Kritikerumfrage Münchner Kammerspiele sind "Theater des Jahres"

Bestes Theater - und dann auch noch die besten Schauspieler des Jahres: Die Münchner Kammerspiele unter Leitung von Johan Simons sind der große Gewinner der Kritikerumfrage 2013.

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Berlin/München - Die Münchner Kammerspiele sind mit gleich vier Auszeichnungen der große Gewinner der Theatersaison 2012/13. Die deutschsprachigen Kritiker wählten die Bühne, die vom Intendanten Johan Simons geleitet wird, zum "Theater des Jahres". Simons hat bereits angekündigt, die Leitung der Münchner Kammerspiele aus familiären Gründen aufzugeben. Er wird neuer Intendant der Ruhrtriennale.

Auch die besten Darsteller kommen von den Kammerspielen: Die 35-jährige Sandra Hüller und ihr 1975 geborener Kollege Steven Scharf wurden Schauspieler des Jahres. Mit dem gebürtigen Esten Risto Kübar stammt zudem der beste Nachwuchsdarsteller aus dem Münchner Ensemble.

Das geht aus der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift "Theater heute" hervor. Dem Niederländer Simons sei es innerhalb von drei Jahren gelungen, die Kammerspiele in ein internationales Stadttheater zu verwandeln, so die Zeitschrift.

Zum Stück des Jahres wählten die 44 befragten Kritiker Felicia Zellers Drei-Personen-Groteske "X-Freunde", die am Schauspiel Frankfurt uraufgeführt wurde. Als Nachwuchsdramatikerin setzte sich Katja Brunner mit ihrem Missbrauchs-Stück "von den beinen zu kurz" durch.

Unklarheit in der Kategorie Beste Inszenierung

Keine klare Mehrheit gab es in der Kategorie beste Inszenierung: Gleichauf mit jeweils vier Stimmen lagen Karin Henkels Kölner "Ratten", Sebastian Nüblings Münchner "Orpheus steigt herab" und Luk Percevals Hamburger "Jeder stirbt für sich allein". Annette Kurz schuf für diese Fallada-Inszenierung das Bühnenbild des Jahres.

In Berlin konnte lediglich das Deutsche Theater mit Andrea Schraads Kostümen für den Einakter "Sklaven" punkten. 2012 war das Berliner Theater Hebbel am Ufer unter seinem scheidenden Intendanten Matthias Lilienthal zum Theater des Jahres gekürt worden, in den Jahren 2011 und 2010 das Schauspiel Köln unter der Leitung von Karin Beier.

Auch diesmal war der Meinungstenor in den meisten Kategorien nicht eindeutig. Die größte Übereinstimmung gab es bei Sandra Hüller - sie bekam für ihre Shopping-Lady in Elfriede Jelineks "Die Straße. Die Stadt. Der Überfall" 16 der 44 Stimmen. Für die Kammerspiele als "Theater des Jahres" votierten zehn Kritiker, fünf nannten das Schauspiel Köln, vier das Centraltheater Leipzig.

lei/dpa

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steppenrocker 06.09.2013
1. Tatsächlich das beste Theater?
Meine Freundin und ich haben die Kammerspiele geliebt – unter der Intendanz von Frank Baumbauer (2001 – 2010). Man konnte in jede Inszenierung von Andreas Kriegenburg oder von Luk Perceval gehen und wurde nie enttäuscht, das Theater war lebendig, die Inszenierungen mutig und spannend. Mit der Übernahme von Johan Simons ging’s dann leider den Bach runter. Wir haben vier Inszenierungen von ihm gesehen (Roth, Zweig, Jelinek, Houellebecq), alle waren langweilig, selbst die Schauspieler blieben unter ihren Möglichkeiten. Was blieb, waren ab und zu der Werkraum und manchmal ein interessantes Gastspiel (selbst die waren früher besser). Wir sind früher nie auf die andere Straßenseite ins Residenztheater, inzwischen kommt das vor (auch die haben tolle Schauspieler, z.B. Birgit Minichmayr, und mutige Regisseure wie z.B. Herbert Fritsch). Ich freue mich darauf, wenn sich Johan Simons übernächstes Jahr verabschiedet und hoffe auf einen guten neuen Intendanten.
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