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TV-Star Mälzer: "Wir brauchen keine Kochshows mehr"

Überraschende Einblicke in eine der Erfolgssparten des deutschen Fernsehens: TV-Koch Tim Mälzer kritisiert im SPIEGEL, viele Kulinaria-Shows seien "superbillig". Es gehe um Geld statt nachhaltige Esskultur. Auch sich selbst beurteilt er hart - will aber in seiner neuen Sendung einiges anders machen.

TV-Koch Mälzer (in Werbung für "Born to Cook"): "Ich wusste nicht mal mehr, worum's eigentlich geht"
Philipp Rathmer/ VOX

TV-Koch Mälzer (in Werbung für "Born to Cook"): "Ich wusste nicht mal mehr, worum's eigentlich geht"

Hamburg - Fernsehkoch Tim Mälzer gibt zu, in der Vergangenheit Fehler gemacht zu haben. "Ich habe mich auch zum Affen gemacht - bin hier noch aufgetreten und habe da noch eine dusselige Show besucht. Es war so eine Mir-gehört-die-Welt-Zeit", sagt er im SPIEGEL-Interview. "Selbst die größten Albernheiten haben mich bekannter gemacht. Und ich fand das ja auch geil. Es war kein Größenwahn, eher Naivität."

Mälzer wechselt gerade zur ARD, Mitte April startet dort seine neue Sendung. Über seine Vergangenheit bei Vox sagt er, mit seinen Kochshows auf dem Privatsender habe er vielleicht "den Bogen überspannt": "Bei 'Born to Cook' wusste nicht mal ich mehr, worum's eigentlich geht."

Für die Fernsehproduzenten sei entscheidend, dass "Kochfernsehen meist superbillig zu produzieren" sei. "Aber wir brauchen künftig keine Kochshows mehr, sondern Sendungen, die sich wieder um die Zubereitung von Speisen kümmern. Krawall war gestern", sagte der 38-Jährige. An der deutschen Esskultur hätten die Fernsehköche bisher wenig geändert: "Der Zug fuhr rasend schnell, alle versuchten draufzukommen und hatten wenig Sinn für Nachhaltigkeit. Es wurde geguckt: Wie kann man die Kuh melken." In seiner neuen ARD-Sendung will Mälzer "nicht mehr drei Gänge in 25 Minuten, keinen Laber-Teppich und kein Gewinnspiel" zeigen.

"Ich war komplett überarbeitet, totaler Burnout"

Dass einige Köche dem Druck des Geschäfts nur mit Drogen standhalten, hält Mälzer für "nicht verständlich, nur nachvollziehbar". Er habe getrunken, "nicht regelmäßig, aber wenn der Stress zu groß war, habe ich den durch Feiern abgebaut - und dann auch heftig. Es war aus heutiger Sicht keine schöne Zeit, aber sie ist abgeschlossen".

Zu seinem Zusammenbruch Mitte 2006 sagte Mälzer im SPIEGEL: "Ich war komplett überarbeitet. Totaler Burnout." Es sei gewesen, als habe man ihm "die Stromkabel durchgeschnitten". Es könne sich "keiner vorstellen, wie das ist, wenn man beim Bäcker steht, fassungslos auf die Brötchen glotzt und sich total nackt fühlt vor der ganzen Welt".

Das Verhältnis unter den TV-Köchen sei "ein gutes, solange wir uns geschäftlich nicht in die Quere kommen". Auf die Frage, ob man als Fernsehkoch überhaupt kochen können müsse, antwortete Mälzer: "Nö." Er selbst traue sich von 20 Gault-Millau-Punkten allerdings 15 bis 16 zu, wenn er sich richtig anstrenge.

Vor dem Start seines neuen Restaurants in Hamburg hat Mälzer Bammel: "Ich habe eine Scheißangst vor dem Start. In der 'Bullerei' steckt all mein Geld. Wenn das nicht klappt, bin ich pleite."

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