Das Schauspiel Köln ist "Theater des Jahres". Eine Jury von 42 Theaterkritikern wählte die von Karin Beier , 44, geleitete Bühne mit klarer Mehrheit auf den ersten Platz. Karin Beier konnte mit der von ihr in Szene gesetzten Gesellschaftsgroteske "Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen" zudem die Auszeichnung für die beste Inszenierung gewinnen.
Erst im Sommer war das Kölner Theater Gegenstand einer heftigen stadtpolitischen Auseinandersetzung: Nach einem Beschluss des Kölner Stadrats sollte das in den Fünfzigern vom Architekten Wilhelm Riphahn gebaute Schauspielhaus abgerissen werden. Kölns Bürger aber sammelten in Rekordzeit 50000 Unterschriften gegen den Neubau des Hauses und konnten die Politiker so zur Umkehr bewegen. Statt des Abrisses gibt es nun eine Sanierung - und das Team um Karin Beier kann die kommende Spielzeit im alten Haus bestreiten.
Rettender Engel führt Kölner zurück ans Licht
Für die Intendantin kommen die Ehrungen im dritten Jahr ihres Engagements am Kölner Schauspiel. Sie habe das Haus als "rettender Engel" nach mühseligen, glücklosen Jahrzehnten wieder zu einem Erfolgsmodell gemacht, heißt es im Jahrbuch der Zeitschrift " Theater heute", die den Kritikerpreis ausrichtet: "Eine Kölnerin kehrt zurück und führt die verirrten Schafe zurück ans Licht." Schon beim Theatertreffen der Berliner Festspiele im Mai war ihr Haus mit drei der insgesamt zehn dort geladenen Inszenierungen vertreten.
Ihre fast stumme Theaterfassung von Ettore Scolas Film "Die Schmutzigen, die Häßlichen und die Gemeinen", die in einem schalldichten Glascontainer spielt, hat allerdings sowohl beim Festival wie auch jetzt bei den Kritikern die Lager gespalten. Während etwa Stefan Keim im Theater-Magazin von einer "grandiosen Inszenierung" spricht, sah Christine Wahl nur eine plakative Mischung aus "Kitsch, Klischee und Schmonzette".
Bei den Schauspielern kamen Margit Bendokat, Annette Paulmann, Sandra Hüller, Paul Herwig und Fabian Hinrichs punktgleich auf den Spitzenrang. Zum besten Stück kürten die Kritiker unangefochten Roland Schimmelpfennigs China-Imbiss-Stück "Der Goldene Drache", gefolgt von Dea Lohers "Diebe" und Fritz Katers "we are blood".
twi/dpa
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