Pressefreiheit Türkei sperrt neues Onlinemedium "Özgürüz"

Am Freitag sollte die Berichterstattung losgehen, doch noch vor dem Start ist die Website "Özguruz" aus der Türkei nicht mehr erreichbar: Das kritische Onlinemedium wurde laut dem Herausgeber "Correctiv" gesperrt.

Chefredakteur Can Dündar bei der Eröffnung des Onlinemagazins "Özgürüz" in Berlin
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Chefredakteur Can Dündar bei der Eröffnung des Onlinemagazins "Özgürüz" in Berlin


Das neue deutsch-türkische Onlinemedium "Özgürüz" ist zwei Tage nach dem Launch der Website von der Türkei aus nicht mehr erreichbar. Das berichtet unter anderem Markus Grill, Chefredakteur des gemeinnützigen Rechercheverbands "Correctiv", der "Özgürüz" herausgibt.

Demnach sollte die Berichterstattung am Freitag beginnen. Das Portal ist mit dem grundlegenden journalistischem Anspruch angetreten, zu informieren. "Wir werden all jene Nachrichten, die vor dem Volk geheim gehalten, zensiert oder verboten werden, veröffentlichen", schreibt der Chefredakteur von "Özgürüz", Can Dündar, auf der Startseite der Website.

Die Journalisten in der Türkei seien zurzeit "arbeitslos, still, ohne Organisation", schreibt Dündar weiter: "Doch jetzt kommen wir wieder zusammen. In einem freieren Umfeld, aus den Fehlern der Vergangenheit lernend, werden wir objektiv und mutig zum investigativen Journalismus zurückkehren."

Türkei in Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 151 von 180

In der Türkei wird die Pressefreiheit seit dem Putschversuch vom Juli vergangenen Jahres zunehmend eingeschränkt, mehr als hundert Journalisten sind derzeit inhaftiert, Hunderte Medien wurden geschlossen.

Die Nichtregierungsorganisation Freedom House bezeichnet den Status der Presse in der Türkei als "nicht frei". Die Organisation Reporter ohne Grenzen sieht die Türkei auf der Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 151 von insgesamt 180 Ländern.

Der Journalist Dündar twitterte nach der Sperrung, er habe sich bereits gefragt, wann die Seite blockiert werde.

Dündar war in der Türkei Chefredakteur der Zeitung "Cumhuriyet". Im vergangenen Mai war er zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft wegen Geheimnisverrats verurteilt worden. Er legte Revision ein und lebt seit Monaten im Exil in Deutschland. Im September wurde außerdem ein Prozess wegen angeblicher Unterstützung einer terroristischen Organisation gegen ihn eröffnet.

Auf diplomatischer Ebene sorgte eine Einladung Dündars durch das Bundesjustizministerium für Verstimmungen. Es müsse "als Provokation aufgefasst werden", dass der regierungskritischen Journalisten als Ehrengast und Redner bei dem Neujahrsempfang des Ministeriums geladen war, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu den Sprecher des türkischen Außenministeriums, Hüseyin Müftüoglu am Donnerstag. Dündar hielt bei dem Neujahrsempfang am Mittwoch eine Rede.

sun/AFP

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