Troja als TV-Zweiteiler Genug gebuddelt, Heino Ferch!

Er kann's nicht lassen: Für das Sat.1-Historienepos "Der geheimnisvolle Schatz von Troja" hat Heino Ferch als Heinrich Schliemann wieder zum Spaten gegriffen. Immerhin sieht er seine "Digger-Trilogie" nun als abgeschlossen an.

Von Peter Luley


Ein Knabe träumt sich in die Rolle des griechischen Helden Achill, der kühn in den Kampf zieht, um den Trojanern die schöne Helena zu entreißen – ganz so, wie es der Dichter Homer in seiner Heldensage "Ilias" besungen hat. Schnitt, Einblendung: Berlin, 1868. "Mein Name ist Schliemann, Heinrich Schliemann", stellt sich der nunmehr erwachsene Träumer einer Dame vor. Wissenschaftler spotten über seinen naiven Glauben, das antike Troja anhand der Homerschen Schilderungen lokalisieren zu können. "Wir suchen ja auch nicht in Worms nach dem Schatz der Nibelungen", schleudert man dem archäologischen Autodidakten entgegen. Der als Unternehmer zu Wohlstand gekommene Schliemann jedoch zögert nicht, sein gesamtes Vermögen einzusetzen, um den legendären Schatz des Priamos zu finden…

Auf Schatzsuche: Heino Ferch greift als Heinrich Schliemann zum Spaten

Auf Schatzsuche: Heino Ferch greift als Heinrich Schliemann zum Spaten

Er hat es also wieder getan: Nachdem er für Sat.1 schon unter der Berliner Mauer hinweg den "Tunnel" (2001) buddelte und im "Wunder von Lengede" (2003) ein Grubenunglück überlebte, hat Heino Ferch (43) trotz seines oft bekundeten Leidens an seinem Image als Actionstar und "deutscher Bruce Willis" für eine weitere grabende Rolle zum Spaten gegriffen. Die Verkörperung des Archäologen Heinrich Schliemann (1822–1890) war ein lang gehegter persönlicher Wunsch des Mimen; über fünf Jahre verfolgte er das Projekt, bis der millionenschwere, in Brandenburg, Rhodos und Kroatien gedrehte Zweiteiler umgesetzt wurde.

Orchestrale Soundsoße

Produziert von den Event-Fachkräften der Firma TeamWorx und in Szene gesetzt von Regisseur Dror Zahavi, der für dieselben Auftraggeber schon die "Die Luftbrücke" (mit Ferch als schneidigem US-General) realisierte, spult die Handlung genauso ab, wie man das erwarten durfte: Rötlich-goldgelb schimmert in "Indiana Jones"-Manier die Schatzsuche, eine ununterbrochene orchestrale Soundsoße liegt über der Expedition, und der Nickelbrille tragende Forscher wird zwar mit Ansätzen zur Ambivalenz durchaus als Egomane gezeigt, aber natürlich doch mit ausreichend großem Sympathiefaktor ausgestattet, um als Identifikationsfigur für zweimal 90 Minuten durchzugehen. Und: Nein, ohne Liebesdreieck kommt auch diese Produktion nicht aus.

Die Französin Mélanie Doutey – in ihrer Rolle als "Clara Sheller" Inspirationsquelle für den (ebenfalls von TeamWorx hergestellten) ProSieben-Flop "Verrückt nach Clara" – spielt Schliemanns griechische Gattin Sophia, die der chauvinistische Abenteurer ihrem Vater abkauft, weil er "eine Helena" an seiner Seite haben will, wenn er in Kleinasien den mythischen Hügel freilegt. Sich widerstrebend auf den Handel einlassend, ist die junge Frau eigentlich in den Knaben Demetrios verliebt – ausreichend Stoff für amouröse Auseinandersetzungen und kecke Dialoge, während die Ausgrabungen allmählich fortschreiten und der Selfmade-Akademiker Sätze sagt wie "Beweis? Ich brauche keinen Beweis. Ich kann Hektors Stimme hören (…), und Odysseus persönlich sagt mir in meinen Träumen, wo ich graben soll".

Um die Romanze(n) herum hat das Drehbuch von Don Bohlinger mit freier Hand ein Figuren-Ensemble gruppiert, das mit einschlägig bewährten Darstellern besetzt wurde: Da ist Kostja Ullmann ("Heimliche Liebe – Der Schüler und die Postbotin") als jugendlicher Lover der verkauften Braut, da ist Erdal Yildiz ("Eva Blond") als bedrohlicher Beduine, Merab Ninidze ("Nicht alle waren Mörder") als treue rechte Hand des Forschers, Matthias Koeberlin ("Tornado – Der Zorn des Himmels") als draufgängerischer Spion; und mit Schliemanns fiktivem Erzfeind Oskar Neumann (Justus von Dohnányi) wurde überdies ein klassischer Antagonist geschaffen.

Irgendwo zwischen Karl May und Baron Münchhausen

Die Erzähltonlage bewegt sich irgendwo zwischen Karl May und den Abenteuern des Barons Münchhausen. Gelegentlich übertreibt es Kameramann Gero Steffen mit der Fototapeten-Ästhetik und Kitschbildern wie heraufziehenden dunklen Wolken – dann wird die Kulissenhaftigkeit des Sets doch sehr, sehr deutlich. Wenn dazu noch Thomas Thieme als Kaiser Wilhelm und August Schmölzer als Bismarck grüßen oder in slapstickhaften Actionszenen Kutschen überfallen werden, wobei selbst der Kraftkerl Ferch seinen Meister in einem martialischen Koloss findet, sind Assoziationen zu den Räuberpistolen mit Bud Spencer und Terence Hill nicht mehr weit.

Dass auf die zahlreichen Intrigen, Überfälle und Mordanschläge ein allumfassendes Happy-End folgt, ist bei dieser Sorte Familienunterhaltung wohl nicht zu viel verraten; was die Botschaft in Bezug auf angebahnte Ehen sein könnte, soll an dieser Stelle lieber nicht verhandelt werden. Den Betrachter lassen die 180 langen Filmminuten wegen der permanenten Musikuntermalung zugedröhnt zurück – wobei der TV-Zuschauer angesichts der Werbeunterbrechungen sogar über vier Stunden investieren muss. Immerhin: Heino Ferch, der unentwegte Buddler, scheint seinen Frieden nun gefunden zu haben. Der Film beende seine "Digger-Trilogie", lässt der Mime im Presseheft verlauten. Er wolle, sagte er der "Süddeutschen Zeitung", jetzt verstärkt "kleinere Menschen" spielen, "ordinary people". Das klingt doch mal nach einem guten Vorsatz.


"Der geheimnisvolle Schatz von Troja", Mo./Di., 19./20.3., Sat.1



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