Reformen in der Türkei Erdogan will kurdische Buchstaben erlauben

Q, X und W: Diese kurdischen Buchstaben waren in der Türkei bislang untersagt. Ihre Benutzung wurde strafrechtlich verfolgt. Nun will Ministerpräsident Erdogan türkischen Zeitungen zufolge das Schriftzeichenverbot aufheben.


Ankara - Es sind nur drei Buchstaben - dass sie künftig benutzt werden dürften, könnte allerdings ein Anzeichen für den Beginn eines politischen Tauwetters in der Türkei sein: Wie einheimische Zeitungen am Freitag berichten, soll das Verbot der Schriftzeichen Q, X und W aufgehoben werden. Sie waren bislang verboten, sind sie doch Teil des kurdischen Alphabets, nicht aber des türkischen. Ihre Benutzung wurde strafrechtlich verfolgt. Die Legalisierung der Buchstaben wäre Teil eines umfassenden Reformpakets, das Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am kommenden Montag vorstellen will.

Dieses soll helfen, den Friedensprozesses im Kurdenkonflikt wieder in Gang zu bringen. Dieser war zuletzt ins Stocken geraten. Die PKK und kurdische Politiker verlangen von Ankara konkrete Reformschritte, um die Lage der zwölf Millionen Kurden in der Türkei zu verbessern.

Nach Medienberichten sieht Erdogans Reformpaket auch die Wiedereinführung kurdischer Ortsnamen vor. Zudem sollen Lokalverwaltungen im Kurdengebiet ihre Dienstleistungen künftig auch in kurdischer Sprache anbieten können. Einige Forderungen der Kurden, wie die nach einem kurdischen Erstsprachenunterricht in staatlichen Grundschulen, will Erdogan allerdings nicht erfüllen.

Das Reformvorhaben mit etwa 40 Einzelmaßnahmen sieht weitere Schritte vor: Mit der Wiedereröffnung einer seit mehr als 40 Jahren geschlossenen Priesterschule der griechisch-orthodoxen Kirche soll auch die Lage anderer Minderheiten in der Türkei verbessert werden. Außerdem sollen Schüler der nicht-muslimischen Minderheiten von dem bisher obligatorischen Eid befreit werden, der auch die Formel "Glücklich ist, wer sagen kann, er sei Türke" enthält.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version war dieser Artikel mit einem Foto bebildert, das laut Bildunterschrift "Kurdische Schüler in der Türkei" zeigt. Tatsächlich handelt es sich nach Angaben der Agentur Getty um kurdische Flüchtlingskinder in einer Schule im Nordirak. Weil das Bild inhaltlich nicht zum Artikel passt, wurde es entfernt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

lei/AFP

insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
Hüsse 27.09.2013
1. ???
Zitat von sysopGetty ImagesQ, X und W: Diese kurdischen Buchstaben waren in der Türkei bislang verboten. Ihre Benutzung wurde strafrechtlich verfolgt. Nun will Ministerpräsident Erdogan türkischen Zeitungen zufolge das Schriftzeichenverbot aufheben - und plane weitere Reformen. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/tuerkei-erdogan-will-kurdische-schriftzeichen-erlauben-a-924943.html
Es gibt aber schon seit Jahrzenten folgende Marken: Mintax, Show-TV. Taxis werden seit Jahren gelegentlich mit der Aufschrift "Taxi" anstatt "Taksi" beschriftet und auf den Tastaturen sieht man ein q, ein w und ein x. Mit ist kein Fall bekannt bei dem obisge Beispiele strafrechtlich verfolgt wurden/werden.
Kauzboi 27.09.2013
2. Das muss man sich mal vorstellen
Wie kommt es überhaupt in einem Staat wie der Türkei dazu, dass drei Buchstaben verboten sind und die Benutzung dieser Buchstaben, übrigens im westlichen Alphabet ebenfalls vertreten, unter Strafe steht? Was wäre los gewesen, wenn man die Türkei bereits in die EU gelassen hätte, während diese Kriminalisierung von drei Buchstaben noch bestand hat?
mesopotamien00 27.09.2013
3.
Und Spon bitte....vor einigen Monaten gab es Berichte von Kurden da lagen de zahlen bei 15 mio. Kurden . Beim letzten Bericht über die Kurden schrieben 13 Millionen in jetzt nur 12 Mio.? In Südosten wo nur Kurden leben liegt Geburtenrate bei 4,8 % seit Anfang der 90iger und West Türkei nur 1,9 Prozent und die Zahl der Kurden lag 1991 bei 12 Mio. Wie soll die Bevölkerungszahl dann sinken ?? Jeder Türke und Kurde weißt in der Türkei das an die 22 Mio . Gibt wenn nicht noch mehr .
lala-tutu 27.09.2013
4. Kurdenanteil
Wenn es in der Türkei 22 Millionen Kurden geben würde, wäre die politische 10% Hürde für die kurdische Partei BDP kein Hindernis. Kenner der Türkeipolitik wissen, dass eine kurdische Partei noch nie die 10% Hürde geschafft hat. Somit war diese unsinnige Hürde bisher in der eigenen Zielsetzung erfolgreich, aber aus Sicht der Zivilgesellschaft ein Eigentor und sollte somit auf 1% reduziert werden.
nostre 27.09.2013
5. viele Fragen
können ihnen die Gezi Aktivisten sicherlich beantworten! Es sind Kemalisten u.a. gewesen die dies und mehrere Sachen damals verboten haben. Bei den nächsten Romantisierung sollten sie mal diese Tatsachen vor Augen halten... es gibt noch sehr vieles die Erdogan den Gezi Park Aktivisten weit voraus hat, das passt aber komischerweise den Medien irgendwie nicht...
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