Theaterlegende Schauspieler Traugott Buhre gestorben

Mal wortgewaltig und laut, dann wieder grüblerisch und flüsternd: Auf der Bühne war Traugott Buhre ein Meister des Facettenreichtums. Jetzt ist der berühmte Theaterschauspieler im Alter von 80 Jahren gestorben.


Essen - Der bekannte Theater-, Film- und Fernsehdarsteller sei bereits in der Nacht zum Sonntag gestorben, teilte die Ruhrtriennale am Montag mit.

Aus gesundheitlichen Gründen hatte Buhre vor zwei Wochen eine Lesung und seine Rolle in Andrea Breths Inszenierung "Der zerbrochene Krug" bei dem Kulturfestival im Ruhrgebiet abgesagt. Über die Umstände seines Todes ist nichts bekannt.

Zuletzt stand der Pastorensohn aus der DDR im Juni am Zürcher Schauspielhaus in Thomas Bernhards "Immanuel Kant" auf der Bühne. Seine letzte Fernsehrolle hatte er 2008 in einer "Tatort"-Folge mit Axel Prahl und Jan Josef Liefers.

Auf der Bühne faszinierte Buhre durch Wahrhaftigkeit in seiner einfühlsamen Darstellung vielschichtiger, oft widersprüchlicher Charaktere - mal wortgewaltig und laut, dann wieder grüblerisch und flüsternd, aber stets präsent. Dabei prägte er mit seinem Spiel vor allem Inszenierungen von Dramen des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard. Jahrelang tourte er mit Bernhards "Theatermacher" als Bruscon in einer seiner Paraderollen durch die Lande.

Im deutschen Fernsehen sah man ihn außerdem in mehreren "Tatort"-Folgen oder in verschiedenen Rollen in der Kult-Serie "Derrick".

Seine Karriere begann Ende der vierziger Jahre, als sich Buhre unter 120 Bewerbern durchsetzte und eine Ausbildung an der Schauspielschule Hannover begann. Seine steile Karriere führte ihn vom Badischen Staatstheater Karlsruhe über das Bremer Theater schließlich an zahlreiche große Bühnen im deutschsprachigen Raum.

Er spielte den Faust unter der Regie von Hans Hollmann (1979, Hamburg), den Lear in der Inszenierung von Peter Palitzsch (1972, Frankfurt) und war 1981 in Bochum Claus Peymanns unvergessener Nathan, über den die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" seinerzeit schrieb: "Sein Nathan war nicht weise, nicht einmal klug, er war ein lieber Mensch."

can/dpa



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