Todestag Marilyns letzte Worte?

Am 5. August 1962 wurde Marilyn Monroe tot in ihrem Haus aufgefunden. Gerüchte über einen vermeintlichen Mord an der Hollywood-Diva tauchen seither immer wieder auf. Mitschriften von Tondokumenten, die angeblich kurz vor dem Tod Monroes aufgenommen wurden, werfen nun neue Fragen auf.

Von


Hollywood-Star Monroe: Heute vor 43 Jahren wurde sie tot aufgefunden
DPA

Hollywood-Star Monroe: Heute vor 43 Jahren wurde sie tot aufgefunden

Marilyn ist tot. Aufgefunden wurde sie am 5. August 1962, nackt, auf dem Bauch liegend in ihrem Schlafzimmer, eine große Menge Schlaftabletten im Körper. Sie war 36 Jahre alt. So viel steht fest. Viel mehr aber auch nicht.

War es Selbstmord? Oder gar Mord? Zu viele Affären, zu viele Geheimnisse ranken sich um die Hollywood-Diva. Der Verehrung Marilyn Monroes tut das keinen Abbruch. Auch zu ihrem heutigen 43. Todestag versammelten sich - wie in jedem Jahr - Fans aus der ganzen Welt vor ihrem ehemaligen Anwesen in Brentwood und gedachten ihres Idols.

Auch John W. Miner, 86, wird heute an Marilyn gedacht haben, mit Freude an ihr Werk, mit Wut an ihren Tod. Der frühere Staatsanwalt war als einer der wenigen Ermittler bei der Autopsie Marilyn Monroes zugegen. An Selbstmord glaubt er damals wie heute nicht. Miner behauptet, er habe geheime Aufzeichnungen gehört, die die Schauspielerin kurz vor ihrem Tod aufnahm. Nach Selbstmord hätten die Aussagen beim besten Willen nicht geklungen.

Fotostrecke

9  Bilder
Legenden: Marilyn Monroe - Sexsymbol und tragische Figur
Im Rahmen seiner Ermittlungen trifft Miner im August 1962 Marilyns Psychiater, Dr. Ralph Greenson. Während des Gesprächs spielt der Therapeut Bänder vor, die die Schauspielerin kurz vor ihrem Tod im Rahmen der Therapie aufgenommen hat. Greenson will den Staatsanwalt davon überzeugen, einen Mordprozess zu eröffnen, um der Todesursache auf den Grund zu gehen. Miner muss versprechen, das Privatleben der Monroe zu schützen und die Inhalte der Bänder für sich zu behalten. Aber er macht umfangreiche, fast wörtliche, Notizen.

Sein Versprechen, die Aufzeichnungen vertraulich zu behandeln, hält Miner. Allerdings nur so lange, bis Donald Spotto 1993 in seiner Monroe-Biographie den Verdacht äußert, Greenson habe seine Patientin getötet. Daraufhin wendet sich Miner an die Witwe des Psychiaters, der 1979 starb, und bittet darum, sein Versprechen im Interesse ihres Mannes brechen zu dürfen.

Er darf und bietet einen Teil seiner Mitschriften verschiedenen Autoren an. Unter anderem veröffentlicht der britische Autor Matthew Smith die Protokolle in seinem Buch "Marilyn's Last Words: Her Secret Tapes and Mysterious Death" (2004). Darin spricht die Monroe über Oscars, ihr Intermezzo mit Joan Crawford und ihren Wunsch, in einer Shakespeare-Inszenierung zu spielen. In Bezug auf ihren Psychiater sagt sie: "Sie sind der einzige Mensch, der die geheimsten Gedanken Marilyn Monroes kennt. Ich habe absolutes Vertrauen in sie und darin, dass sie niemals einer lebenden Seele erzählen werden, was ich ihnen erzähle."

Erneute Autopsie soll Klarheit schaffen

Seine vollständigen Mitschriften hat Miner nun der "L.A. Times" zur Verfügung gestellt. Er glaubt, schreibt das Blatt, dass jeder, der seine Mitschriften gelesen hat, davon überzeugt sein muss, dass "es absolut unmöglich ist, dass diese Frau sich selbst getötet hat." Sie habe Pläne für die Zukunft geschmiedet und eine Menge vor gehabt: "Ihr Schauspiellehrer Lee Strasberg hatte ihr, vielleicht fälschlicher Weise, gesagt, sie trage Shakespeare in sich. Diese Idee faszinierte sie."

Miner ist außerdem davon überzeugt, dass auch die medizinische Beweislage gegen einen Selbstmord der Schauspielerin spricht. Er behauptet, Monroe sei nicht - wie bisher angenommen - an einer Überdosis geschluckter Schlaftabletten gestorben. Vielmehr habe jemand die mehr als 30 Tabletten aufgelöst und ihr per Einlauf verabreicht. Zuvor habe man ihr ein Betäubungsmittel in ein Getränk gemischt, damit sie ihr Bewusstsein verliert.

Hätte die Monroe die Tabletten geschluckt, so wäre sie vermutlich gestorben, bevor sich das Medikament im Magen vollständig aufgelöst hätte, glaubt Miner. Die Rechtsmediziner konnten jedoch eine erhebliche Menge des Medikaments nur in ihrem Dickdarm nachweisen. Für Miner Indiz genug, um eine erneute Autopsie zu fordern. Anhand von Gewebeproben der Leichentücher könne man, so Miner, noch heute die Vergiftung nachweisen.

