gläsern Absinth nach dem Krautmahl reinpfeift. Das törnt dermaßen, da kommt auch der verzagteste Arsch fröhlich in Fahrt.
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