Datenklau "taz" veröffentlicht interne Recherchen zur Spähaffäre

Eine Datenklau-Affäre erschütterte 2015 die "taz". Nun veröffentlicht die Tageszeitung umfangreiche Recherchen, die zeigen, was den Redakteur, der seine Kollegen ausspähte, antrieb.

"taz"-Haus in Berlin
AP

"taz"-Haus in Berlin


Der Datendiebstahl eines Redakteurs im vergangenen Jahr war offenbar nicht gegen die "taz" als Medium gerichtet, vielmehr deute alles auf persönliche Motive hin: Zu diesem Ergebnis kommt ein jetzt abgeschlossener Recherchebericht von zwei eigens dafür abgestellten Redakteuren der Tageszeitung. Demnach waren mindestens 23 Personen ausgespäht worden, 19 davon Frauen.

Die Berliner Staatsanwaltschaft führt derzeit ein Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen "taz"-Mitarbeiter wegen der Ausspähung von Daten. Die Rechercheure haben ihren Ex-Kollegen in Asien ausfindig gemacht, wo er heute lebt. Doch der Beschuldigte äußert sich nicht zu den Vorwürfen.

"Es geht im Kern um die Verletzung der Privatsphäre von Kolleginnen und Kollegen", sagt "taz"-Chefredakteur Georg Löwisch. "Und die Privatsphäre ist in unseren Augen ein so hohes Gut, dass man es aufarbeiten muss - gerade, wenn sie derart systematisch verletzt worden ist." Die "taz" hat allen Ausgespähten angeboten, die von ihnen abgeschöpften Daten einzusehen.

Der inzwischen gekündigte "taz"-Redakteur wurde im Februar 2015 dabei ertappt, als er den Keylogger von einem Rechner zog. Ein Keylogger ist ein Spähwerkzeug, das wie ein Adapter zwischen Tastaturkabel und Computer gesteckt wird und alles aufzeichnet, was der Benutzer schreibt. Auf diese Weise wurden auch Passwörter abgegriffen.

Die "taz" veröffentlicht den Recherchebericht in ihrer Wochenendausgabe und auf taz.de.

feb



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