Theater Wiener Festwochen-Chefin nahm sich das Leben

Marie Zimmermann, die Schauspieldirektorin der Wiener Festwochen, hat sich das Leben genommen. Im nächsten Jahr sollte die 51-Jährige Intendantin der Ruhrtriennale werden.


Hamburg - Nach Angaben des Hamburger Schauspielhauses hatte Intendant Friedrich Schirmer bereits am Mittwochnachmittag seine Mitarbeiter über den Tod von Marie Zimmermann in Kenntnis gesetzt: "Meine über alles geliebte Frau hat sich heute Morgen nach langer, schwerer, mit großer Tapferkeit ertragener Krankheit entschlossen, von uns zu gehen." Die "Bild"-Zeitung hatte berichtet, dass die 51-Jährige zum Zeitpunkt ihres Todes in einer psychiatrischen Klinik in Hamburg untergebracht war.

Theatermacherin Zimmermann: Im nächsten Jahr sollte sie die Ruhrtriennale übernehmen
DPA

Theatermacherin Zimmermann: Im nächsten Jahr sollte sie die Ruhrtriennale übernehmen

Der Selbstmord der Schauspieldirektorin kam überraschend. Laut "Bild"-Zeitung gab Zimmermann noch vor kurzem der Frauenzeitschrift "Brigitte Woman" ein Interview, in der sie sich auf das gemeinsame Leben mit ihrem Mann freute: "Wir werden glücklich sein, endlich Zeit für einander haben. Und mächtig Spaß." Das Paar hatte sich bereits 1984 kennen gelernt, aber erst 1999 geheiratet.

Zimmermanns Theaterkarriere begann vor mehr als 20 Jahren. Nach einer Tätigkeit als freiberufliche Journalistin schlug Zimmermann 1985 ihre Bühnenlaufbahn ein. Erste Erfahrungen sammelte sie an der Württembergischen Landesbühne Esslingen und an den Städtischen Bühnen Freiburg. Unter anderem war sie 1998 die künstlerische Leiterin des internationalen Festivals "Theaterformen", das im Jahr 2000 zum Kulturprogramm der Expo in Hannover gehörte. 2001 holte Festwochen-Leiter Luc Bondy sie als Schauspieldirektorin nach Wien. "Marie Zimmermann, meine Schauspieldirektorin und große Freundin hat sich nach schwerer Krankheit entschlossen, aus dem Leben zu gehen. Ich und meine Freunde von den Wiener Festwochen sind mit großer Trauer erfüllt", ließ Bondy mitteilen.

Für die Spielzeiten von 2008 bis 2010 sollte Zimmermann die Intendanz der Ruhrtriennale übernehmen. Bis zum Frühjahr nächsten Jahres wollte sie ihr erstes Programm für ihre neue Stelle vorstellen. Das Festival-Team der Ruhrtriennale erhielt die Nachricht von Zimmermanns Tod heute nachmittag. Alle seien "schockiert" gewesen, wie Ruhrtriennale-Sprecher Johannes Ehmann der Nachrichtenagentur dpa sagte. Jürgen Flimm, der derzeitige Intendant der Ruhrtriennale, der nordrhein-westfälische Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (CDU) und Jürgen Krings, der Geschäftsführer der Kultur Ruhr GmbH nahmen die Nachricht von Zimmermanns Selbstmord mit Bestürzung auf. "Wir sind fassungslos und traurig", teilten sie gemeinsam mit. Mit ihr habe man "eine inspirierende und leidenschaftliche Theatermacherin verloren."

Hamburgs Kultursenatorin Karin von Welck reagierte ebenfalls erschüttert. "Meine Gedanken und mein tiefstes Mitgefühl sind nun bei Friedrich Schirmer, dem ich in diesen schweren Stunden ganz viel Kraft wünsche", sagte sie der dpa. Der Intendant des Hamburger Thalia Theaters, Ulrich Khuon, zeigte sich tief berührt. "Das ist total erschütternd", sagte Khuon am Donnerstag in Hamburg. Er habe Zimmermann sehr gut gekannt. Sie sei "extrem erfolgreich, extrem fähig" gewesen. Theaterleute beschäftigten sich oft mit Grenzsituationen, "arbeiten an den Schnittstellen des Begreifens", aber der Tod der 51- Jährigen sei schwer auszuhalten.

Der österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer würdigte nach einem Bericht der österreichischen Nachrichtenagentur APA Zimmermanns Einsatz als Schauspieldirektorin der Wiener Festwochen: "In ihrem beruflichen Leben kannte sie kein Scheitern oder war bereit, etwas als undurchführbar hinzunehmen. Ihr Freitod hinterlässt eine große Lücke in der Theaterwelt und eine Leere bei allen, die sie kannten und als Mensch schätzten."

mzs/dpa/AP/ddp



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