Theater-Urgestein Intendant Kurt Hübner gestorben

Die deutsche Theaterwelt ist um eines ihrer langjährigsten und verdientesten Mitglieder ärmer: Kurt Hübner, der ehemalige Intendant und Begründer des revolutionären "Bremer Stils", starb 90-jährig in München.


Berlin/Frankfurt am Main - Er galt als großer alter Mann des deutschen Theaters, nun ist der frühere Intendant Kurt Hübner gestorben. Er starb am vergangenen Dienstag im Alter von 90 Jahren in München, teilte das Sekretariat der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste in Frankfurt am Main mit.

Theatermann Hübner: Starb 90-jährig in München
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Theatermann Hübner: Starb 90-jährig in München

Nach Stationen in Ulm, Bremen und Berlin avancierte Hübner zu den bedeutendsten Intendanten des deutschen Nachkriegstheaters und galt als ein "großer Wegbereiter für das moderne Theater in Deutschland", wie Akademie-Präsident Walter Konrad in seinem Nachruf betonte. Hübners Bremer Intendantenzeit in den sechziger Jahren wird heute als eines der wichtigsten Kapitel des europäischen Theaters im vergangenen Jahrhundert angesehen.

Hübners Tod ist nach den Worten von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) ein großer Verlust für das deutsche Kulturleben. Wie kaum ein anderer habe Hübner die Theaterlandschaft in Deutschland über Jahrzehnte hinweg geprägt. "Er war nicht nur ein außergewöhnlicher Regisseur und Schauspieler, sondern vor allem auch ein herausragender Intendant: weitsichtig, mutig und mit einem scharfen Blick für Begabungen ausgestattet."

Die Theaterwelt kennt Hübner vor allem als den Entdecker von Theatertalenten wie Peter Stein und Peter Zadek. Als Intendant des Ulmer Theaters gab er Ende der fünfziger Jahre Zadek die Chance für dessen erste wichtige Arbeiten in Deutschland.

Lange Jahre, von 1962 bis 1973 war Hübner Intendant in Bremen, wo er den "Bremer Stil" prägte. Dort setzte er auch wichtige Impulse für die Karrieren von Regisseuren wie Stein, Klaus Michael Grüber, Hans Neuenfels, Peter Palitzsch, Johann Kresnik, Johannes Schaaf und Rainer Werner Fassbinder sowie von Schauspielern wie Edith Clever, Bruno Ganz, Hannelore Hoger, Otto Sander, Jutta Lampe, Traugott Buhre und Vadim Glowna. Zu den Bühnenbildnern gehörten Wilfried Minks, Erich Wonder und Karl-Ernst Herrmann, zu den Musikern Komponisten wie Peer Raben. Hübner erneuerte auch das Tanztheater und die Oper und erweckte das Musical zu neuem Leben.

Der moderne "Bremer Stil" machte seinerzeit bundesweit Schlagzeilen und revolutionierte die deutschsprachige Theaterwelt. Durch Hübner politisierte sich die Bühne, er gab den Ansporn zur Erneuerung und zum Experimentieren. Natürlich erregten diese Neuerungen auch Anstoß bei Publikum und Politikern. Eine neue Ära des deutschen Theaters hatte begonnen.

1973 wechselte Hübner an die Spitze der Freien Volksbühne Berlin, wo er einige der Bremer "Regie-Entdeckungen" und unter anderem auch Rudolf Noelte engagierte. 1986 wurde er in diesem Amt von Neuenfels abgelöst. Von da an arbeitete Hübner noch als freier Regisseur und Schauspieler und meldete sich auch immer wieder mit seinen Erfahrungen aus der langjährigen Theaterarbeit zu Wort. Im Jahr 2000 wurde Hübner mit dem Peter-Weiss-Preis der Stadt Bochum ausgezeichnet, als "ein Exempel für Streitkultur und Unbeugsamkeit gegenüber Politik und Öffentlichkeit". 2005 erhielt er den ITI-Preis zum Welttheatertag vom Internationalen Theater-Institut für sein Lebenswerk.

hoc/dpa



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