TV-Unterhaltung Intendant Reiter kritisiert "Schmidt & Pocher"

Harald Schmidt und Oliver Pocher sorgen für Unruhe bei der ARD. Die geplante Verjüngung des Publikums scheint auszubleiben. Stattdessen macht die Sendung mit skandalträchtigen Inhalten auf sich aufmerksam. Die Sender suchen nach einem Weg aus der Krise.


MDR-Intendant Udo Reiter hat die Folge der Sendung "Schmidt & Pocher", in der die Rapperin Lady Bitch Ray zu Gast war, scharf kritisiert: "Es ist immer dieselbe Gratwanderung bei solchen Sendungen. Man will junge Zuschauer erreichen, und zugleich darf das Niveau nicht abstürzen", sagte er dem SPIEGEL.

Harald Schmidt (l.) und Oliver Pocher: "Ziemlich ui-jui-jui"
DDP

Harald Schmidt (l.) und Oliver Pocher: "Ziemlich ui-jui-jui"

Stein des Anstoßes war der Gastauftritt der Rapperin Lady Bitch Ray, die in die Talkshow ein Döschen mitbrachte, deren Inhalt sie als ihr Intimsekret bezeichnete. Moderator Pocher hatte offenbar seine Mühe mit dem provokanten Gesprächsstil der Rapperin umzugehen, musste sich immer wieder von Harald Schmidt aus der Patsche helfen lassen. Im Anschluss an die Sendung kam es zu einer offenen Aussprache zwischen den Moderatoren.

"Das war ganz offensichtlich ein Absturz." ARD-Programmdirektor Günter Struve sagte zu der Sendung: "Wir riskieren mit Schmidt und Pocher sehr viel mehr, als andere öffentlich-rechtliche Sender riskiert haben - und das bewusst und gewollt." Die Sendung mit Lady Bitch Ray habe auch er "ziemlich ui-jui-jui" gefunden, so Struve.

Das Bayerische Fernsehen und der MDR strichen geplanten Wiederholungen der Sendung aus ihrem Programm, der SWR strahlte sie mit dem Warnhinweis aus, dass sie für Zuschauer unter 18 Jahren nicht geeignet seien. Dabei sind Sendungen wie "Schmidt & Pocher" von den öffentlich-rechtlichen Sendern doch gerade zu dem Zweck ins Leben gerufen worden, jüngere Zuschauer zurück ins programm zu locken. Die aber, dass zeigen aktuelle Umfrageergebnisse der ARD-Medienforschung, schauen lieber bei den Privatsendern wie Sat.1, RTL und Prosieben rein.

Einen gangbaren Weg wie einerseits junge TV-Seher angesprochen und gleichzeitig das ältere Bestandspublikum nicht vergrätzt wird, haben ARD und ZDF offenbar noch nicht gefunden. Mit Sendungen wie "Schmidt & Pocher" oder der total gefloppten Vorabend-Tyberatung mit Bruce Darnell jedenfalls, scheint dieser Spagat nicht zu gelingen.



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