Von Stefan Kuzmany
Es geht uns nichts an. Wir wissen nichts.
Das sollte die normale Reaktion sein auf die Nachricht, dass sich ein Ehepaar trennt, das einem persönlich unbekannt ist. Menschen verlieben sich, Menschen heiraten, führen Ehen, bleiben zusammen oder leben sich auseinander. Was genau zwischen diesen Menschen geschieht, wissen nur sie selbst. Es ist privat.
Nun haben sich Bettina und Christian Wulff getrennt, der gescheiterte Bundespräsident und seine zweite Ehefrau. Es wird am Tag dieser Nachricht keinen Abendbrottisch in diesem Land geben, an dem nicht über diese Trennung geredet wird. Hat sie ihn sitzen lassen, weil er ohne Amt, ohne Erfolg nicht mehr interessant für sie war? Hat er es nicht mehr ausgehalten, daheim die Kinder zu hüten? Was geht es uns an? Was wissen wir?
Dass Bettina Christian Wulff zum Partner genommen hat, obwohl sie ihn nicht für besonders attraktiv oder aufregend gehalten hat, wissen wir - sie selbst hat sich dazu entschieden, dies der Öffentlichkeit mitzuteilen. In ihrem Buch "Jenseits des Protokolls" schreibt sie schon auf der ersten Seite: "Wenn ich mich früher mit meinen Arbeitskollegen und vor allem -kolleginnen über Christian Wulff unterhalten habe und wir ihn uns in der Zeitung anschauten, fragten wir uns schon: Was findet eine Frau an diesem Mann?"
All das sind private Angelegenheiten. Doch die Wulffs haben eine öffentliche Beziehung geführt - daraus folgt, dass über den Charakter dieser Beziehung geredet wird.
Die Wulffs können auch ehrlich verliebt gewesen sein, wir wissen das nicht, aber von außen betrachtet kann man feststellen: Bettina und Christian Wulff haben voneinander profitiert. Man muss das nicht romantisch finden oder schön, doch es ist völlig legitim. Ihre Beziehung hatte eine klare Geschäftsgrundlage. Der allzu brav wirkende CDU-Mann konnte sich mit einer hübschen, lebenslustigen Frau schmücken - und wirkte plötzlich interessant. Die damalige PR-Frau wurde durch die Beziehung mit Wulff an die Spitze der Gesellschaft katapultiert. Mit Christian Wulffs schmählichem Abtritt als Bundespräsident ging diese Geschäftsgrundlage verloren.
Und das geht uns etwas an, weil es gesellschaftliche Relevanz hat. Mag sein, dass Christian für Bettina Wulff jetzt, als machtloser Hausmann, wieder der ist, für den sie ihn damals im Gespräch mit den Kolleginnen am Kaffeeautomaten gehalten hat, einer ohne "etwas Besonderes und Eigenes". Mag sein, dass Wulff, verbittert durch seinen Absturz, keine Lust mehr hat und keine Notwendigkeit mehr sieht, die Fassade einer heilen Familie aufrecht zu erhalten. Doch es gibt keine Schuld.
Niemand, auch kein Ex-Präsidentenpaar, ist in einer modernen Gesellschaft wie der unseren gezwungen, zusammen zu bleiben, obwohl die Beziehung keine Grundlage mehr hat. Wie damals schon mit dem Einzug als Patchwork-Familie ins Schloss Bellevue verwirklichen die Wulffs auch mit ihrem Auseinandergehen ein zeitgemäßes Lebensmodell.
Von Bettina Wulff heißt es nun, "sie habe sich das alles ganz anders vorgestellt". Die Trennung der Wulffs mag bitter sein für das Paar, sie ist vor allem aber eines: konsequent.
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