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Tod im Museum: Künstler Schneider bekommt Morddrohung

Gregor Schneider will einen sterbenden Menschen im Museum ausstellen - und provoziert heftige Reaktionen auf seine makaberen Pläne: Einige wünschten ihm den Tod, andere schlugen ihre persönlichen Rivalen für die Rolle des Toten vor.

Düsseldorf/Berlin - Gregor Schneider plant, einen sterbenden oder gerade gestorbenen Menschen auszustellen - als Kunstwerk. Nun schlagen Kritiker ihm vor, er möge doch selbst die Rolle des Toten einnehmen. Der deutsche Installationskünstler ist nach der Ankündigung seiner ungewöhnlichen Ausstellungspläne scharf kritisiert worden: "Ich erhalte Empfehlungen per Telefon oder E-Mail, ich solle mich umbringen. Es gibt eine absurde Todesdrohung mir gegenüber", sagte Schneider im Interview mit der "Westdeutschen Zeitung".

Neben den Drohungen gegen seine Person habe es auch skurrile Vorschläge gegeben: In einer E-Mail habe ihm ein Mann den neuen Mann seiner Ex-Frau für die Rolle des Toten zur Verfügung stellen wollen, sagte der Künstler. Er sei fast sprachlos über die Empörung, die seine Kunst heraufbeschworen hat, bekennt Schneider in dem Interview, und müsse jetzt untertauchen.

Auch offizielle Stimmen übten Kritik an Schneider, der den Sterbenden in einem hellen, lichtdurchfluteten Raum plazieren möchte. Die CDU-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Börnsen und Günter Krings erklärten in einer gemeinsamen Stellungnahme, der Mensch dürfe an seinem Lebensende nicht zu einem bloßen Anschauungsobjekt herabgewürdigt werden und betonten, dass der Tod nicht durch eine Zurschaustellung für künstlerische Zwecke instrumentalisiert werden dürfe. Börnsen ist kulturpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Krings Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien.

Wann die Ausstellung beginnen soll, steht noch nicht fest. Mit der Installation will Schneider "die Schönheit des Todes" zeigen. Gleichzeitig soll der Raum ein "humaner Ort für den Tod" sein, wo "Menschen in Ruhe sterben" können. Der Sterbende selbst dürfe vorher alles bestimmen - einen geeigneten Kandidaten habe der Künstler schon gefunden.

Den Rummel um seine Idee versteht Schneider nicht. Er selbst würde gerne als Teil einer Ausstellung, umgeben von Kunst, ableben. Im Interview mit der "Westdeutschen Zeitung" sagte er, er habe die Hoffnung "schön, erfüllt zu sterben". Mit seiner ungewöhnlichen Installation will Schneider eine Lanze für den Tod brechen: "Vielleicht schaffen wir das alle, wenn wir den Tod aus der Tabuzone befreien und zu einem positiven Erlebnis machen wie die Geburt eines Kindes", sagte der Künstler.

Außer ihm scheint kaum jemand das seiner Ansicht nach positive Potential seiner Idee zu erkennen: Politiker von CDU, FDP und Grünen warfen Schneider "Missbrauch künstlerischer Freiheit" vor und bezeichneten seine Pläne als "Versuch einer Provokation" und als "unausgegorene Idee".

Für Aufregung hatte Schneider zuletzt mit einem schwarzen Kubus gesorgt. Die Installation glich der Kaaba, dem heiligsten Ort des Islam. Schneider plante, sie auf dem Markusplatz in Venedig aufstellen. Nachdem Venedig und später auch Berlin aus Sorge den Islam zu beleidigen, den schwarzen Würfel ablehnten, landete er schließlich 2007 vor der Kunsthalle in Hamburg.

sta/dpa

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Forum - Sterben als Kunst - geht der Künstler zu weit?
insgesamt 251 Beiträge
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1. Ja.
mac4ever, 18.04.2008
Zitat von sysopDer deutsche Künstler Gregor Schneider sucht einen Menschen, der als Teil einer Ausstellung eines natürlichen Todes stirbt. Geht er damit zu weit?
Man stellt keinen fremden Tod aus. Und den eigenen auch nicht. Ich frage mich immer wieder, ob die postmoderne Gesellschaft nicht eigentlich pubertäre Gesellschaft genannt werden sollte: Infragestellen aller Werte um des Prinzips willen.
2. Welch eine Frage...
deefens 18.04.2008
Soll er sich selbst zur Verfügung stellen wenn ihn der Tod so fasziniert. Dann bräuchte man auch gar nicht erst ein Forum für so einen populistischen Mist einzurichten und viele SPON-Leser müssten sich nicht unnötig aufregen über so einen Unsinn.
3. Dekadent
snowman 18.04.2008
Zitat von sysopDer deutsche Künstler Gregor Schneider sucht einen Menschen, der als Teil einer Ausstellung eines natürlichen Todes stirbt. Geht er damit zu weit?
Es ist schon immer wieder erstaunlich, was da alles für ein kranker Müll als Kunst präsentiert wird. Sicher stehen Künstler heutzutage unter einem enormen Druck, ständig Kunst zu liefern. Wenn dies allerdings dazu führt, daß verkrampft versucht wird, irgendetwas provokantes zu finden, was sich dann gut verkaufen lässt, dann hat das weniger mit Kunst sondern vielmehr mit Geld zu tun. Jemanden öffentlich zum Sterben auszustellen halte ich für eine perverse Idee eines ziemlich gestörten Menschen. Soetwas ist dekadent.
4.
Umberto, 18.04.2008
Zitat von sysopDer deutsche Künstler Gregor Schneider sucht einen Menschen, der als Teil einer Ausstellung eines natürlichen Todes stirbt. Geht er damit zu weit?
Sterben ist keine Kunst, sondern ein ganz normaler biologischer Vorgang. Mithin auch nicht als "Kunstwerk" ausstellbar.
5. *würg*
Carl 18.04.2008
Zitat von sysopDer deutsche Künstler Gregor Schneider sucht einen Menschen, der als Teil einer Ausstellung eines natürlichen Todes stirbt. Geht er damit zu weit?
Im SPON-Bericht fehlt eine wichtige Information: wieviele Euronen bekommen denn die Erben des Exponats vom Künstler ausbezahlt? Zu erwägen ist auch eine Live-Übertragung im TV - die Privaten würden bestimmt auch so einiges springen lassen, das könnte sich allemal lohnen.
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