US-Wahl im Fernsehen: Aha, die USA sind ein Steak!

Von Mathias Zschaler

Die ganze Nacht aufbleiben und Fernsehen gucken - Kindertraum oder Tortur? Wer die US-Wahl im deutschen TV verfolgte, drohte schnell einzunicken. Warum lasen die Moderatoren ständig nur aus dem Internet vor? Zum Glück sorgten "unsere Taliban" und Fleisch-Grafiken für etwas Kurzweil.

Die Wahl im Fernsehen: Irgendwie öde
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DPA

1. How surprising! Gab's einen TV-Moment, der wirklich überraschte?

Das einzig wirklich Überraschende an dieser ereignisschweren Fernseh-Wahlnacht war, wie erwartbar sie verlief - weil sie spannend blieb bis zum Ergebnis am Morgen um halb sechs. Woran die Programmmacher einerseits unschuldig waren, worauf sie aber andererseits bestens eingestellt waren: eine geballte Ladung USA. Wohl nie zuvor haben TV-Zuschauer in Deutschland binnen weniger Stunden so häufig die Begriffe Ohio und Kopf-an-Kopf-Rennen gehört. Eher denkwürdig als überraschend muteten jene Momente an, in denen amerikanische Gäste mit ihrem Land haderten. In der Talkrunde bei Sandra Maischberger etwa wurden die Leute von der Tea Party als "unsere Taliban" bezeichnet - von dem US-Journalisten Don Jordan, der ja nun nicht gerade unter Linksverdacht steht.

2. How entertaining! Wo war die Wahlnacht am kurzweiligsten?

Sorry, wir bemühen ein allerletztes Mal das Wort vom Kopf-an-Kopf-Rennen, versprochen. ARD und ZDF traten mit ähnlichen Konzepten an: Talk mit Prominenz (oder was arglose Zuschauer dafür halten könnten), dazu belanglose Gespräche mit Herrn und Frau Jedermann mit irgendeinem USA-Bezug. Pflichtgemäß kamen Live-Reporter und Doku-Einspieler zum Einsatz und obsessiv betriebene, digital basierte Zahlenspielerei. Jörg Schönenborn, Maischberger und ihre ARD-Kollegen lieferten solides Handwerk ab. Beim ZDF ging's unter Bettina Schausten etwas steifer zu, aber man bewegte sich irgendwie mehr auf Augenhöhe, und auch Markus Lanz hat trotz Tom Hanks kein USA-Verbot. Gäste wie Frank-Walter Steinmeier oder US-Botschafter Philip C. Murphy traten hier wie dort auf, was den Einerlei-Eindruck verstärkte. Aber richtig kurzweilig? War's leider nirgends. Es fehlte halt auch die Konkurrenz. Die übrigen deutschen Sender fielen gegen die großen öffentlich-rechtlichen dann doch ab.

3. How boring! Auf welchem Sender war's denn besonders öde?

Die journalistisch eher schwachbrüstigen Privaten konnten nicht mithalten, klar. n-tv bediente sich weitgehend bei RTL, der big mama der Senderfamilie. Und N24 fühlte sich sehr vom Stichwort Wahl-Party inspiriert, was Reporterbeiträge zur Folge hatte, über die wir schweigen wollen. Der öffentlich-rechtliche Ereignissender Phoenix hatte einfach zum Großteil das Programm von CBS übernommen, was zwar ein Höchstmaß an Aktualität sicherte - aber doch ein eigenes Profil vermissen ließ.

4. How charming! Wer machte denn eine gute Figur vor der Kamera?

Als sichere Bank in puncto Unterhaltungswert erwies sich die temperamentvolle Gayle Tufts (ARD). Wer ihren lauten Humor nicht mag, konnte sich wenigstens darüber aufregen und blieb wach. US-Satiriker Eric T. Hansen (ZDF) illustrierte die optimistische Lebenseinstellung seiner Landsleute mit einer hübschen Anekdote: Als sein Vater in dem verregneten, kühlen Heimatort pleiteging, packte er die Familie ein und man zog nach Hawaii: Wenn schon pleite, dann dort, wo die Sonne scheint. RTL-Anchorman Peter Kloeppel erledigte seinen Job mit Routine und Coolness.

5. How annoying! Und wer lieferte eine schlechte Vorstellung?

Nun ja, richtig mies war niemand. Und falls doch, wollen wir darüber nach dieser langen, schlaflosen Nacht den Mantel barmherzigen Schweigens decken. Vermutlich wissen es die Betreffenden selbst.

