Türkei Ankara verbietet LGBTI-Filmfestival

Die Behörden in der türkischen Hauptstadt Ankara haben ein Filmfestival verboten. Angeblich bestehe Terrorgefahr. Zu den Organisatoren des Festivals zählte auch die deutsche Botschaft.

Gay Pride Parade in Istanbul 2014
DPA

Gay Pride Parade in Istanbul 2014


Das "Pinkes Leben Queer Festival" wollte Filme aus der Lebenswelt von Schwulen, Lesben, bisexuellen und intersexuellen Menschen zeigen. Aber die Veranstaltung darf nicht stattfinden, kurzfristig untersagte sie der Gouverneur am Mittwoch.

Zur Begründung heißt es, Terrororganisationen wollten "Gruppen mit abweichenden Ansichten angreifen". Auch könnten die Filme als "Provokation" empfunden werden und "einige Gruppen der Gesellschaft könnten darauf reagieren".

Das Filmfestival wurde unter anderem von der deutschen Botschaft organisiert, es sollten auch vier Filme deutscher Filmemacher gezeigt werden, darunter "Aus der Haut" von Jan Braren und "Ungesagt" von Sophie Charlotte Conrad.

Staatsminister Michael Roth (SPD) kritisierte das Verbot des Festivals "unserer Botschaft". "Die Freiheit der Kunst und die Rechte der Minderheiten sind unantastbar", schrieb der Staatsminister im Auswärtigen Amt auf Twitter. Das müsse auch in der Türkei gelten. Er dankte der deutschen Botschaft, dass sie "ganz klar Flagge" zeige, und verbreitete ein Foto, das offenbar eine Regenbogenflagge an der Botschaft zeigt.

Auch die Organisatoren des Festivals kritisierten das Verbot und warfen den türkischen Behörden vor, sie "unter dem Vorwand des Schutzes" ihrer Rechte zu berauben. Statt solche Veranstaltungen zu verbieten, solle das Gouverneursamt dafür sorgen, dass sie sicher stattfinden könnten.

Homosexualität ist in der Türkei nicht strafbar, doch werden Angehörige sexueller Minderheiten in der überwiegend konservativen Gesellschaft oft diskriminiert. In Istanbul wurde die einst populäre Schwulenparade dieses Jahr zum dritten Mal in Folge verboten. Kritiker werfen der islamisch-konservativen Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan seit Langem vor, gesellschaftliche Freiräume für Schwule und andere soziale Minderheiten zu beschneiden.

kae/afp



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theanalyzer 16.11.2017
1. Andere Länder, andere Sitten
Andere Länder, andere Sitten, LGBT ist in manchen Ländern angesagt, in manchen auch nicht. So ist die kulturelle Vielfalt auf dieser Erde.
diavid 16.11.2017
2.
Aber wer hätte denn ahnen können, dass in einer zunehmend islamischen Gesellschaft Minderheiten immer mehr diskriminiert werden?
dbeck90 16.11.2017
3. Mann kann es übertreiben
Ich finde das Verbot gut. Denn in einem überwiegend arabisch geprägtem Land gibt es eine eindeutige Abspaltung der Ansichten der Bevölkerung und der Ansicht, welche das Festival verbreitet. Aus meiner Sicht einfach nur ein übertriebener, provokativer Akt, der terroristische Gefahren, bzw. „gegenmaßnahmen“ mit sich bringen könnte. Man sollte in kleinen Schritten anfangen die Türkei zu modernisieren, nicht mit dem Vorschlaghammer deren Grundgerüst einreissen und sich dann beschweren, dass sie dies aus Sicherheitsgründen nicht gewähren können.
kahraman_murat 16.11.2017
4. ach ja
und wenn sich so ein IS und PKK ler mitten in der Menge in die Luft sprengt.. will dann der deutsche Botschafter dafür grade stehen und die Verantwortung übernehmen? übliches, arrogantes deutsches Gehabe.. beschützt lieber eure täglich brennenden Asylheime.
cyoulater 16.11.2017
5. @theanalyzer
Es macht mich (fast) sprachlos, mit welcher Nonchalance Sie die Diskriminierung von Minderheiten wegwischen. Andere Länder anderer Sitten - klar, da werden halt dann Menschen diskriminiert, stigmatisiert und drangsaliert, so what? Dass das Ganze in der Türkei schon mal anders war (wer lesen kann: In Istanbul wurde die einst populäre Schwulenparade dieses Jahr zum dritten Mal in Folge verboten.), dass die methodische, zunehmende Einschränkung von Minderheitenrechten und Meinungsfreiheit also eine besorgniserregende Entwicklung sein könnte - egal!
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