Account auf Twitter Zu lustig, um von der AfD zu sein

Die "AfD Bremen-Nord" twittert allerlei seltsames Zeug. Ein Fake, teilt die Partei mit - dem aber offensichtlich einige Journalisten und Politiker aufgesessen sind. Wer ist hier eigentlich der Veräppelte?

"AfD Bremen-Nord" auf Twitter
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"AfD Bremen-Nord" auf Twitter


Spaßvögel geben sich bei Twitter als der AfD-Ortsverband Bremen-Nord aus. Wer dort bislang etwas mehr als hundert Tweets abgesetzt und gut 1300 Follower gesammelt hat, ist unklar - aber es ist nicht die AfD, wie mehrere Parteivertreter bestätigen.

"Die AfD Bremen Nord hat keinen Twitter-Account", sagt etwa Frank Magnitz, Landessprecher der Partei, auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Es gibt lediglich einen Facebook-Auftritt. Magnitz vermutet, dass die Satire-Partei "Die Partei" hinter der Aktion steckt, "das passt einfach vom Stil her". Man habe am Donnerstag von dem Account erfahren und am Freitag Twitter informiert - man wolle den Channel stilllegen lassen.

Der Reihe nach: In ihrer Sendung vom vergangenen Freitag machte sich die "heute show" über die AfD lustig, titulierte Uwe Junge, AfD-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz, nach einem wenig eloquenten Interview als "Stammelfleisch".

Vom Twitter-Account "AfD Bremen-Nord" ging darauf eine Botschaft in die Welt: "macht euch ruhig lustig über uns… eure sendung setzen wir als 1. ab #heuteshow @ ZDF". Die Reaktionen changierten zwischen Häme und Belustigung, der Tweet verschwand wieder, war aber dank Screenshots weiter in der Welt.

Daraufhin gab es eine weitere Botschaft von der "AfD Bremen-Nord": "WIR HABEN DEN TWEET NICHT GELÖSCHT!!! DAS WART IHR!!! #Lügenpresse".

Dass die "Lügenpresse" Tweets eines Partei-Accounts löscht, ist selbst für Verschwörungstheoretiker ziemlich weit hergeholt. Aber auch diese Votes hätten stutzig machen können: "Wie viele Kinder sollte eine deutsche Frau bekommen?" oder "Wer sollte eurer Meinung nach aus der Öffentlichkeit verschwinden?" (Antwortmöglichkeiten: Erika Steinbach und Adolf Hitler).

Diverse Verweise auf die Satire-Partei "Die Partei", der Umstand, dass die ersten Tweets erst am 14. März abgesetzt wurden - es gab mehrere Anhaltspunkte dafür, dass hier Scherzkekse am Werk sind.

Magnitz ist von dem Gag wenig angetan. Dass der Account nicht die AfD unterstützen wolle, liege auf der Hand - ganz gleich, wer dahinter stehe. Gleichzeitig nötigt die Aktion Magnitz einen gewissen Respekt ab. Die Resonanz und der Umstand, dass viele die Sache ernst genommen hätten, zeige, "dass das relativ gut vorbereitet, umgesetzt und halbwegs professionell gemacht" worden sei.

Jan Böhmermann, dem eine solche Digitalguerilla-Aktion zuzutrauen wäre, twitterte, er stecke nicht hinter dem Account. Was bei Böhmermann freilich nichts bedeuten muss.

Die Geschichte zeigt einmal mehr eine Grundregel des Internet: Was dort erst einmal veröffentlicht wurde, lässt sich kaum noch aus der Welt schaffen.

Das gilt in diesem Fall sogar doppelt: Die AfD Bremen muss vorerst damit leben, dass Scherzkekse auf Twitter in gewisser Weise die Partei gekapert haben. Seit Donnerstag versucht die AfD, das geradezurücken - auf Twitter und auf den Facebook-Seiten des Landes- und Ortsverbandes.

Und Medien, die über das Verhalten der vermeintlichen AfD-Twitterer berichteten (der Beitrag wurde in der Zwischenzeit entfernt) und es teilweise als Realsatire bezeichneten, müssen damit leben, dass sie ganz offenbar selbst einer Satire aufgesessen sind. Genauso wie mancher Politiker:

ulz



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