Türkischer Journalismus in Deutschland Pressefreiheit im Exil

Während in der Türkei immer wieder Journalisten verhaftet und eingesperrt werden, startet in Berlin das deutsch-türkische Internetportal "taz.gazete". Auch Correctiv arbeitet an einer türkischsprachigen Redaktion.

Demonstration für Pressefreiheit in der Türkei
DPA

Demonstration für Pressefreiheit in der Türkei


"Ein Platz für kritischen Journalismus aus der Türkei" soll es werden, so titelt die "taz" auf ihrer ersten Seite. Als Reaktion auf die Verfolgung von Journalisten und die fortschreitenden Einschränkungen der Pressefreiheit in der Türkei startet die Tageszeitung aus Berlin ein deutsch-türkisches Onlineportal mit dem Namen "taz.gazete".

Die aktuellen Entwicklungen in der Türkei seien schnelllebig, besorgniserregend, folgenreich, widersprüchlich, verwirrend, dramatisch, aufwühlend, traurig, ärgerlich, unübersichtlich. "Vor allem aber sind sie eins: wichtig", schreibt das Team von "taz.gazete" auf der neuen Webseite. Die Redaktion besteht aus fünf Journalisten, die alle Deutsch und Türkisch in Wort und Schrift beherrschen. "Wir beginnen mit etwa fünf Beiträgen pro Woche", sagt "taz"-Redakteurin Fatma Aydemir, die das Projekt leitet. "Während das autoritäre türkische Regime ein Medium nach dem anderen ausschaltet, geben wir ein neues, freies und unabhängiges Medium heraus."

Der 19. Januar ist als Starttermin des Portals nicht zufällig gewählt: Es jähre sich zum zehnten Mal der Todestag von Hrant Dink - einem mutigen Journalisten, der aufgrund seiner Aussagen auf offener Straße erschossen wurde, heißt es auf "taz-gazete". "Hrant Dink kämpfte um die öffentliche Aufarbeitung der armenischen Sache - und er kämpfte für die freie Meinungsäußerung." Zehn Jahre später stehe es leider noch immer schlecht um die freie Presse in der Türkei.

"taz.gazete" richte sich an Menschen sowohl in der Türkei als auch in Deutschland. Schreiben sollen unter anderem Autorinnen und Autoren aus den Redaktionen der türkischen Zeitungen "Cumhuriyet", "Birgün", "Diken" und "Bianet".

Doch "taz.gazete" ist nicht das einzige Projekt, das sich in Deutschland dem Thema Presse in der Türkei widmet. Auch das Recherchekollektiv Correctiv will gemeinsam mit Can Dündar, dem ehemaligen Chefredakteur der türkischen Zeitung "Cumhuriyet", eine türkischsprachige Redaktion aufzubauen. "Der Demokratieverfall in der Türkei wird zu einer der größten Herausforderungen für Europa. Für Deutschland hat die Entwicklung eine besondere Bedeutung: Hierzulande lebt eine große türkische und türkischsprachige Community", hießt es auf der Webseite von Correctiv.

Dündar wurde in der Türkei der Spionage angeklagt und festgenommen. Inzwischen lebt er im Exil in Berlin. Das türkischsprachige Correctiv-Pendant soll dieses Jahr an den Start gehen.

gia



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