Journalisten-Ehrung: "Philadelphia Inquirer" erhält Pulitzerpreis

Der legendäre Pulitzerpreis geht in diesem Jahr an eine Zeitung in Philadelphia - ein Reporterteam berichtete in Text und Bild über Jugendgewalt in seiner Stadt. Auch die "New York Times" wurde ausgezeichnet. Zum ersten Mal seit 35 Jahren fand die Jury jedoch keinen Roman preiswürdig.

Preisträger des "Philadelphia Inquirer": Starke Erzählkunst in Schrift und Video Zur Großansicht
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Preisträger des "Philadelphia Inquirer": Starke Erzählkunst in Schrift und Video

New York/Hamburg - Er gilt als die höchste Auszeichnung im US-Journalismus - und geht zumindest in der Königskategorie in diesem Jahr ausnahmsweise nicht nach New York oder Washington: Der "Philadelphia Inquirer" wird in diesem Jahr mit dem begehrtesten der renommierten Pulitzerpreise ausgezeichnet. In der Kategorie "Dienst an der Öffentlichkeit" setzte sich die Zeitung von der US-Ostküste gegen den ebenfalls nominierten "Miami Herald" und die "New York Times" durch, wie die Jury am Montag bekannt gab.

Die Redakteure des "Philadelphia Inquirer" überzeugten mit ihrer Berichterstattung über tiefgreifende Gewalt von Jugendlichen an öffentlichen Schulen. Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass durch den Einsatz von "starker schriftlicher Erzählkunst und Videos" die Gewalt von Schülern an Schülern beleuchtet worden sei. Durch die Berichterstattung seien Reformen vorangetrieben worden, die die Sicherheit von Lehrern und Schülern verbessern sollen.

Auch wenn sie diesmal nicht in der Königskategorie gewinnen konnte, wurde auch die erfolgsverwöhnte "New York Times" mit zwei Preisen ausgezeichnet - einen für "Erläuternde" und einen für "Internationale Berichterstattung". Erneut gewann wie in den vorangegangenen beiden Jahren auch ein reines Online-Medium einen Pulitzerpreis: Ein Mitarbeiter der "The Huffington Post" erhielt die Ehrung in der Kategorie "Nationale Berichterstattung".

Den Preis in der Sparte "Breaking News" bekamen die Journalisten der "Tuscaloosa News" aus dem Bundesstaat Alabama für ihre weitgreifende Berichterstattung der Auswirkungen eines verheerenden Tornados. Die Jury honorierte ihre Verschmelzung traditioneller Reportage mit der Nutzung sozialer Medien, durch die die Zeitung in Echtzeit informierte und auch bei der Suche nach vermissten Personen half, während weiterhin trotz Stromausfall in die Tiefe gehende Geschichten für den Druck produziert wurden.

Kein Roman geehrt

Von den insgesamt 14 Journalistenpreisen ging der für Fotoreportagen an einen Bildreporter der "Denver Post". Er überzeugte die Jury mit einer Serie über einen Irak-Veteranen, der mit den Nachwirkungen seines Kriegseinsatzes kämpft. Die Nachrichtenagentur AP bekam ebenfalls eine Auszeichnung für ihre investigative Recherche über ein geheimes Programm der New Yorker Polizei, mit der diese Muslime überwachte.

Die größte Überraschung der diesjährigen Pulitzepreisen war allerdings eine Nicht-Vergabe: Erstmals seit 35 Jahren wurde kein Roman mit der begehrten Auszeichnung geehrt. Die Jury wollte keinem der drei Kandidaten aus der Endrunde den Preis zuerkennen, ein Grund für die Entscheidung wurde zunächst nicht bekannt. Nominiert waren der in München geborene Schriftsteller Denis Johnson mit dem Kurzroman "Train Dreams", Karen Russell mit "Swamplandia!" und der 2008 gestorbene Autor David Foster Wallace. Dessen letzter Roman "The Pale King" war erst nach dem Freitod des Autors mit 46 Jahren abgeschlossen worden.

Der New Yorker Historiker Manning Marable kam postum zu Ehren. Seine politische Biografie "Malcolm X: A Life of Reinvention" war kurz nach Marables Tod im April vergangenen Jahres erschienen und erhielt nun den Geschichts-Preis. Die beste Biografie schrieb John Lewis Gaddis mit seinem Porträt eines weltreisenden Diplomaten: "George F. Kennan: An American Life". Die in New York lebende Dramatikerin Quiara Alegriá Hudes gewann mit ihrem Bühnenstück "Water by the Spoonful" den Pulitzerpreis in der Kategorie Drama.

Die Pulitzerpreise sind die höchsten Medienpreise in den USA und zählen zu den wichtigsten Auszeichnungen für Schriftsteller, Dichter und Komponisten. Sie werden in 21 Kategorien ausgeschrieben und sind mit jeweils 10.000 Dollar dotiert. Die Auszeichnung wurde vom Journalisten und Verleger Joseph Pulitzer (1847 bis 1911) gestiftet und wird von der New Yorker Columbia-Universität verliehen.

fdi/dpa/dapd

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