Korruption: Vertrauen in die Medien gesunken

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DPA

Unter Korruptionsverdacht: die Schar der Medienvertreter

Viele Deutsche denken, Politiker und Unternehmer seien korrupt - und auch die Medien. Das geht zumindest aus einer Umfrage für Transparency International hervor. Überraschend ist das nicht - zumal entscheidende Differenzierungen ausbleiben.

Hamburg - Sie sollen kritisch berichten und Machtmissbrauch offenlegen - doch immer mehr Deutsche halten die Medien selbst für korrupt. Nur die politischen Parteien und die Privatwirtschaft halten die Bundesbürger für noch weniger integer. Das ergab eine Umfrage der Anti-Korruptions-Organisation Transparency, für die knapp tausend Deutsche befragt wurden. Demnach werden die Medien zum ersten Mal für noch korrupter gehalten als die Verwaltung und das Parlament.

Die Umfrageergebnisse sind Teil der Neuauflage des Globalen Korruptionsbarometers, zuletzt hatte die Organisation dieses vor drei Jahren veröffentlicht. Bei der aktuellen Erhebung wurden die politischen Parteien weltweit am häufigsten als die korruptesten Institutionen wahrgenommen. In Deutschland schnitten die Medien auf einer Skala von eins (überhaupt nicht korrupt) bis fünf (höchst korrupt) mit einem Wert von 3,6 zwar ebenfalls besser ab als die politischen Parteien (3,8), von Justiz (2,6) und Polizei (2,7) haben die Befragten aber offenbar eine weit bessere Meinung.

Warum das so ist, darüber gibt die Studie keine Auskunft. So wird der etwas abstrakte Begriff "Medien" bei der Befragung nicht weiter aufgeschlüsselt; ob etwa vor allem Journalisten bei Boulevardzeitungen oder dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Verdacht stehen, bestechlich zu sein, wird nicht ersichtlich. Ebenso bleiben die Gründe für den Vertrauensverlust in eben jene nicht näher differenzierte Masse der Medienvertreter unklar.

"Die Menschen bekommen schon mit, dass Journalisten zunehmend unter großem Druck stehen", sagt Christian Humborg von Transparency Deutschland zu SPIEGEL ONLINE. Zudem könne die Diskussion über die Unregelmäßigkeiten beim Kinderkanal und über die Verwendung der Rundfunkgebühren zu dem Ergebnis beigetragen haben, auch wenn letztere gar nicht im direkten Zusammenhang mit Korruption steht. "Das ist aber unsere Interpretation und nur die Suche nach Erklärungen", sagt Humborg.

Christian Schicha, Professor für Medienethik an der Mediadesign Hochschule in Düsseldorf, überrascht das Ergebnis der Umfrage nicht. "Viele Menschen denken beim Stichwort 'Journalismus' in erster Linie an Boulevard, an thematisch wenig relevanten und dramatisierenden Sensationsjournalismus", sagt Schicha. Der Begriff "korrupt" sei in dem Zusammenhang schwierig. "Man denkt in solchen Fällen eher an gekaufte Artikel." Dabei gehe es darum, dass "die Journalisten ihr Handwerk nicht richtig machen, etwa, wenn sie vermeintliche Fakten nicht nachprüfen, sondern unhinterfragt aufschrieben. Solche Falschmeldungen sind es, die im Gedächtnis der Menschen haften bleiben."

Für das Globale Korruptionsbarometer 2013 wurden im Auftrag von Transparency International 114.270 Menschen in 107 Ländern befragt. Der Studie liegen persönliche Interviews, Telefon- und Online-Befragungen im Zeitraum von September 2012 bis März 2013 zugrunde. Die tausend deutschen Teilnehmer der Erhebung wurden online befragt.

vks/gin/AFP

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