"The European" Debattenmagazin steht vor der Schließung

Erst im Dezember hatte der schillernde Unternehmer Bernd Förtsch das Debattenmagazin "The European" übernommen. Jetzt stehen Magazin und Onlineportal nach SPIEGEL-Informationen vor dem Aus.

Magazin "The European": Als Onlineportal gestartet
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Magazin "The European": Als Onlineportal gestartet


Das Debattenmagazin "The European" wird offenbar eingestellt. Nach SPIEGEL-Informationen wurden am Mittwoch alle acht Angestellten gekündigt, somit könnte das Magazin auch nicht als reines Onlineportal weitergeführt werden.

Erst im Dezember 2014 hatte der schillernde Kulmbacher Unternehmer Bernd Förtsch das Magazin übernommen. Seine Börsenmedien AG hat Erfahrungen mit Medien: Neben dem Wochenblatt "Der Aktionär" gehörte auch das "Deutsche Anleger Fernsehen" (DAF) dazu - das ging allerdings bereits im März dieses Jahres in die Insolvenz. Förtsch wurde 2012 vom manager magazin zu den 500 reichsten Deutschen gezählt.

"The European" wurde 2009 als Onlineportal gegründet, 2012 startete Chefredakteur Alexander Görlach auch mit einer gedruckten Ausgabe. Hinzu kamen verschiedene weitere Ableger, etwa Newsletter oder Veranstaltungen. Die Auflage des Magazins lag zuletzt bei rund 25.000 Exemplaren, auch an Kiosken war die Zeitschrift erhältlich. Gewinn machte "The European" nie - Förtsch übernahm 78 Prozent und machte vollmundige Versprechen.

Ab dem Jahr 2015 werde man die Anzahl der erscheinenden Print-Titel auf bis zu zehn Magazine pro Jahr steigern, hieß es in einer Jubelmeldung zur Übernahme, die bis heute online steht. Bisher sind in 2015 drei Hefte erschienen. Zudem wolle man die englische Onlineausgabe erweitern. Kurz: Das Unternehmen sollte wachsen. Mancher Mitarbeiter erinnert sich sogar daran, dass Förtsch eher als strategischer Investor aufgetreten sei und vorgegeben habe, dass es ihm nicht um eine schnelle Rendite gehe. Trotzdem hat die Börsenmedien AG alle weiteren Investitionen in das Unternehmen nun offenbar abgesagt.

Schon ab August könnte deshalb Schluss sein. Aus dem Unternehmen heißt es, die Situation laufe auf eine Schließung zu. Offiziell wollte sich "The European" nicht äußern.

Inwieweit sich für die Marke ein neuer Investor finden lässt, ist derzeit unklar. Offenbar gebe es einen Interessenten für das Magazin, heißt es im Umfeld. Vor der Übernahme durch Förtsch hatten zwei Großverlage Interesse an dem Unternehmen gezeigt.

mum

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insgesamt 4 Beiträge
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noalk 24.07.2015
1. als Beilage
Steht in diesem Blatt (oder online) irgendwas, das man nicht auch woanders lesen kann? Es strotzt jedenfalls nicht vor Ganzeuropa-relevanten Beiträgen. Vielleicht findet sich ein Verlag oder eine Verlagskooperation, der/die das als kostenlose Zeitungsbeilage verbreitet.
mangeder 24.07.2015
2. nicht Schade drum
Die Bezeichnung "Debattenmagazin" ist sowieso ein lächerlicher Euphemismus, tatsächlich ist es ein neoliberales Hetzblatt.
G. Eisgruber 24.07.2015
3. Na endlich
"The European" war schon immer belanglos. Nur der Name "Debattenmagazin" war ein guter Witz. "The European" war wie ein Jahrmarkt, wo jedem, der drei Sätze in unfallfreiem Deutsch schreiben konnte, eine Lizenz zum Meinen erteilt wurde. So wurden hunderte von "Meinungen" teils unbekannter, sich ernst nehmender Nobodies aneinandergereiht, um das "Magazin" als bahnbrechende Neuerung in der Debattenkultur zu vermarkten. Ein Spielplatz von Wichtigtuern für Wichtigtuer. Profil? Anspruch? Fehlanzeige. Langweilig und beliebig, kein Wunder, dass da auf Dauer der Rubel nicht mehr rollen wollte.
sober 24.07.2015
4. Zufall?
Habe mich gerade gestern über dieses Magazin gewundert, weil ich auf einen Artikel stieß, der der siechen FDP voller Vorfreude ein großes Comeback prophezeite. Vom Wiederaufstieg war die Rede. Tja, shit happens. Da glaubt endlich mal wieder ein Medium an die FDP und nimmt daraufhin prompt den gleichen Weg wie die Partei: mit Schmackes in die Pleite und Bedeutungslosigkeit. Plumper Neoliberalismus zieht nicht mehr, weder in der Wahlkabine noch im Zeitungskiosk...
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