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"Terminator" bei ProSieben: Kopf aus Eisen, Herz aus Stahl

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Wer war noch mal Arnold Schwarzenegger? In "Terminator: S.C.C.", der Fernsehversion der Kampfmaschinensaga, töten und herrschen starke Frauen. Damit liegt die Serie im Trend des US-Fernsehens - Männer sind da bloß noch Weicheier.

Wie soll aus einem 15-Jährigen ein Mann werden, wenn ihm seine Mutter ständig mit der Pumpgun in der Hand ermahnt, er dürfe sich keinen Schnupfen holen, weil er doch in der Zukunft die Welt zu retten habe? Nein, John Connor hat es wirklich nicht leicht. Wo andere Moms ihren Jungen in übertriebener Fürsorge einen Schal um den Hals wickeln, da legt ihm seine eine schussfeste Weste um. Und das alles im Auftrag der Menschheit.

Kleiner geht es nicht, denn dieser paramilitärisch umsorgte John Connor ist die Fernsehserienausführung des Jungen, um den auch schon die "Terminator"-Trilogie kreiste: der baldige Führer jener Restmenschheit, die in nicht allzu ferner Zukunft einen von Maschinen ausgelösten Nuklearkrieg überlebt. Die bösen Roboter nun schicken Killer aus der Zukunft in die Gegenwart, um dem noch pubertierenden Rebellenführer den Garaus zu machen. So wird die Adoleszenz zum Daueralarm.

Der Stoff ist durch die Kinosaga ja bestens bekannt. Doch wo Regisseur Cameron die "Terminator"-Geschichte für die große Leinwand zum Technikspektakel geweitet hat, da fährt die Fernsehproduktion sie durchaus phantasievoll zum modernen Kleinfamiliendrama herunter.

Männer haben in dieser Kleinfamilie allerdings keinen Platz, denn sie entpuppen sich entweder bald als Mordapparate in Menschenkostüm oder als arglose Weicheier, die beim Kampf gegen die Anfänge des zukünftigen Roboterregimes nur im Weg stehen.

Und so wächst der junge John in "Terminator: S.C.C." eben zwischen zwei außergewöhnlich starken Frauen auf: der ständig Kriegspläne schmiedenden Mutter und der Replikantin Cameron, einer positiv programmierten Kampfmaschine mit weiblichem Antlitz, die von den überlebenden Menschen der Zukunft in die Gegenwart geschickt wurde, um den Connors beizustehen.

Der kleine Connor (Thomas Dekker) kann bei so einem familiären Umfeld natürlich nur schwer sozial Fuß fassen. Regelmäßig eliminieren die Mutter (Lena Headay) und die Quasi-Schwester (Summer Glau) verdächtige Elemente um ihn herum, und abends stehen sie in der Küche vor der Spüle, um die Magazine ihrer Waffen zu reinigen. Heimarbeit auf die harte Tour.

Auf diese Weise wird in den "Sarah Connor Chronicles" ein Trend auf die Spitze getrieben, der sich schon länger im amerikanischen Fernsehen abzeichnet. Männliche Helden sucht man hier inzwischen vergeblich; statt machistischer Selbstherrlichkeit regiert ein höchst sachliches Matriarchat den US-Serienbetrieb.

Man muss sich nur mal die Serien der vergangenen Jahre anschauen: Während mit Protagonisten wie Sexsüchtigen ("Californication"), Borderlinern ("Eli Stone") oder Psychopathen ("Dexter") der Männlichkeit ein eher trauriger Befund ausgestellt wird, agieren auf weiblicher Seite erfolgreich anpackende Drogendealerinnen ("Weeds"), Ermittlerinnen ("The Closer") und Juristinnen ("Damages").

Abgezockt, verhöhnt, abserviert

Die TV-Hits der aktuellen US-Saison, hierzulande noch nicht angelaufen, zeichnen nun besonders genüsslich ein Bild des Mannes in der Krise. Karriere, Familie, Libido – alles futsch. Im Radikalklamauk "The Rules for Starting Over" (produziert von den "Verrückt nach Mary"-Schöpfern Bobby und Peter Farrelly) muss zum Beispiel ein Vierzigjähriger nach dem Totalkollaps von vorne anfangen, erlebt aber nur eine mäßig befriedigende Annäherung an ein anderes Wesen. Er wird von einem Affen vergewaltigt.

Seinen Geschlechtsgenossen in anderen Serien wird ebenfalls schmerzhaft mitgespielt. Die einzige Art von Sexualität etwa, die den Superhirnen in der Forscher-Comedy "The Big Bang Theory" zugebilligt wird, besteht darin, ihr Sperma in Röhrchen an Möchtegernmütter weiterzugeben. Anfassen will diese Intelligenzmonster niemand. Ähnlich geht es den Freunden in der brachialen Beziehungs-Sitcom "Carpooler", die auf unterschiedlichste Weise von ihren Frauen abgezockt, verhöhnt und abserviert werden. Der Mann an sich – im US-Fernsehen taugt er nur noch zum Spott.

