TV-Shows: Alle buhlen um Harald Schmidt

ZDF, WDR, MDR, Premiere: Seitdem das Aus für die "Harald Schmidt Show" fest steht, kann sich der Entertainer vor Angeboten anderer Sender nicht mehr retten. Intendant Claus Peymann verkündete gar stolz: "Harald Schmidt kommt fest ans Berliner Ensemble."

Begehrt: Harald Schmidt
Sat 1

Begehrt: Harald Schmidt

München - Für das öffentlich-rechtliche Fernsehen soll Schmidt der Heilsbringer sein. "Ich bin an Harald Schmidt und seiner Rückkehr zu uns höchst interessiert", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" Fritz Pleitgen, den WDR-Intendanten und ARD-Vizechef. Mit seinem intellektuellen Anspruch sei der TV-Satiriker "für das öffentlich-rechtliche Fernsehen wie geschaffen". Schmidt war bis zu seinem Start bei Sat.1 mit mehreren Sendungen beim WDR und bei der ARD vertreten.

Pleitgen versicherte, er respektiere den offensichtlichen Wunsch Schmidts, derzeit in Ruhe gelassen zu werden. "Ich will Schmidt nicht gleich bedrängen." Er habe den Entertainer immer geschätzt, auch während der acht Jahre bei der privaten Konkurrenz. Schmidt hatte am Montag angekündigt, zum Jahresende seine Late-Night-Show bei Sat.1 zu beenden.

Interesse zeigt auch der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR). Intendant Udo Reiter will Schmidt nach Leipzig holen. Er könne nur schwer mit der Tatsache leben, "dass Sie eine längere Kreativpause einlegen wollen und im deutschen Fernsehen dann ausschließlich in den Werbeblöcken zu sehen wären", schrieb Reiter an Schmidt. "Sie haben den MDR so oft als ihren Lieblingssender bezeichnet", heißt es in dem per Fax übermittelten Schreiben. "Diese Freundschaft soll keine Einbahnstraße sein. Deshalb unser Angebot: Kommen Sie zu uns nach Leipzig! Hier kann Manuel Andrack auch noch andere Dinge studieren als den Otto-Katalog oder Stasi-Akten. Zum Beispiel gute Kölsch-Kneipen und hübsche Sächsinnen."

Verstärkung für die "Brisant"-Redaktion

"Wir könnten Sie zum Beispiel bei 'Brisant' gebrauchen", schreibt der Intendant. Die Kollegen in der Redaktion des Boulevardmagazins jedenfalls "würden sich aufrichtig freuen, vor allem Ihr einstiger Monatsliebling Griseldis Promnitz, die zwischenzeitlich geheiratet hat und jetzt Wenner heißt. Ein goldener Brisant-Wuschel ziert ja bereits ihre Trophäen-Sammlung."

Doch dieser Wuschel ist nur ein Vorgeschmack auf Reiters größere Pläne: "Oder die große Samstagabend-Unterhaltung? Mit unserem Fernseh-Ballett eine Showtreppe herunter? Dummerweise haben wir die Moderation für unsere Feste der Volksmusik gerade neu vergeben. Mit Ihnen hätte dieses oft missverstandene Format endlich den (längst verdienten) Einzug in die Feuilletons geschafft."

Doch doch, das Angebot sei bitte ernst zu nehmen, beschied der Sender heute auf Nachfrage, und schließlich hatte Intendant Reiter ja noch weitere Ideen: "Wir würden auch ein Format für Sie entwickeln. Einen neuen Late-Night-Talk vielleicht? Eine Art Sandmann für Erwachsene, angesiedelt irgendwo zwischen Gottschalk und literarischem Quartett, nur besser, schmidtiger eben. Und natürlich ARD-weit."

Der Sprecher der ARD-Anstalt, Eric Markuse, nannte das Angebot absolut ernst gemeint. "Vielleicht können wir nicht so viel zahlen wie Sat.1 - aber dafür kann man hier günstiger wohnen als in Köln."

Das ZDF will Schmidt ebenfalls haben. "Interesse ist auf jeden Fall da", sagte ein Sprecher des Mainzer Senders. "Es gibt bislang keine Gespräche oder Kontakte." Hierfür sei es noch zu früh.

Auch der Abo-Sender Premiere wirbt um Schmidt. "Es gibt schon seit langem grundsätzliche Überlegungen, Premiere auch als Premium-Anbieter im Bereich Unterhaltung und Comedy zu positionieren", sagte ein Sprecher des Pay-TV-Senders. Es gebe ein grundsätzliches Interesse an dem Entertainer. Premiere wollte sich unter Verweis auf den noch laufenden Vertrag Schmidts bei dem zur ProSiebenSat.1 gehörenden Sender Sat.1 nicht dazu äußern, ob Schmidt bereits angesprochen wurde.

Intendant Claus Peymann kündigte in der "Berliner Morgenpost" an: "Harald Schmidt kommt fest ans Berliner Ensemble". Er habe Schmidt 1974 das erste Engagement verschafft und ihn als Statist und Schauspielschüler ans Stuttgarter Staatsschauspiel engagiert. Sein Debüt gab Schmidt erfolgreich als Räuber in Schillers Drama "Die Räuber". Peymann fügte hinzu: "Jetzt schließt sich der Kreis. Gott sei Dank! - Wohin sonst?"

Bisher spielte Schmidt gelegentlich in Bochum Theater, vor zwei Jahren trat er im Berliner Ensemble als Intendant in dem Stück "Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir Essen" auf.

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