"Titanic" und der Papst: Halleluja, jetzt auch noch ein Prozess!

Klamauk vor Gericht: Das Verfahren um ein umstrittenes Papst-Titelbild will die Satire-Zeitschrift "Titanic" für weitere Späße auf Kosten des katholischen Kirchenoberhauptes nutzen. Geplant ist ein Gauklermarkt mit Tanzbären und einem Pranger - weil das der "Lebenswelt des Papstes" entspreche.

"Titanic"-Titel: Entfesselter Autokrat gegen die Meinungsfreiheit? Zur Großansicht
Titanic

"Titanic"-Titel: Entfesselter Autokrat gegen die Meinungsfreiheit?

Hamburg/Berlin - Soviel kostenlose Werbung ist ein Geschenk des Himmels: Die mündliche Verhandlung über das umstrittene Papst-Titelbild der "Titanic" vor dem Landgericht Hamburg wird zum Spektakel. "Wir werden als Redaktion gesammelt anreisen, um an dem Prozess als Beobachter teilzunehmen", kündigte der Chefredakteur des Satiremagazins, Leo Fischer, am Dienstag an. Außerdem werde die Redaktion bei dem Verfahren am Freitag das Gespräch mit Kirchenvertretern und Journalisten suchen und sich einen Tag vor dem Prozess symbolisch an den Michel ketten.

Die Zeitschrift ziehe optimistisch in das Verfahren, erklärte der Chefredakteur: "Der Prozeß gegen Pussy Riot hat die Welt für Einschränkungen der Meinungsfreiheit durch entfesselte Autokraten sensibilisiert. Wir haben Vertrauen in die westliche Justiz und glauben fest daran, daß wir nicht in Plexiglaskäfigen ausgestellt werden." Vertreter der Satire-Partei "Die Partei" planen Fischer zufolge einen Mittelaltermarkt mit Jongleuren, Tanzbären und einem Pranger. Dies sei als Anspielung auf "die Lebenswelt des Papstes" gedacht. Bei dem Prozess prallen Welten aufeinander: auf der einen Seite Papst Benedikt XVI., der persönlich gegen das Cover vorging und auf der anderen Seite die Satirezeitschrift, die kaum Tabus kennt und immer wieder auch die Missstände in der katholischen Kirche anprangert.

Papst wehrt sich gegen Urinflecken

Gegenstand des Verfahrens ist die Juli-Ausgabe der "Titanic". Das Cover zeigte den Papst mit einem großen gelben Fleck auf der Soutane. Auf dem Titel hieß es in Anspielung auf den Skandal um den Verrat von internen Dokumenten: "Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!". Auf der Rückseite wurde er von hinten mit braunem Fleck und dem Kommentar "Noch eine undichte Stelle gefunden!" gezeigt.

Der Papst hatte eine einstweilige Verfügung erwirkt, weil er sich durch die Abbildungen in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt fühlte. Das Landgericht Hamburg verbot die weitere Verbreitung des Titelfotos. Dagegen wiederum legte die Zeitschrift Widerspruch ein.

Für die "Titanic" hat sich die Aufregung unabhängig vom Ausgang des Verfahrens schon jetzt gelohnt. Die Juli-Ausgabe sei ausverkauft gewesen und auch die Abonnentenzahlen seien in die Höhe geschossen, sagte Fischer der Nachrichtenagentur dapd. Die Redaktion kämpfe aber auch für die Satire- und Meinungsfreiheit, beteuerte er. "Wäre es uns nur um den wirtschaftliche Erfolg gegangen, hätten wir es auf dem Verbot beruhen lassen können. Aber wir wollen, dass die Menschen den Titel wieder kaufen und lesen können."

Er warf dem Papst vor, sich "wie ein Kirchenfürst im Mittelalter" aufzuführen. Dies sei unerträglich. "Deswegen werden wir dieses Verfahren auch in die höchsten Instanzen tragen", kündigte er an.

cbu/dapd

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Gesellschaft
RSS
alles zum Thema Papst Benedikt XVI.
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Grins, kicher, lach: Die besten "Titanic"-Cover

Benedikt XVI.