Theaterstreit Erneute Niederlage für Dresdens "Weber"

Am Dienstag erwirkte der lizenzgebende Verlag eine einstweilige Verfügung gegen die umstrittene "Weber"-Inszenierung aus Dresden. Umgehend verlangte das Theater eine Aussetzung des Urteils. Doch die Berliner Richter blieben bei ihrer Entscheidung und wiesen heute den Antrag zurück.


Dresden/Berlin - Das Dresdner Staatsschauspiel muss seine umstrittene Inszenierung des Gerhart-Hauptmann-Stücks "Die Weber" vorerst vom Spielplan nehmen. Das Landgericht Berlin wies heute, wenige Stunden vor der geplanten nächsten Aufführung unter der Regie von Volker Lösch, einen Antrag auf Aussetzung einer einstweiligen Verfügung zurück, mit der sich der lizenzgebende Verlag erfolgreich gegen nachträglich eingefügte Textpassagen zur Wehr gesetzt hatte. Eine Verhandlung über den Widerspruch des Theaters ist für den 11. Januar angesetzt.

Der Berliner Verlag Felix Bloch Erben hatte im Auftrag der Enkelin des Autors, Anja Hauptmann, die Verfügung erwirkt, die dem Schauspielhaus die Aufführung aller Szenen mit dem "Chor der Arbeitslosen" untersagt, die seit Wochen wegen scharfer Angriffe auf Prominente für Aufsehen sorgten. Wenn die einstweilige Verfügung bestehen bleiben sollte, werde das Publikum Film-Ausschnitte der Aufführung sehen, hatte Intendant Holk Freytag zuvor angekündigt.

Auch TV-Moderatorin Sabine Christiansen war gegen das Stück vorgegangen. Sie hatte aufgrund der Textpassage "Wen ich sehr schnell erschießen würde, das wäre Sabine Christiansen" ebenfalls eine einstweilige Verfügung erwirken wollen. Nach dem Urteil zugunsten des Verlags könnte sich Christiansens Antrag erledigt haben. Darüber will die Kammer des Landgerichts Dresden jedoch erst am 9. Dezember entscheiden.



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