Britische Kunstauszeichnung Turner-Preis geht an Französin Laure Prouvost

Überraschung bei der Vergabe des renommierten Turner-Preises: Die hochdotierte Auszeichnung gewinnt in diesem Jahr die französische Multimedia-Künstlerin Laure Prouvost. Die Juroren waren von ihrer Arbeit tief berührt.

Prouvost, nominierte Shrigley, Yiadom-Boakye (v. l.): Turner-Preis 2013
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Prouvost, nominierte Shrigley, Yiadom-Boakye (v. l.): Turner-Preis 2013


London - Der Turner-Preis 2013 geht an Laure Prouvost. Die französische Video-Künstlerin erhält die mit 25.000 Pfund dotierte Auszeichnung für ihre Videoinstallation "Wantee". Darin hinterfragt sie das Verhältnis der Menschen zur Vergangenheit: Die Darstellung einer fiktiven Teestunde zwischen ihrem Großvater und dem Künstler Kurt Schwitters wurde von der Jury als "herausragend und bewegend" empfunden.

"Ich habe das überhaupt nicht erwartet", sagte Prouvost bei der Preisverleihung, sie sei sich sicher gewesen, dass sie nicht gewinnen werde. Prouvosts Arbeit habe die Juroren "tiefer" berührt, "als sie es sich vorgestellt hatten", sagte laut "Guardian" die Direktorin der britischen Nationalgalerie Tate Britain, Penelope Curtis. Sie hatte den Vorsitz der Jury inne. Das mit dem Turner-Preis ausgezeichnete Werk sei gleichzeitig "handgemacht und technologisch aktuell", erklärte Curtis.

Die 35 Jahre alte Künstlerin Prouvost wurde in Frankreich geboren, hat aber in London studiert. Seit etwa zehn Jahren lebt sie nun bereits in der britischen Hauptstadt.

Insgesamt waren vier Künstler für den renommierten, aber durchaus auch umstrittenen Preis nominiert: neben Laure Prouvost noch der deutsch-britische Künstler Tino Sehgal, der vielseitige bildende Künstler David Shrigley und die aus Ghana stammende Malerin Lynette Yiadom-Boakye.

Die Verleihung des Turner-Preises fand erstmals nicht in England statt, sondern im nordirischen Derry, das in diesem Jahr Kulturhauptstadt des Vereinigten Königreichs ist. Bislang war die Auszeichnung immer in der Tate Britain in London verliehen worden. Seit 1984 wird sie an Künstler unter 50 Jahren vergeben und zählt zu den wichtigsten britischen Kunstpreisen überhaupt. Im vergangenen Jahr wurde die Videokünstlerin Elizabeth Price für eine Videoinstallation zum Thema Konsumkultur ausgezeichnet.

Viele der früheren Preisträger sind heute weltberühmt, beispielsweise Gilbert & George (1986), Anish Kapoor (1991), Damien Hirst (1995) oder Steve McQueen (1999). Der Preis geht auf die Initiative einer Gruppe von Sammlern zurück, die Patrons of New Art. Ihr Ziel war es, junge britische Kunst und Künstler zu fördern. Benannt ist der Preis nach dem britischen Maler William Turner (1775-1851).

bos/seh/dpa



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