Trennung der Wulffs: Modern bis zum Ende

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Bettina Wulff und der Ex-Bundespräsident haben als Paar voneinander profitiert. Nach seinem schmählichen Rücktritt ging die Grundlage ihrer Beziehung verloren. Für das Paar mag die Trennung bitter sein, vor allem aber ist sie konsequent.

dapd

Es geht uns nichts an. Wir wissen nichts.

Das sollte die normale Reaktion sein auf die Nachricht, dass sich ein Ehepaar trennt, das einem persönlich unbekannt ist. Menschen verlieben sich, Menschen heiraten, führen Ehen, bleiben zusammen oder leben sich auseinander. Was genau zwischen diesen Menschen geschieht, wissen nur sie selbst. Es ist privat.

Nun haben sich Bettina und Christian Wulff getrennt, der gescheiterte Bundespräsident und seine zweite Ehefrau. Es wird am Tag dieser Nachricht keinen Abendbrottisch in diesem Land geben, an dem nicht über diese Trennung geredet wird. Hat sie ihn sitzen lassen, weil er ohne Amt, ohne Erfolg nicht mehr interessant für sie war? Hat er es nicht mehr ausgehalten, daheim die Kinder zu hüten? Was geht es uns an? Was wissen wir?

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Bettina und Christian Wulff: Ende eines Traumpaares
Wir meinen viel zu wissen über das Ehepaar Wulff, denn beide haben die Medien von Anfang an an ihrer Beziehung teilhaben lassen. Wohl im Austausch für eine wohlwollende Berichterstattung über seine Trennung von der ersten Ehefrau Christiane im Sommer 2006 hat Christian Wulff, damals noch Ministerpräsident von Niedersachsen, Reporter in die gemeinsame Wohnung gelassen. Ende 2007 konnte "Bild" die Nachricht von der Schwangerschaft seiner damaligen Freundin Bettina verkünden - die Journalisten mussten wohl kaum einen Arzt bearbeiten, um davon zu erfahren.

Dass Bettina Christian Wulff zum Partner genommen hat, obwohl sie ihn nicht für besonders attraktiv oder aufregend gehalten hat, wissen wir - sie selbst hat sich dazu entschieden, dies der Öffentlichkeit mitzuteilen. In ihrem Buch "Jenseits des Protokolls" schreibt sie schon auf der ersten Seite: "Wenn ich mich früher mit meinen Arbeitskollegen und vor allem -kolleginnen über Christian Wulff unterhalten habe und wir ihn uns in der Zeitung anschauten, fragten wir uns schon: Was findet eine Frau an diesem Mann?"

All das sind private Angelegenheiten. Doch die Wulffs haben eine öffentliche Beziehung geführt - daraus folgt, dass über den Charakter dieser Beziehung geredet wird.

Die Wulffs können auch ehrlich verliebt gewesen sein, wir wissen das nicht, aber von außen betrachtet kann man feststellen: Bettina und Christian Wulff haben voneinander profitiert. Man muss das nicht romantisch finden oder schön, doch es ist völlig legitim. Ihre Beziehung hatte eine klare Geschäftsgrundlage. Der allzu brav wirkende CDU-Mann konnte sich mit einer hübschen, lebenslustigen Frau schmücken - und wirkte plötzlich interessant. Die damalige PR-Frau wurde durch die Beziehung mit Wulff an die Spitze der Gesellschaft katapultiert. Mit Christian Wulffs schmählichem Abtritt als Bundespräsident ging diese Geschäftsgrundlage verloren.

Und das geht uns etwas an, weil es gesellschaftliche Relevanz hat. Mag sein, dass Christian für Bettina Wulff jetzt, als machtloser Hausmann, wieder der ist, für den sie ihn damals im Gespräch mit den Kolleginnen am Kaffeeautomaten gehalten hat, einer ohne "etwas Besonderes und Eigenes". Mag sein, dass Wulff, verbittert durch seinen Absturz, keine Lust mehr hat und keine Notwendigkeit mehr sieht, die Fassade einer heilen Familie aufrecht zu erhalten. Doch es gibt keine Schuld.

Niemand, auch kein Ex-Präsidentenpaar, ist in einer modernen Gesellschaft wie der unseren gezwungen, zusammen zu bleiben, obwohl die Beziehung keine Grundlage mehr hat. Wie damals schon mit dem Einzug als Patchwork-Familie ins Schloss Bellevue verwirklichen die Wulffs auch mit ihrem Auseinandergehen ein zeitgemäßes Lebensmodell.

Von Bettina Wulff heißt es nun, "sie habe sich das alles ganz anders vorgestellt". Die Trennung der Wulffs mag bitter sein für das Paar, sie ist vor allem aber eines: konsequent.

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1. Konsequent
Passivist 07.01.2013
Zitat von sysopBettina Wulff und der Ex-Bundespräsident haben als Paar voneinander profitiert. Nach seinem schmählichen Rücktritt ging die Grundlage ihrer Beziehung verloren. Für das Paar mag die Trennung bitter sein, vor allem aber ist sie konsequent. Trennung Bettina und Christian Wulff: Ende einer Geschäftsbeziehung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/trennung-bettina-und-christian-wulff-ende-einer-geschaeftsbeziehung-a-876150.html)
Welche Frau will so einen Versager auch haben? Da gibt es sicher Bessere...
2. optional
lequick 07.01.2013
Wie kann man nur so viel über so unsympatische Menschen schreiben? Lasst sie in Vergessenheit geraten...
3.
trident 07.01.2013
Zitat von sysopEs geht uns nichts an. Wir wissen nichts.
Nach obigem ersten Satz hätte der Artikel aufhören sollen.
4. Wenn außer dem Bankkonto nicht`s übrig bleibt -
wurzelbär 07.01.2013
dann wird man erst festellen, das man wenig gewonnen - - - aber sehr viel verloren hat. Nicht nur als "nationale Schande" seinen eigenen Namen besudet hat, sondern auch als Mensch im Ansehen und Würde. Der Bürger sollt sich immer daran erinnnern, denn viele aus der Politik werden noch folgen !
5. Jo hey ...
Oberschlawutzi 07.01.2013
... auch die Trennung des Ehepaars aus der Nachbarschaft oder dem Freundeskreis ist öffentlich, nur ist der Kreis der Öffentlichkeit eben nicht so groß. Die beiden Wulffs wollten die große Öffentlichkeit, nun haben sie sie - in guten wie in schlechten Zeiten ...
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