Türkei Haftbefehle gegen "Sözcü"-Journalisten

Ihnen werden Verbindungen zur Gülen-Bewegung vorgeworfen: Die Istanbuler Staatsanwaltschaft hat die Festnahme von vier Mitarbeitern der regierungskritischen Zeitung "Sözcü" angeordnet.

"Sözcü"-Eigentümer Burak Akbay
DPA

"Sözcü"-Eigentümer Burak Akbay


Die Haftbefehle wurden gegen den Eigentümer sowie drei Mitarbeiter der regierungskritischen Zeitung "Sözcü" ausgestellt - wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, werden dem Verleger Burak Akbay, der Onlinechefin Mediha Olgun und zwei anderen Journalisten vorgeworfen, Straftaten zugunsten der Gülen-Bewegung begangen zu haben. Die Gemeinschaft des islamischen Predigers Fethullah Gülen wird für den gescheiterten Militärputsch vom 15. Juli verantwortlich gemacht.

Die regierungsnahe Zeitung "Sabah" berichtete, bei den Vorwürfen gehe es um einen Bericht vom 15. Juli 2016, in dem das Blatt den Urlaubsort von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan öffentlich machte. Stunden später begann der Umsturzversuch, bei dem Putschisten das Hotel in Marmaris angriffen. Erdogan war kurz zuvor abgereist.

"Sözcü" ist mit einer Auflage von 270.000 Exemplaren die drittgrößte Zeitung der Türkei. Der Slogan der regierungskritischen Zeitung ist "Wenn Sözcü schweigt, wird die Türkei schweigen". "Sözcü" bestätigte zunächst lediglich, dass es eine Operation gegen die Zeitung gebe. Die Redaktion teilte mit, die Zeitung werde nicht verstummen.

Die türkische Justiz geht seit der Verhängung des Ausnahmezustands nach dem Putschversuch verschärft gegen kritische Medien vor. In der Türkei sitzen Dutzende Journalisten im Gefängnis, darunter auch der der deutsch-türkische "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel.

Auf der diesjährigen Rangliste von Reporter ohne Grenzen liegt die Türkei auf Platz 155 von 180. Am Donnerstag hielt die regierungskritische Zeitung "Cumhuriyet" eine Mahnwache für ihre inhaftierten Mitarbeiter ab, die seit 200 Tagen in Haft sitzen.

eth/AFP/dpa



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