Türkei Internet-Sperre für "Charlie Hebdo"-Titel

Die Mohammed-Karikatur auf dem "Charlie Hebdo"-Titel provoziert türkische Institutionen: Ein Gericht ordnete die Sperrung von Internetseiten an, die die Karikatur veröffentlichen. Zuvor hatte die Polizei eine Zeitung kontrolliert.

Polizisten und Sicherheitsbeamte vor dem Redaktionsgebäude: Unruhe nach Nachdruck von "Charlie Hebdo"
AFP

Polizisten und Sicherheitsbeamte vor dem Redaktionsgebäude: Unruhe nach Nachdruck von "Charlie Hebdo"


Istanbul - Die Veröffentlichung der Mohammed-Karikatur, die auf der neuen Ausgabe von "Charlie Hebdo" abgebildet ist, sorgt in der Türkei für Unruhe: Ein Gericht in der Türkei hat die Sperrung von Internetseiten angeordnet, die das Titelbild der neuen Ausgabe der französischen Satirezeitung "Charlie Hebdo" zeigen. Dies berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu. Die Karikatur zeigt den weinenden Propheten Mohammed, der ein Schild mit der Aufschrift "Je suis Charlie" hält

Zuvor hatte die Polizei bereits die türkische Zeitung "Cumhuriyet"kontrolliert, nachdem diese vier Seiten der neuen Ausgabe von "Charlie Hebdo" nachgedruckt hatte: Die Lastwagen mit den frisch gedruckten Exemplaren in Istanbul in der Nacht zu Mittwoch gestoppt - das berichtet das regierungskritische, linksnationalistische Blatt online. Die Polizei habe dann schließlich doch die Weiterfahrt erlaubt - obwohl an zwei Stellen in der Zeitung die Karikatur des Propheten Mohammed von der neuen "Charlie Hebdo"-Titelseite zu sehen ist. Offenbar handelte es sich bei der Polizeiaktion, die rund 40 Minuten dauerte, um eine Einschüchterungsmaßnahme, vermuten Beobachter.

Vor dem Redaktionsgebäude in Ankara demonstrierten nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu pro-islamische Studenten, der Chefredakteur Utku Cakirözer erhielt telefonische Drohungen, wie er der Nachrichtenagentur AFP sagte. Vor dem "Cumhuriyet"-Gebäude in Istanbul verschärfte die Polizei die Sicherheitsvorkehrungen. Die ultrakonservative Zeitung "Yeni Akit" kritisierte den Nachdruck als "große Provokation".

"Cumhuriyet" nannte den Nachdruck, der mit türkischen Texten erschien, "ein Beispiel der Solidarität". Auf der Titelseite schrieb das Blatt: "Wir wollen den Kampf für Meinungsfreiheit in der Welt unterstützen." Man habe auf Religionsfreiheit ebenso wie auf religiöse Empfindlichkeiten geachtet, erklärte Cakirözer.

In Frankreich war die erste Ausgabe von "Charlie Hebdo" nach dem Attentat auf die Redaktion an vielen Kiosken schnell ausverkauft. Insgesamt sollen fünf Millionen Exemplare gedruckt werden. Vor dem Anschlag lag die "Charlie"-Auflage bei 60.000 Exemplaren. Das Heft soll in 16 Sprachen in 25 Ländern erscheinen, darunter auch Deutschland.

eth/dpa/AFP



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