Theater-Legende Regisseur Peter Zadek ist tot

Einer der Titanen des deutschsprachigen Theaters ist tot: Der Regisseur Peter Zadek ist im Alter von 83 Jahren in Hamburg nach einer schweren Krankheit gestorben. Seit den fünfziger Jahren hatte er Kritik und Publikum begeistert - und auch immer wieder gezielt provoziert.


Wien/Hamburg - Der große deutsche Theatermacher Peter Zadek ist tot. Er starb in der Nacht zum Donnerstag in Hamburg im Alter von 83 Jahren. Das bestätigte das Hamburger St. Pauli-Theater der Deutschen Presse-Agentur. Zadek, der in den vergangenen Jahren schwer erkrankt war, galt als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Regisseure des deutschsprachigen Theaters der Nachkriegszeit. Als unerschrockener Provokateur des bürgerlichen Bildungstheaters prägte er über ein halbes Jahrhundert das Bild der deutschen Theaterlandschaft, viele bescheinigten ihm auch, er habe Welttheater gemacht.

Seine meist poetisch-melancholischen oder auch ungestüm-wütenden Arbeiten markierten Wende- und Höhepunkte in der deutschsprachigen Theatergeschichte.

Zadek hatte vor allem mit seinen Shakespeare-Inszenierungen Aufsehen erregt und feierte dabei mit Schauspielern wie Ulrich Wildgruber, Gert Voss und Angela Winkler Triumphe. Zu seinen berühmtesten Inszenierungen gehören Shakespeares "Othello" mit Wildgruber 1976 am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und das Holocaust-Stück "Ghetto" von Joshua Sobol mit Ulrich Tukur 1984 (Hamburg/Berlin). Am meisten beschäftigt hat den Theatermann die Figur des Shylock in Shakespeares "Kaufmann von Venedig".

Zu seinen letzten Inszenierungs-Erfolgen gehörten auch Shakespeares "Hamlet" und "Richard III." sowie Henrik Ibsens "Peer Gynt".

Von 1972 bis 1979 war Zadek Intendant am Schauspielhaus Bochum, von 1985 bis 1989 leitete er das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg. Von 1993 bis 1995 war er Regisseur und künstlerischen Leiter am Berliner Ensemble. Zadek drehte auch Filme, darunter "Ich bin ein Elefant, Madame", der auf der Berlinale 1969 mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde.

Seit Hamburger Zeiten spielte die Schauspielerin Eva Mattes Zadek-Inszenierungen. Auf "Othello", in dem sie 1976 mit Wildgruber auf der Bühne stand, habe das Publikum "geradezu hasserfüllt reagiert: es hieß, 'das ist nicht unser Shakespeare, es würde nur gebrüllt und geschwitzt'... 'Nach einem halben Jahr dann sind die Leute gepilgert.'" Mattes sagte dazu, Zadek "überrascht mich eigentlich bei jeder Produktion, immer mit dem Gleichen, er kann so präzise über Menschen Auskunft geben, über das, was zwischen ihnen geschieht".

Im Frühjahr 2007 zerschlug sich aus gesundheitlichen Gründen sein Traum von einer eigenen "Shakespeare-Company". Noch einmal trumpfte der große alte Mann des deutschen Theaters aber 2008 am Hamburger St. Pauli-Theater mit Luigi Pirandellos Parabel "Nackt" und Anfang Februar 2009 mit George Bernard Shaws Komödie "Major Barbara" mit einem hochkarätigem Ensemble, darunter Julia Jentsch, August Diehl und Jutta Lampe, in Zürich auf. Die Zürcher Inszenierung war wegen seiner Krankheit bereits verschoben worden.

Zadek war einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Regisseure, der von Publikum und Kritik gleichermaßen geliebt wurde. In 40 Jahren Theatertreffen deutschsprachiger Bühnen war Zadek mit mehr als 20 Einladungen ein Spitzenreiter.

Die Karriere des am 19. Mai 1926 in Berlin geborenen Sohns jüdischer Eltern hatte in England begonnen. Dorthin war seine Familie 1933 emigriert. Ab 1958 profilierte sich der Regisseur in seinem Heimatland zunächst in Ulm und Bremen an der Seite seiner Mentoren Kurt Hübner und Ivan Nagel, wo er zusammen mit den anderen "jungen Wilden" des deutschen Nachkriegstheaters wie Peter Stein, Rainer Werner Fassbinder und Peter Palitzsch den "Bremer Stil" als neue, rebellische Bühnenform kreierte. Sie sollte Theatergeschichte schreiben und für andere Bühnen der Republik prägend werden, untrennbar verbunden mit dem Namen Peter Zadek.

sha/dpa/AP



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