Aber was soll er auch ausrichten gegen all diese attraktiven, pragmatischen und hochintelligenten Damen, die ganz aktuell die Serienlandschaft bevölkern? Das US-Präsidentenamt ist an den Frauen vorbeigegangen. Im TV haben sie längst sämtliche Führungspositionen besetzt.

Sehr schön zu sehen ist das in der New Yorker Dramedy "Cashmere Mafia", die um eine Gruppe weiblicher Senior-Yuppies gebaut ist, die sich im Gegensatz zu ihren Vorgängerinnen in "Sex and the City" nicht mehr durch die Jagd nach Mr. Right von der Karriereplanung ablenken lassen. Mr. Right (oder auch nur Mr. Okay) steht ja bereits daheim in der Küche und kümmert sich um die Kinder. Ähnlich selbstbestimmt agiert das Personal im Krimi "Women's Murder Club", der von einer weiblichen Ermittlerin erzählt, die an ihren männlichen Kollegen vorbeibefördert wird und einen Kreis kriminalistisch beschlagener Frauen um sich versammelt.

Und ewig zaudert der Mann

Im Kampf gegen das Böse sind die Männer eben längst nicht mehr zu gebrauchen. Ewig zaudern sie. Doch "Wieso, warum, weshalb?" sind nun mal nicht die richtigen Worte, wenn es darum geht, die Anfänge eines tyrannischen Computersystems zu zerstören, so wie das die Frauen in "Terminator: S.C.C." schlagkräftig tun. Skynet heißt dieses System, und bei seiner Vernichtung nehmen Mutter Connor und Schwester Cameron allerlei Kollateralschäden in Kauf, während der junge John ständig zur Besonnenheit mahnt.

So gesehen verkehrt "Terminator: S.C.C." konsequent die Geschlechterrollen, wie sie im klassischen Actionthriller geprägt wurden – wenn auch mit Kollateralschäden für die Charakterfeinzeichnung. Viel Entwicklungsspielraum bleibt den Figuren in den dreiviertelstündigen "Shoot and Run"-Episoden leider nicht.

Dafür gelingt es der Serie, zum Großteil mitgeschrieben von "Terminator"-Schöpfer Cameron selbst, dem Thema Zeitreise ganz neue Aspekte abzugewinnen. Denn um einen Anschlag zu entgehen, beamt sich die Kleinfamilie Connor mit ihrem Hausroboter vom Jahr 1999 ins Jahr 2007. Und eben diese kleine Zeitspanne wird von den Machern klug als Sprung in eine andere Epoche inszeniert. Wie fremd die Welt in nur acht Jahren geworden ist!

Die Terrorbekämpfung nach den Anschlägen des 11. Septembers wird nämlich ebenso thematisiert wie die Waffenkontrollen an den Highschools. Doch wie soll Replikantin Cameron die Metalldetektoren passieren, mit denen amerikanische Schüler nach Mordgerät untersucht werden? Ihr Quasi-Bruder rettet sie, indem er die Sicherheitsbeamten davon überzeugt, dass man ihr nach der Entfernung eines Tumors eine Metallplatte in den Kopf operiert hätte.

So bilden die Heldinnen im "Terminator 09" auf leicht zweifelhafte Weise die materielle Zuspitzung des neuen Frauenbildes im amerikanischen Fernsehen: Kopf aus Eisen, Herz aus Stahl.


"Terminator: S.C.C.", montags 21.15 Uhr, Pro Sieben

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 209 Beiträge
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1. Credits for Alice?
wilde Socke 12.01.2009
Hat Alice Schwarzer am Drehbuch mitgewirkt?
2. wirklich gut
kinofan 12.01.2009
Habe mir jetzt mal alle Folgen auf kino.to angeschaut und muss sagen, sehr gut!
3. spon artikel....
kurosawa 12.01.2009
... na ja, der spon artikel klingt ja nicht gerade positiv. am besten selber ein bild von der serie machen. und das james cameron an der serie migeschrieben hat lässt ja hoffen. den direkten sprung von 1999 zu 2007 finde ich allerdings sehr interessant...
4. ähm
mime 12.01.2009
Kopf aus Eisen, Herz aus Stahl....und Brüste aus Fleisch :) Also wenn das keine MÄNNERserie ist, wo die beiden Hauptdamen häufig genug nackt durchs Bild huschen, natürlich alles korrekt in die Story eingebunden.... Insgesamt eher eine lahme Serie. Aber der Fast-sieht-man-etwas-Faktor funktioniert sicher beim ein oder anderen Herren. Soviel zur Emanzipation....
5. @wilde Socke
champagnero 12.01.2009
Nee. Alice Schwarzer hat diesen Artikel geschrieben... ;-)
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