Düsseldorf - Verhärten sich erneut die Fronten zwischen ARD und ZDF? Die Vorwürfe der "unfreundlichen Kampfprogrammierungen" tauchen seit der Kritik des ZDF-Programmdirektors Thomas Bellut aus dem Jahr 2004 immer wieder einmal auf. Nach damaligen Abstimmungsgesprächen mit ARD-Programmdirektor Günter Struve gab es im Jahr 2005 eine Art Waffenruhe. Nun rüstet die seit 1. April 2007 amtierende WDR-Intendantin Monika Piel anscheinend wieder auf.
Denn wenn es um Marktanteile geht, leidet die schönste Freundschaft: Die Zuschauerzahlen der "Tagesthemen" sind in diesem Jahr von 2,5 Millionen (2006) auf 2,3 Millionen gesunken. Das "heute journal" im ZDF kann meist mit höheren Quoten aufwarten und erzielt im Vergleich mit den ARD-Hauptnachrichten regelmäßig ein Plus von einer Million Zuschauern oder mehr.
Dieses Missverhältnis will Monika Piel offenbar beseitigen: "Das Einzige, was sie dort besser machen, ist, dass sie im Gegensatz zu den 'Tagesthemen' eine frühe Anfangszeit haben", sagte die WDR-Intendantin in einem heute veröffentlichten Interview mit der "Rheinischen Post" in Hinblick auf das konkurrierende "heute journal".
Daran müsse sich ihrer Meinung nach dringend etwas ändern. "Eine so wichtige Nachrichtensendung wie die 'Tagesthemen' muss auch eine verlässliche Sendezeit haben", wird Piel zitiert. Eine WDR-Sprecherin beeilte sich heute vormittag zu betonen, dass Piel damit keineswegs für eine Vorverlegung der Tagesthemen plädiert habe. Es gehe ihr vielmehr um eine feste Sendezeit für die ARD-Tagesthemen um 22.15 Uhr. Bisher fehle über die Woche ein verlässlicher Sendetermin. Die ARD-Programmdirektoren beschäftigten sich zurzeit mit dem Thema.
Tatsächlich fände man ein weiteres Vorrücken der "Tagesthemen" bei der Mainzer Konkurrenz nicht lustig:"Es gibt eine Übereinstimmung zwischen ARD und ZDF, dass Nachrichtenformate nicht in direkte Konkurrenz treten," sagte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender zu SPIEGEL ONLINE. Das Verhältnis zwischen den Sendern bezeichnet er als "kooperativ", und er hoffe, dass Monika Piel ARD und ZDF nicht in "unnötige Konkurrenzen" treibe.
Zusätzlich gelte, so Brender, dass sich Nachrichtenformate von ARD und ZDF auch nicht überschneiden dürfen. Das aber heißt, dass es für die Vorverlegung der "Tagesthemen" vor 22.15 Uhr keinerlei Spielraum gibt, wenn die Formate nach wie vor aufeinander folgen sollen - es sei denn, die ARD-Nachrichten enden vor 21.45 Uhr, also dem Beginn des "heute journal". Eine solche Programmierung erscheint angesichts der Nähe zur "Tagesschau" allerdings unrealistisch.
Krimis gegen Krimis
Der Sinn der öffentlich-rechtlichen Programme sei schließlich, den Zuschauern zu jeder Zeit ein Nachrichten-Angebot zu bieten, argumentiert Brender weiter. "Deshalb wäre es nicht vernünftig, die Hauptnachrichten gegeneinander zu stellen." Die Konkurrenz fürchte er nicht - er halte viel von den "Tagesthemen", aber vom "heute journal" halte er "ein paar Punkte mehr als von den "Tagesthemen"."
Bereits die Vorverlegung der "Tagesthemen" auf 22.15 Uhr war nicht unumstritten. Ende 2004 wurde bekannt, dass die "Tagesthemen" eine Viertelstunde früher ausgestrahlt werden sollen. Das Zweite fühlte sich angegriffen, ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut sagte damals dem SPIEGEL: "Ich halte den früheren Termin für falsch, er ist zu dicht an unserem Journal."
Vor rund zwei Jahren war dann die Reform des ARD-Hauptabendprogramms beschlossene Sache: Sieben von zehn der ARD-Programmdirektoren hatten dafür gestimmt, die sechs politischen Magazine um eine Viertelstunde auf dreißig Minuten zu kürzen, dadurch konnten die "Tagesthemen" montags bis donnerstags statt um 22.30 Uhr schon um 22.15 Uhr ausgestrahlt werden. Die Änderung, die seit 1. Januar 2006 gilt, könnte nun eventuell wieder zur Disposition stehen.
Die mögliche Vorverlegung der "Tagesthemen" stünde in einer Reihe mit weiteren Neuerungen in der Programmierung der ARD: Sonntags nach dem "Tatort" schickt die ARD jetzt eine Reihe von Håkan Nesser-Krimis hinterher - und gegen das ZDF ins Feld, denn auf dem gleichen Platz sind auch die Mainzer Sonntagskrimis zu sehen, beispielsweise die Verfilmungen der Wallander-Reihe von Henning Mankell. Von Oktober an will das Erste am Montag um 20.15 Uhr Krimis ausstrahlen und somit direkt gegen den ZDF-Fernsehfilm der Woche antreten.
Das kann man schon mal Kampfprogrammierung nennen. Heute aber feiert zunächst einmal die neue "Tagesthemen"-Moderatorin Caren Miosga ihren Einstand. Die bisherige Moderatorin der ARD-Kultursendung "Titel, Thesen, Temperamente" ersetzt Anne Will, die nach sechs Jahren Nachrichten mit einer Talksendung am Sonntag die Nachfolge von Sabine Christiansen antreten will. Damit hat sich binnen zehn Monaten das Gesicht der "Tagesthemen" komplett verändert.
bos/AP
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