Intimes über Kussszenen mit Clark Gable

In den bisher unveröffentlichten Mitschriften, die die "L.A. Times" heute zitiert, analysiert Marilyn Monroe, warum ihre drei Ehen scheiterten und lamentiert über das problematische Verhältnis zu ihrer Haushälterin Eunice Murray. Dazu verwendet sie die Technik der freien Assoziation. Sie erzählt ihrem Psychiater einfach alles, was ihr in den Kopf kommt: "Sie, als mein Arzt, kommen so, indem sie verstehen und interpretieren, was sich in meinem Kopf abspielt, zu meinem Unterbewusstsein. So ist es ihnen möglich, meine Neurose zu behandeln und mir, meine Neurose zu überwinden."

Die Schauspielerin spricht, ihrem Image als naive Blondine widersprechend, über ihre Freud-Lektüre und über James Joyce ("Joyce ist ein Künstler, der die Seelen von Menschen durchdringen kann, egal ob Mann oder Frau.". Über ihre Bewunderung zu Clarke Gable, mit dem sie zusammen in "Nicht gesellschaftsfähig" spielte, sagt sie: "In den Kussszenen küsste ich ihn mit echter Leidenschaft. Ich wollte nicht mit ihm ins Bett gehen aber ich wollte, dass er weiß, wie sehr ich ihn mag und schätze." Über Joseph Paul "Joe" DiMaggio, den sie am 14. Januar 1954 heiratete und von dem sie sich am 31. Oktober 1955 scheiden ließ, heißt es: "Ich liebe ihn und werde ihn immer lieben. Aber Joe konnte nicht mit Marilyn Monroe, dem berühmten Filmstar, verheiratet bleiben. Joe hat in seinem sturen italienischen Kopf das Bild einer klassischen italienischen Ehefrau. Die muss ehrlich sein, machen, was er ihr sagt und sich ihm ganz und gar hingeben. Doktor, Sie wissen, das bin nicht ich."

Mit ihrem dritten Mann, dem Schriftsteller Arthur Miller, sei das anders gewesen: "Ihn zu heiraten war mein Fehler, nicht seiner. Er konnte mir nicht die Aufmerksamkeit, die Wärme und Zuneigung geben, die ich brauche. Das liegt nicht in seiner Natur. Arthur hat mir nie viel Intelligenz zugetraut. Er konnte seine intellektuelle Seite nicht mit mir teilen."

"Kennedy wird unser Land verändern"

In den Aufzeichnungen lobt Monroe Präsident Kennedy, allerdings gibt es keine Anzeichen für eine Affäre der beiden: "Dieser Mann wird unser Land verändern. Er wird das heutige Amerika verändern, wie Roosevelt es in den Dreißigern getan hat."Außerdem bittet sie ihren Therapeuten um Hilfe, ihre Haushälterin zu entlassen, da diese zu viel über sie wisse: "Ich kann sie nicht einfach so feuern. Das nächste wäre ein Buch mit dem Titel 'Die Geheimnisse der Marilyn Monroe. Erzählt von ihrer Haushälterin'. Sie würde mit dem, was sie weiß, ein Vermögen verdienen und sie weiß viel zu viel."

Wann die Schauspielerin ihrem Psychiater die Aufnahmen gab, ist unklar. Smith sagt, nach seinen Recherchen sei das Übergabedatum der 4. August 1962 gewesen, der Tag vor ihrem Tod.

Es bedarf jedoch eines großen Vertrauens in den früheren Staatsanwalt Miner, um die ganze Geschichte zu glauben. Immerhin ist Miner der einzige noch lebende Zeuge, der die Aufzeichnungen - so sie existieren - zu Gesicht bekam. Die Bänder selbst existieren nicht mehr. Laut Miner hat der Psychiater sie vor seinem Tod zerstört, um die Privatsphäre der Schauspielerin weiter zu schützen. Greensons Frai Hildegard sagte der "Times" sie habe nichts von den Bändern gewusst und könne sich nicht erinnern, dass ihr Mann über die Existenz solcher Bänder gesprochen habe.

Auch habe sie nichts davon gewusst, dass Greenson diese Bänder Miner vorgespielt habe. "Aber es klingt schon nach einer Sache, die mein Mann hätte machen können. Vielleicht wollte er die Bänder vorspielen um zu zeigen, wie sie sich gefühlt hat und was in ihrem Leben passierte", so die Witwe. Die Autoren, die die Aufzeichnungen Miners in den vergangenen Jahren für ihre Marilyn-Bücher benutzt haben, halten ihn für glaubwürdig. "Ich denke, er ist ein rechtschaffener Mann. Ich habe mir den Inhalt der Bänder natürlich genau angesehen, und, ehrlich gesagt, halte ich es für völlig unmöglich, dass John Miner sich das, was er vorbringt, ausgedacht hat. Absolut unmöglich", sagte Matthew Smith der "L.A. Times".

Als der Fall Monroe 1982 wieder aufgenommen und Miner als Zeuge befragt wurde, sprach er zwar von Aufnahmen, die Greenson von Monroe gehabt habe, erwähnte aber nicht, dass er die Inhalte transkribiert hatte. Immerhin habe er ja Greenson sein Versprechen gegeben, sagt Miner. So viel steht fest. Viel mehr aber auch nicht.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.