Todes-Kunst Künstler will Sterbenden ausstellen

Sind Sie todkrank und wollen in aller Öffentlichkeit sterben? Dann sollten Sie sich bei dem deutschen Künstler Gregor Schneider melden: Der sucht einen Menschen, der als Teil einer Ausstellung eines natürlichen Todes stirbt.


London - Wo sind die Grenzen der Kunst? Diese Frage drängt sich auf, wenn man von dem neuesten Projekt des deutschen Künstlers Gregor Schneider hört. Der 39-Jährige plant eine makaber anmutende Kunst-Performance: "Ich möchte eine Person zeigen, die entweder eines natürlichen Todes stirbt oder kurz zuvor gestorben ist", sagte Schneider der renommierten Londoner Kunstzeitschrift "The Art Newspaper". Und warum dieses Projekt? Schneider: "Ich möchte die Schönheit des Todes zeigen."

Nach Angaben von Schneider wolle ihm die Düsseldorfer Pathologin Roswitha Franziska Vandieken bei der Suche nach Freiwilligen behilflich sein, die bereit wären, in der Öffentlichkeit zu sterben. Weder Vandieken noch Schneider waren für eine Stellungnahme gegenüber SPIEGEL ONLINE erreichbar.

Einen Wunschort für seine tödliche Performance hat sich Schneider offenbar bereits ausgesucht: Das Museum Haus Lange in Krefeld. Das Krefelder Kunsthaus habe auf Anfrage von "The Art Newspaper" jedoch keine Stellung nehmen wollen. Sollten sich die Krefelder für Schneiders Aktion nicht erwärmen können, wolle er sie in seinem Studio in seiner Heimatstadt in Mönchengladbach-Rheydt stattfinden lassen.

Großes Aufsehen erregte der vor allem als Installationskünstler bekannte Schneider zuletzt mit einem schwarzen Kubus, der der Kaaba, dem heiligsten Ort des Islam, glich. Schneider wollte den Kubus ursprünglich auf dem Markusplatz in Venedig aufstellen. Dort wollte man aber schließlich keine künstlerische Arbeit installieren, die - so die diffuse Befürchtung - den Islam beleidigen und so Terroranschläge provozieren könnte. Nachdem auch Berlin abwinkte, landete der Kubus schließlich in Hamburg, wo er im Jahr 2007 vor der Kunsthalle ausgestellt wurde - ohne Terror oder Tote. Dieses Mal sind Tote offenbar erwünscht.

tdo



Forum - Sterben als Kunst - geht der Künstler zu weit?
insgesamt 251 Beiträge
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mac4ever, 18.04.2008
1. Ja.
Zitat von sysopDer deutsche Künstler Gregor Schneider sucht einen Menschen, der als Teil einer Ausstellung eines natürlichen Todes stirbt. Geht er damit zu weit?
Man stellt keinen fremden Tod aus. Und den eigenen auch nicht. Ich frage mich immer wieder, ob die postmoderne Gesellschaft nicht eigentlich pubertäre Gesellschaft genannt werden sollte: Infragestellen aller Werte um des Prinzips willen.
deefens 18.04.2008
2. Welch eine Frage...
Soll er sich selbst zur Verfügung stellen wenn ihn der Tod so fasziniert. Dann bräuchte man auch gar nicht erst ein Forum für so einen populistischen Mist einzurichten und viele SPON-Leser müssten sich nicht unnötig aufregen über so einen Unsinn.
snowman 18.04.2008
3. Dekadent
Zitat von sysopDer deutsche Künstler Gregor Schneider sucht einen Menschen, der als Teil einer Ausstellung eines natürlichen Todes stirbt. Geht er damit zu weit?
Es ist schon immer wieder erstaunlich, was da alles für ein kranker Müll als Kunst präsentiert wird. Sicher stehen Künstler heutzutage unter einem enormen Druck, ständig Kunst zu liefern. Wenn dies allerdings dazu führt, daß verkrampft versucht wird, irgendetwas provokantes zu finden, was sich dann gut verkaufen lässt, dann hat das weniger mit Kunst sondern vielmehr mit Geld zu tun. Jemanden öffentlich zum Sterben auszustellen halte ich für eine perverse Idee eines ziemlich gestörten Menschen. Soetwas ist dekadent.
Umberto, 18.04.2008
4.
Zitat von sysopDer deutsche Künstler Gregor Schneider sucht einen Menschen, der als Teil einer Ausstellung eines natürlichen Todes stirbt. Geht er damit zu weit?
Sterben ist keine Kunst, sondern ein ganz normaler biologischer Vorgang. Mithin auch nicht als "Kunstwerk" ausstellbar.
Carl 18.04.2008
5. *würg*
Zitat von sysopDer deutsche Künstler Gregor Schneider sucht einen Menschen, der als Teil einer Ausstellung eines natürlichen Todes stirbt. Geht er damit zu weit?
Im SPON-Bericht fehlt eine wichtige Information: wieviele Euronen bekommen denn die Erben des Exponats vom Künstler ausbezahlt? Zu erwägen ist auch eine Live-Übertragung im TV - die Privaten würden bestimmt auch so einiges springen lassen, das könnte sich allemal lohnen.
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