Papst-Provokation "Titanic" legt nach

Der Streit zwischen der "Titanic" und dem Papst geht in eine neue Runde. Zum zweiten Mal in Folge zeigt die Satirezeitschrift den Pontifex auf dem Titelbild - und erneut mit einer befleckten Soutane.

"Titanic"-Titel: Kussmünder statt Fäkalhumor
Titanic

"Titanic"-Titel: Kussmünder statt Fäkalhumor


Hamburg/Berlin - "Wir danken dem Heiligen Vater für sein Interesse an unserem Magazin und bitten erneut um den päpstlichen Segen", erklärte "Titanic"-Chefredakteur Leo Fischer.

In der am Freitag erschienenen August-Ausgabe heißt es auf dem Titel: "Kein Grund zu klagen: Der Papst bleibt sauber!" Das neue Cover zeigt den Papst erneut befleckt - seine Soutane zieren Kussmünder und bunte Abdrücke von Kinderhänden. Einer der Lippenstiftabdrücke befindet sich auf Hüfthöhe.

Das Verbot der vergangenen Ausgabe habe eine Auflagensteigerung von mehr als 70 Prozent bewirkt, in den Bahnhofsbuchhandlungen sei die Ausgabe ausverkauft gewesen. "Nun hoffen wir, dass der Heilige Stuhl auch diesen neuen Titel ähnlich abwegig und rufschädigend interpretiert", sagte der "Titanic"-Chefredakteur.

Das Cover des Juli-Heftes hatte Benedikt XVI. mit einem gelben Fleck auf der Soutane gezeigt. Auf dem Titel hieß es in Anspielung auf die Affäre um den Verrat von internen Dokumenten: "Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!". Auf der Rückseite bildete die "Titanic" den Papst von hinten ab - mit braunem Fleck auf Höhe des Hinterteils und dem Kommentar "Noch eine undichte Stelle gefunden!"

"Shitstorms sonder Zahl"

Der Papst fühlte sich durch das Titelbild in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt und erwirkte eine einstweilige Verfügung. Es war das erste Mal, dass ein Papst juristisch gegen die "Titanic" vorging. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte kritisiert, das Magazin überschreite "jedes Maß an Zumutbarem". Das Landgericht Hamburg hatte die weitere Verbreitung des Titelfotos verboten und bei Zuwiderhandlung ein Ordnungsgeld angedroht. Dagegen hat die "Titanic" Widerspruch eingelegt, über den noch entschieden werden muss.

"Shitstorms sonder Zahl haben sich in den vergangenen Wochen über unser Magazin ergossen", schreibt Chefredakteur Fischer im Editorial und macht sich Sorgen, dass die neue Popularität des Magazins die Redaktion überfordern könnte: "Nicht auszudenken, wenn 'Titanic' plötzlich ihre bequeme Nischenexistenz verlassen müsste und sich zu einer x-beliebigen, breitdiskutierten Publikumszeitschrift wie 'Landlust' oder 'Geolino' mauserte."

twi/dapd



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