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Terminatrix Summer Glau: Wie man Sarah Connor die Show stiehlt

Von Nina Rehfeld

Arnold Schwarzenegger war der Klassiker, aber Summer Glau ist als Terminator nicht nur cooler, sondern vor allem klüger und attraktiver: Als Cyborg-Mädchen Cameron rettet die US-Schauspielerin in "The Sarah Connor Chronicles" die Welt - und macht die TV-Serie sehenswert.

Arnold Schwarzenegger ("I'll be back!") ist der Ur-Terminator. Robert Patrick – der Mann im zweiten Teil, der sich in flüssiges Metall auflösen konnte – war der Gruseligste. Aber Summer Glau ist die berückendste unter Hollywoods Terminatoren, in deren Riege sich die 27-jährige Texanerin mit ihrer Rolle der Cameron in der Serie "The Sarah Connor Chronicles" (jetzt zu sehen auf Premiere) einreiht.

Summer Glau als Cyborg Cameron: Absichtlich verlangsamtes Blinzeln
Warner Bros.

Summer Glau als Cyborg Cameron: Absichtlich verlangsamtes Blinzeln

Beim Anblick von Summer Glau denkt man nicht unbedingt als erstes an einen taffen Cyborg. Statt der Amazonenfigur von Kristanna Loken, die in "Terminator 3" als zerstörungswütige Terminatrix im engen Lederdress Domina-Phantasien bediente, hat Glau den zierlichen Körper und die Anmut einer Ballerina.

Tatsächlich war die älteste von drei Töchtern eines Bauunternehmers und einer Lehrerin bis zum Alter von 19 Jahren professionelle Ballett-Tänzerin, und es ist vieleicht ein Ironie des Schicksals, dass sie nach einer Fußverletzung, die ihrer Tanzkarriere den Garaus machte, ihre Schauspiellaufbahn ausgerechnet als Kung-Fu-Kämpferin in Joss Whedons Space-Western "Firefly" begann.

Als Terminatrix Cameron setzt sich diese filmische Kampfsportkarriere nun fort. "Wer hätte das gedacht!", sagt sie im Interview und lacht. "Immerhin bin ich als Ballerina groß geworden. Und im wirklichen Leben bin ich ein richtig böses Mädchen."

Heimlicher Star der Show

Die Anmut, mit der Cameron in dem Fernseh-Spin-off der erfolgreichen Kino-Reihe böse Terminator-Kollegen plattmacht, betont immerhin wirkungsvoll ihren unheimlichen menschlichen Anstrich. Serienautor Josh Friedman bezeichnet Summer Glau prompt als seine Muse. "Ich wüsste nicht, wie die Show ohne sie laufen könnte."

Das sieht wahrscheinlich auch das Publikum so. Zahllose Fans hatten sich stöhnend die Haare gerauft angesichts der Nachricht, dass Fox eine Serienversion von James Camerons Robotermärchen ins Fernsehen bringen wollte. Doch das Ergebnis ist eine überraschend kluge TV-Adaption mit sparsamen Knall-Effekten, die eine eigene Erzählung um Sarah Connor entwickelt. Wir erinnern uns: Am Ende von "Terminator 2" (1991) hatte die Mutter des späteren Rebellen-Anführers John Connor zwar den quecksilbrigen T-1000 erledigt, aber auch Beschützer-Bot Arnie war hinüber. Sarah und ihr Sohn standen der Welt erneut schutzlos gegenüber. Im enttäuschenden dritten Teil der Kino-Serie wurde sie schlicht für verstorben erklärt.

Die Serie behandelt nun die Zeit zwischen den beiden Filmen und beginnt 1998 mit John (Thomas Dekker, der seine Rolle als Zach in "Heroes" hierfür aufgab) als 15-jährigem Teenager, der mit seiner Mutter im Untergrund lebt und vor Terminatoren und Behörden gleichermaßen auf der Flucht ist.

Johns verhasster Alltag, der von Hausarrest zur Sicherheit und ständigen Umzügen geprägt ist, erhält einen Lichtblick mit Cameron, einer Klassenkameradin aus seiner neuesten Schule – die sich zu seiner Überraschung als Schutz-Terminatrix entpuppt. Sarah, deren Misstrauen gegen Maschinenmenschen sich zu einem hochnervösen Radar entwickelt hat, akzeptiert Camerons Hilfe nur widerwillig, doch es ist letztlich der Roboter, der John und Sarah mit einem Zeitsprung ins Jahr 2007 vor der Vernichtung bewahrt.

"Ich arbeite sehr bewusst an meinen Bewegungen"

Summer Glau, die die Terminator-Filme nicht einmal gesehen hatte, als sie für die Serie gecastet wurde – "das ist an mir vorbei gegangen, weil ich immer dachte, das sind bloß Actionfilme" –, modellierte ihren Charakter absichtlich nicht nach ihren Vorgängern. "Sie ist ja anders als die vor ihr, noch menschlicher. Sie ist das bisher beste Modell, und das macht sie ein bisschen komplizierter."

Ganz offensichtlich ist ihr T-Modell auf größtmögliche Lernfähigkeit gepolt: Mit großen Kinderaugen saugt Cameron auf, was die Menschenwelt ihr zu bieten hat. Einer der Clous der Serie ist die unheimliche Frage, wie nah Cameron dem menschlichen Fühlen kommt. Äußerlich zumindest geht ihr jede Emotionalität ab. "Ich arbeite sehr bewusst an meinen Bewegungen", sagt Glau: "Ein Roboter schlägt die Beine nicht übereinander, er verschränkt nicht die Arme, streicht sich nicht die Haare aus dem Gesicht, wenn Wind weht." Sie lernte sogar, mit Absicht verlangsamt zu blinzeln.

Glau spielt den Cyborg mit solch suggestiver Coolness, dass sie prompt zum Star der Serie avancierte, die in den USA bereits im Januar anlief. Pech für Titelheldin Lena Heady, die zuletzt als Spartanerkönigin in "300" zu sehen war und Sarah Connor als Untergrund-Kämpferin am Rande des Identitätsverlusts darstellt. Doch es war Summer Glau, die auf der diesjährigen Fachmesse Comic-Con die Fans zu Jubelstürmen hinriss.

Die Rolle mag der Amerikanerin, die für ihr Leben gern mexikanisch kocht und am Ende ihrer langen Drehtage oft noch Zeit zum Tanzen findet, einige Türen in Hollywood öffnen. Vielleicht sogar schon bald – Fox hat nach einer starken ersten Staffel in der zweiten Saison mit schwachen Quoten zu kämpfen. Auch wenn Gerüchte über das bevorstehende Ende der Serie bislang nicht bestätigt wurden, hofft das Studio womöglich auf eine Wiederbelebung der Publikumsgunst mit dem Kinostart von "Terminator 4: Salvation" im kommenden Mai.

Summer Glau, die derzeit einen Kurzfilm mit ihrem Mentor Joss Whedon plant, hat für den Fall der Fälle schon Ideen: "Ich würde wahnsinnig gern mal in einem Western oder einem Historienschinken mitspielen."


"Terminator: The Sarah Connor Chronicles", auf Premiere

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"The Sarah Connor Chronicles": Die Taffe und die Terminatrix


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