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Theaterlegende: Will Quadflieg ist tot

Er faszinierte mit Stimme und Ausstrahlung: Will Quadflieg, zuletzt am Hamburger Thalia Theater engagiert, war einer der bekanntesten deutschen Schauspieler. Mit Sprachaufnahmen von Gedichten und Theatertexten setzte er Maßstäbe für die Hörbuch-Kultur. Im Alter von 89 Jahren ist der legendäre "Faust"-Darsteller nun gestorben.

Schauspieler-Legende Quadflieg (1995): Streitbarer Geist
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Schauspieler-Legende Quadflieg (1995): Streitbarer Geist

Will Quadfliegs Name ist im deutschen Sprachraum so etwas wie ein Synonym für Schauspielerei der alten Schule: Gediegen, ernsthaft, maßgeblich und dennoch ohne Scheu vor Komödiantentum. Schon 1940 drehte er Filme, während er gleichzeitig in "Maria Stuart" und dem "Urfaust" auf der Bühne stand. Quadflieg war dabei stets der "Partitur der Dichtung" verpflichtet und pflegte die Sprechkultur der klassischen Schule. Wie gut sich das mit dem Kino vertrug, dokumentierte er schon in seinem Filmdebüt "Der Maulkorb" (nach Heinrich Spoerl), das 1938 entstand.

Will Quadflieg wurde am 15. September 1914 im rheinischen Oberhausen geboren. Schon als Gymnasist sammelte er Bühnenerfahrungen, die er nach dem Abitur durch privaten Schauspielunterricht vertiefte. 1933 bekam er in seiner Heimatstadt das erste Theater-Engagement, dem rasch weitere in Gießen, Gera und Düsseldorf folgten, bevor er 1937 an die Berliner Volksbühne und von dort ans Schiller-Theater ging. Heinrich George erkannte dort schnell das Talent des jungen Quadflieg und bildete ihn weiter aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging er ans Deutsche Schauspielhaus in Hamburg, dem er bis 1964 die Treue hielt. Hier arbeitete er sechs Jahre lang mit Gustaf Gründgens zusammen und erarbeitete mit ihm dessen legendäre "Faust"-Inszenierung, die - nicht zuletzt dank Quadfliegs glanzvoller Hauptrolle - bis heute zu den Meilensteinen der Theatergeschichte zählt. In dieser Zeit stand er auch häufig in Zürich auf der Bühne des dortigen Schauspielhauses und gab zwischen 1952 und 1959 alljährlich in Salzburg den "Jedermann".

Theater-Star Quadflieg: Mit "Mephisto" Gründgens in der berühmten "Faust"-Inszenierung
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Theater-Star Quadflieg: Mit "Mephisto" Gründgens in der berühmten "Faust"-Inszenierung

Auch in zeitgenössischen Stücken lieferte Will Quadflieg im Anschluss an die Gründgens-Zeit regelmäßig hochklassige Interprationen ab. Von Max Frisch "Die chinesische Mauer" (1965), bis zu Peter Shaffers "Equus" (1974) reichte seine Bandbreite, doch stets fühlte er sich dem traditionellen Theater mehr verpflichtet als avantgardistischen Experimenten. Selbst die zeitweilige künstlerische Isolation Ende der sechziger Jahre nahm er dafür in Kauf. Mitte der Siebziger entdeckte ihn schließlich der Regisseur Rudolf Noelte neu und sorgte dafür, dass Quadflieg seinen Ruf als exzellenter und hochrangiger Charakterdarsteller erneuen und festigen konnte.

Auch bei den Kritikern war Quadflieg schnell rehabilitiert, da er sowohl klassischen Repertoire wie moderne Rollen überzeugend und individuell meisterte. So spielte Quadflieg 1989 auch in Botho Strauß' "Besucher" eine der vielen Rollen, die er in seinen späten Jahren am Hamburger Thalia Theater übernahm. Unter Jürgen Flimm spielte er in den Neunzigern unter anderem in "König Lear", "Der Entertainer" und der "Wildente". Auch in zahlreichen Fersehrollen überzeugte er, darunter auch in Dieter Wedels erfolgreichem Mehrteiler "Der große Bellheim". 1999 nahm Quadflieg Abschied von der Bühne.

Bis zu seinem Tod blieb Will Quadflieg ein engagierter und streitbarer Geist, dessen Interessen sich nicht auf das Theater beschränkten. Er nahm Stellung zu Umweltthemen, Tierversuchen, zu Kultur und Politik und setzte sich vehement für die Pflege der deutschen Sprache ein. Will Quadfliegs Stimme war indes schon zu Beginn der sechziger Jahren zum Markenartikel geworden: Seine Interpretationen von Gedichten und anderen literarischen Texten für die deutsche Grammophon Gesellschaft machten ihn zu einem Pionier der heute so erfolgreichen Hörbücher.

Wie das Thalia Theater am Mittwoch bekannt gab, starb Will Quadflieg bereits am 27. November 2003 in Hamburg. Die Beisetzung erfolgte auf Wunsch Quadfliegs bereits im engsten Familienkreis. Der Künstler lebte in Osterholz-Scharmbeck bei Bremen. Das Thalia Theater wird am 18. Januar mittags zu einer Gedenkstunde einladen.

Werner Theurich

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