6. How enlightening! Gab's ein journalistisches Glanzlicht?

Sozusagen. RTL hatte sich entschlossen, erst um 1 Uhr in die Berichterstattung einzusteigen - ein kluger Schritt, der auch zum Wohle des Zuschauers war, denn beide Seiten ersparten sich so eine Menge schwer zu füllender/zu ertragender Sendezeit. Ein Kurzbeitrag bildete die Ouvertüre: dicht, informativ, handwerklich gut und vollauf ausreichend, um das Publikum über alles Bevorstehende zu unterrichten.

7. How confusing! Und welche journalistischen Einfälle verwirrten nur?

So einige. Bei der ARD streikte ab 3.00 Uhr mehrmals die Technik. Beim ZDF wurde der Versuch unternommen, das Wahlmännersystem anhand einer Grafik zu erklären, bei der die USA in Form eines Steaks dargestellt waren. Das war weder appetitlich noch informativ. Besonders irritierend waren auf beiden Kanälen die immer wieder eingeblendeten Zwischenstände auf ungesicherter Basis - weniger wäre mehr gewesen. Und bei allem Verständnis für das Bemühen, Netz-mäßig auf der Höhe der Zeit zu sein, bleibt die Frage: Warum sollen Menschen Fernsehen gucken, wenn Moderatoren nur das Internet (Twitter, Facebook etc.) vorlesen?

8. How stupid? War es dumm, die Nacht wach zu bleiben?

Nö, war schon okay. Schließlich kam am Ende ja auch etwas dabei rum.

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insgesamt 930 Beiträge
makki45 06.11.2012
Was soll, bitte, daran spannend sein, wenn es ganz ohne Bedeutung ist wer gewinnt ?
Zitat von sysopEs ist eine der spannendsten Wahlen in der Geschichte der Vereinigten Staaten
Was soll, bitte, daran spannend sein, wenn es ganz ohne Bedeutung ist wer gewinnt ?
jos777 06.11.2012
Es ist die Zeit von konservativen Werten, welche nun mit Romney starten wird. Das liegt daran, dass konservative Familien im Durchschnitt mehr und intensiver arbeiten, um ihren Wohlstand zu mehren und den Besitz zu wahren. [...]
Es ist die Zeit von konservativen Werten, welche nun mit Romney starten wird. Das liegt daran, dass konservative Familien im Durchschnitt mehr und intensiver arbeiten, um ihren Wohlstand zu mehren und den Besitz zu wahren. Letztendlich möchte jeder irgendwann konservativ werden oder ist es schon. Die ganze liberale Politik ist nur eine Modeerscheinung. Im Kern ist jeder Mensch konservativ. Deshalb wird auch Romney der neue Präsident der USA werden.
e-cdg 06.11.2012
Am Ende gewinnen in den USA eh immer die Banken - was hätte mit dem Geld, das für den Wahlkampf verprasst wurde, alles sinnvoll für Bildung,SoziaIes und Infrastruktur erreicht werden können !
Zitat von sysopEs ist eine de
Am Ende gewinnen in den USA eh immer die Banken - was hätte mit dem Geld, das für den Wahlkampf verprasst wurde, alles sinnvoll für Bildung,SoziaIes und Infrastruktur erreicht werden können !
spontifex 06.11.2012
Falsches Foto (http://cdn3.spiegel.de/images/image-422072-breitwandaufmacher-dhdp.jpg) | Richtiges Foto (https://www.box.com/s/7ps8rlgbe4qwd4suomj1)
Zitat von sysopEs ist eine de
Falsches Foto (http://cdn3.spiegel.de/images/image-422072-breitwandaufmacher-dhdp.jpg) | Richtiges Foto (https://www.box.com/s/7ps8rlgbe4qwd4suomj1)
Hafenschiff 06.11.2012
Ja genau. Deswegen sind gerade die Ost- und Westküste der USA ja auch so reich geworden ... weil die alle so konservativ sind und die Republikaner da so einen guten Stand haben ... O_ô Aha. Und was schreiben Sie, wenn Obama [...]
Zitat von jos777Es ist die Zeit von konservativen Werten, welche nun mit Romney starten wird. Das liegt daran, dass konservative Familien im Durchschnitt mehr und intensiver arbeiten, um ihren Wohlstand zu mehren und den Besitz zu wahren.
Ja genau. Deswegen sind gerade die Ost- und Westküste der USA ja auch so reich geworden ... weil die alle so konservativ sind und die Republikaner da so einen guten Stand haben ... O_ô Aha. Und was schreiben Sie, wenn Obama wieder gewinnt? Dann hat sich mal wieder die Modeerscheinung durchgesetzt? Bei Ihnen kann man sich echt nur noch weglachen.
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  • Mittwoch, 07.11.2012 – 09:17 Uhr
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US-Wahl 2012 Ergebnisse

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Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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