TV-Tiershow "Herrchen gesucht" Beim HR wird der Hund begraben

Hunde müssen künftig draußen bleiben - Enten und Esel auch. Der Hessische Rundfunk stellt wegen mieser Quoten nach 33 Jahren seine Kultshow "Herrchen gesucht" ein. Proteste von Tierschützern halfen nichts - und sogar die nackten Beine von Sonya Kraus verfehlten ihre Wirkung.


Frankfurt/Main - 3,9 Prozent. So mager waren die Einschaltquoten der Tiershow "Herrchen gesucht" im Jahr 2008 - und damit war dann wohl die Schmerzgrenze des Hessischen Rundfunks (HR) erreicht. Nach 33 Jahren stellt das Regionalprogramm seine Kultsendung "Herrchen gesucht" ein, in der Hunden, Katzen und Wellensittichen via televisionärem Hilferuf ein neues Heim gesucht wurde.

HR-Moderatorin Deforth (rechts), Hund: Kein Herz mehr für Tiere?
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HR-Moderatorin Deforth (rechts), Hund: Kein Herz mehr für Tiere?

Die Absetzung der Show wird nach Angaben der Nachrichtenagentur ddp von "massiven Protesten" begleitet. Vor knapp drei Wochen hätten sogar rund 150 Tierschützer vor dem HR-Sitz in Frankfurt am Main für die Sendung demonstriert, heißt es.

Selbst HR-Fernsehdirektor Manfred Krupp räumt ein, dass die Reaktionen der Fans in mehr als 1000 Anrufen und Briefen teilweise "sehr heftig" gewesen seien. Unter anderem sammelten Tierschützer mehr als 10.000 Unterschriften zum Erhalt der Show. Krupp sagte, dass auch ihm "Herrchen gesucht" sehr am Herzen liege. Doch vor allem die Konkurrenz von ARD und Vox, die beide Tier-Doku-Soaps anbieten, habe der Show zu schaffen gemacht, so dass die Quote einzelner Sendungen sogar unter 1,2 Prozent gelegen hätte.

Ein Sprecher des HR fasste das Dilemma folgendermaßen zusammen: "Alle wollen die Sendung behalten, aber keiner will sie schauen."

Erfolg, Hybris, Niedergang

Angefangen hatte die Geschichte der Tiervermittlung im HR 1975 als siebenminütiger Pausenfüller. Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Sendung zu einer der erfolgreichsten im "Dritten Programm" - teilweise mit zweistelligen Einschaltquoten. Andere öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten zogen mit Formaten wie "Tiere suchen ein zu Hause" (WDR) nach.

Wie HR-Fernsehdirektor Manfred Krupp nun erläuterte, begann der Niedergang von "Herrchen gesucht" ausgerechnet zum Zeitpunkt des größten Erfolges. Als die damalige Moderatorin Barbara Siehl vor sechs Jahren zweistellige Einschaltquoten verzeichnete, forderte die Redaktion einen Sendeplatz am Montagabend. Der Wunsch wurde erfüllt, doch "von da an ging es mit der Sendung sukzessive bergab", stellte Krupp nun fest.

2005 verließ zu allem Unglück auch noch die Star-Moderatorin die Show (Barbara Siehl hat nach eigenen Angaben insgesamt 10.000 bis 20.000 Tiere vermittelt). "Frau Siehl ist ganz klar eine Identifikationsfigur und war für viele Zuschauer ein Einschaltmotiv", heißt es in Krupps Analyse. Zuletzt wurde die Sendung von Miriam Deforth moderiert.

Um den Niedergang zu stoppen, verschob der HR mehrfach den Sendeplatz der Show - ohne Erfolg. Stattdessen hagelte es Kritik, wie beispielsweise vom Geschäftsstellenleiter des Bundes gegen Missbrauch der Tiere, Mike Ruckelshaus.

Der Tierschützer fand herbe Worte für die Verschiebe-Praxis des HR. "Die häufige Sendeplatzverschiebung war Gift für die Sendung", sagte er ddp. Trotz der miesen Quote fordert er den Erhalt von "Herrchen gesucht" auf dem früheren Sendeplatz am Montag und mit einem neuen Konzept. Da der Tierschutz als Staatsziel verankert sei, stehe "der HR als öffentlich-rechtlicher Sender in der Pflicht, die Sendung zu erhalten".

Kampf mit kurzen Röcken

Die Sendung sei eine Plattform gewesen, um zu zeigen, dass schwer vermittelbare Tiere "keine Beißmaschinen", sondern ganz friedliche Hunde seien, betonte Ruckelshaus. Durch die Einstellung von "Herrchen gesucht" befürchtet Ruckelshaus auch negative Auswirkungen auf den Tierschutz in Hessen.

In der Show können Tierschutzorganisationen aus Hessen und angrenzenden Regionen Hunde, Katzen und Kleintiere, gelegentlich auch Enten, Gänse, Pferde, Esel, Schweine, Schafe und Ziegen - vorstellen, um für sie ein neues Herrchen zu suchen.

Ab dem 6. Dezember ist es damit nun vorerst vorbei, dann wird die letzte Ausgabe von "Herrchen gesucht" ausgestrahlt - aller Proteste und Bittbriefe zum Trotz.

Selbst ein aufreizendes Angebot der ProSieben-Moderatorin Sonya Kraus, die ihren ersten Hund über die Sendung bekommen hatte, half nicht mehr. Die für ihre kurzen Röcke bekannte TV-Frau wollte "Herrchen gesucht" ein Jahr lang kostenlos moderieren - in ihrem kürzesten Rock.

Der HR reagierte auf die Offerte nicht.

chc/ddp



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