"Vatileaks"-Satire: "Titanic" wehrt sich gegen Papst-Verbot

Das Satiremagazin "Titanic" legt Widerspruch gegen das Verbot seines aktuellen Papst-Titelbilds ein. Chefredakteur Leo Fischer nutzt die päpstliche PR für sein Heft für neue kecke Kommentare - er will "notfalls bis zum Jüngsten Gericht ziehen".

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Benedikt XVI.: "Auch der Papst muss sich Satire gefallen lassen"

Frankfurt am Main/Hamburg - Die "Titanic" nutzt die unfreiwillige PR-Hilfe des Vatikans - und geht in die nächste Runde: Das Satiremagazin will das Verbot seines Papst-Titelbildes nicht hinnehmen. Noch vor dem Wochenende werde die Anwältin der "Titanic" Widerspruch gegen die einstweilige Verfügung des Hamburger Landgerichts einlegen, teilt Chefredakteur Leo Fischer in Frankfurt am Main mit.

"Wir werden sämtliche Rechtsmittel ausschöpfen und notfalls bis zum Jüngsten Gericht ziehen", sagt Fischer. Die Reaktion der Kirche verhilft der "Titanic" dazu, noch mehr Aufmerksamkeit mit dem Titel zu erregen. Für Fischer ist die juristische Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche jedenfalls Anlass für weitere kecke Kommentare: Die "Hand der Versöhnung" sei weiter ausgestreckt, die "Titanic" suche das "persönliche Gespräch" mit Papst Benedikt XVI.

"Auch der Papst muss sich Satire gefallen lassen"

Unterstützung für seine Position findet Fischer ganz ernsthaft beim Deutschen Journalisten-Verband (DJV). Die gerichtliche Verfügung gegen das Papst-Titelbild sei überzogen, kritisiert der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken. "Auch der Papst muss sich Satire gefallen lassen." Benedikt XVI. werde von "Titanic" als Sinnbild der "Vatileaks"-Affäre dargestellt. "Das ist legitim", erklärte Konken weiter. "Über Geschmack lässt sich streiten, aber die Darstellung fällt unter die Freiheit der Satire."

Titanic

Unter dem Titel "Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!" und mit einem Bild des Papstes in besudelter Soutane hatte das Magazin auf die "Vatileaks" genannte Enthüllungsaffäre angespielt, bei der mehrfach geheime Dokumente aus dem Vatikan publik geworden waren. Das Oberhaupt der katholischen Kirche fühlt sich durch das aktuelle Titelbild des Satiremagazins in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt. Fischer hatte den Vorwurf der Verletzung der Persönlichkeitsrechte des Heiligen Vaters hingegen zurückgewiesen. "Benedikt muss uns missverstanden haben", witzelte Fischer. Der Titel zeige einen Papst, der nach der Aufklärung der Spitzelaffäre ("Vatileaks") feiere und im Überschwang ein Glas Limonade über seine Soutane verschüttet habe: "Es ist allgemein bekannt, dass der Papst ein großer Freund des Erfrischungsgetränks Fanta ist."

Die katholische Kirche hatte am Dienstag bei der Pressekammer des Hamburger Landgerichts eine einstweilige Verfügung erreicht. Demnach dürfen Titelblatt und Rückseite der aktuellen "Titanic" nicht länger verbreitet werden. Bei einem Verstoß droht dem Satiremagazin ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro.

bos/dpa/dapd

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