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Theaterereignis "Einmal noch" Glanz unter der Brücke

Foto: Moritz Schell

3. Teil: Ein Gruß in den Himmel

Das "Sperl" ist unter den Wiener Cafe-Häusern dasjenige für Literaten. Dunkle Täfelung, geschwungene Jugendstillampen, Frittatensuppe und Kuchen, Porträts von Gert Jonke an den Wänden. Pohl weiß mittlerweile, dass Brötchen hier "Gebäck" heißen, und dass Wien eine Lebensqualität hat, an die New York nicht heranreicht.

Er unterrichtet hier "Szenisches Schreiben". Kürzlich hat er seine Studenten losgeschickt mit dem Ziel, eine Frau aufzuspüren, die wie eine wirkt, die von ihrem Mann verlassen wurde und nun auf den Strich geht. Die jungen Leute kamen zurück mit Berichten von Begegnungen und Abenteuern, aus denen man einen ganzen Abend hätte bestreiten können.

So geht Pohl vor. Er nimmt seine Stoffe aus der Wirklichkeit. Eines seiner erfolgreicheren Stücke, "Wartesaal", entstand aus einer Reportagereise, die er für den SPIEGEL fünf Jahre nach der Wiedervereinigung durch die beiden Deutschlands unternahm. "Ich schreibe jeden Tag", sagt er. "Denn jeden Tag höre ich neue Geschichten, die man einfach festhalten muss."

Die Idee zu "Einmal noch" kam ihm im letzten Sommer, als er mit seiner Frau abends an der Donau entlangspazierte und einen Obdachlosen sah. Er hatte Schenk ein Stück versprochen zu seinem 80. Geburtstag. Warum nicht eines über einen abgerissenen Aussteiger und Verlierer?

Und nun geschah ein regelrechtes Theaterschnelligkeitswunder. Pohl telefonierte mit dem Direktor der Josefstadt, Herbert Föttinger, der verstand die Pointe sofort und lud ihn für den nächsten Tag ein. Der Vertrag lag bereits unterschriftsreif auf seinem Schreibtisch. Er sagte: "Pohl, schreiben Sie es, und wenn Sie fertig sind, inszenieren Sie es hier am Haus." Und nun, ein Jahr später, ist tatsächlich Premiere.

Doch damit ist die Karriere des Stückes noch längst nicht vorbei. Sein Freund Christoph Waltz hat sich aus Hollywood bei ihm gemeldet. Ihm hat die Dirigenten-Tragikomödie so gefallen, dass er sie gerne verfilmen würde.

Das Vorbild für den Stoff, der 2004 verstorbene und nach Schenks Worten "enorm anstrengende" Dirigent Carlos Kleiber, wäre mit seinem 80. Geburtstag übrigens in drei Wochen dran gewesen.

Nun wird Schenk, wird das ganze Ensemble, dem Genie im Himmel zutoasten.

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