Von Stefan Pannor
"Punch drunk" - das ist im Englischen der umgangssprachliche Ausdruck für Boxerdemenz, jene Krankheit der Hirnzersetzung, die vor allem langjährige Faustkämpfer betrifft. Und es bezeichnet eine Form der Benebeltheit, eine Art negativen Rausch.
Beide Bedeutungen passen zum Erstling "Punch Drunk" von Tim Gaedke. Eine Geschichte, die mit der Benommenheit von Liebeskummer beginnt und mit einer Partyschlägerei endet. Und zwischendurch, aufgebaut nach dem "Rashomon"-Prinzip, aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt, wie es dazu kam.
Für die Erzählung gilt also, dass der Weg das Ziel ist. Das stimmt für die Figuren nicht. Gaedke erzählt von Berliner Hipstern, immer auf Pille, mit Umhängetasche und pseudolustigem Shirt, die sich zielloser durch die Tage hangeln, als irgendein Slacker in den Neunzigern das je gekonnt hätte.
Seine drei Hauptfiguren sind nicht sympathisch. Sie sind so blass, dass jede Art von Mitgefühl für sie schwer fällt. "Punch Drunk" ist ein überhaupt nicht melancholischer, knapp gefasster und hochkonzentrierter Abgesang auf die einst gelobte Verschwendung der Jugend. In der Ziellosigkeit der Figuren zerbröselt ihre Freundschaft. Am Schluss bleibt das Schweigen.
Dass er auch anders kann - nämlich deutlich drastischer - belegt sein Adventskalender-Beitrag, den er exklusiv für SPIEGEL ONLINE gezeichnet hat.
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