Tageskarte Theater Neue Puppen, alte Bekannte

Knautschgesichtige Figuren und Bus-Marathons: "Impulse", das bedeutendste Festival des freien Theaters hat unter neuer Leitung einiges zu bieten - und auch viele gute Bekannte eingeladen.


Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder sind die neuen künstlerischen Leiter des Theater-Festivals "Impulse" in Nordrheinwestfalen ein bisschen müde gewesen – oder sie sind Überzeugungstäter. Schon um Beschwerden wegen übler Nachrede zu vermeiden (aus Feigheit also), nehmen wir mal letzteres an: Tom Stromberg und Matthias von Hartz haben einfach deshalb so viele gute Bekannte zum Treffen der besten Off-Theater-Produktionen im deutschsprachigen Raum eingeladen, weil es in ihren Augen (und denen der anderen Jurymitglieder) keine besseren gibt.

Plakat des "Impulse"-Festivals: "Geballte Zukunft des Theaters"

Plakat des "Impulse"-Festivals: "Geballte Zukunft des Theaters"

Da ist es nur logisch, dass viele dieser Inszenierungen auch im Programm der Hamburger Theaterfabrik Kampnagel zu finden sind. Dort ist Matthias von Hartz Mitglied der künstlerischen Leitung – und was für ein Festival, bei dem die "geballte Zukunft des Theaters" gezeigt wird, recht ist, ist doch für Hamburgs fortschrittliche Theatergänger nur billig, oder? Oder ist es andersrum?

Zurück zum Beginn des Jahrtausends heißt jedenfalls das geheime Motto der neuen "Impulse" – mit Performance-Gruppen wie She She Pop, God's Entertainment und Showcase Beat Le Mot, die ihren an dieser Stelle neulich schon so gelobten "Räuber Hotzenplotz" zeigen. Dazu ist als "Special Guest" der französische Choreograf Jérôme Bel eingeladen, mit dessen Produktion "The show must go on" Tom Stromberg im Jahr 2000 seine Intendanz am Hamburger Schauspielhaus eröffnete – was damals leider nicht die Erwartungshaltung des Publikums bediente. Bei seinem neuen Abend "Pichet Klunchun and myself" tauscht Bel sich mit seinem thailändischen Kollegen Klunchun über ihre so verschiedenen Traditionen aus. Leute, die den Abend bereits in Hamburg gesehen haben (auf Kampnagel, aber das mag Zufall sein), berichten von einem hochinteressanten, sehr persönlichen Crashkurs über das Tanztheater. Auch Hintergründe zu "The show must go on" werden noch mal erläutert. So schließt sich der Kreis.

Der Fairness halber sei erwähnt, dass auch weniger Bekannte in Bochum, Düsseldorf, Köln und Mülheim auftreten. So verspricht etwa die Berliner Puppentheatertruppe "Das Helmi" großen Spaß mit "10 Stücken in 11 Tagen". Mit ihren knautschgesichtigen Figuren trauen sich die Theatermacher an "Leon, der Profi" genauso ran wie an "Ödipus".

Und noch eine Neuerung: An mehreren Tagen gibt es "Halbmarathons" und sogar "Marathons", bei denen man mit dem Bus von Stadt zu Stadt gefahren wird und mehrere Highlights an einem Abend erleben kann. Nichts für müde Männer.


Theater Festival Impulse noch bis 2.12. in Bochum, Düsseldorf, Köln und Mülheim an der Ruhr.

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