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Überblick: Die Empfehlungen des Rechtschreibrates

Jetzt machen sie mal einen Punkt! Und zwar hoffentlich hinter das Regelgerangel der deutschen Rechtschreibung. Die Empfehlungen des Rats im Überblick.

1. Getrennt- und Zusammenschreibung:

Die Getrennt- und Zusammenschreibung soll der allgemeinen Tendenz zur Zusammenschreibung Rechnung tragen. Als wichtiges Kriterium wird das so genannte Akzentmuster benannt: Zusammenschreibung korreliert mit (einem zusammenfassenden) Wortakzent.

Die wesentlichen Änderungsvorschläge:

a) Schreibung von Partikel + Verb

Liegt ein einheitlicher Wortakzent vor, dann ist zusammenzuschreiben, zum Beispiel: abhandenkommen, abwärtsfahren, anheimfallen, querlesen.

Andernfalls, bei adverbialem Gebrauch, gilt Getrenntschreibung. Beispiel: aufeinander achten, quer (im Bett) liegen, rückwärts einparken

b) Schreibung von Adjektiv + Verb

Bei einer neuen, idiomatisierten Gesamtbedeutung soll generell Zusammenschreibung eintreten. Formale Regeln, wie insbesondere die Regel, nach der Adjektive auf -ig, -isch und -lich stets vom folgenden Verb getrennt zu schreiben sind, entfallen.

Beispiele: müßiggehen, (sich) näherkommen, schwerfallen (= Mühe verursachen), (jemanden) zufriedenlassen (in Ruhe lassen), seligpreisen.

Bei den so genannten Resultativa (Verbindungen, bei denen das Adjektiv eine Eigenschaft des Objekts bezeichnet) ist grundsätzlich Zusammen- wie Getrenntschreibung möglich.

Beispiele:(eine Wand) blau streichen/blaustreichen, (Zwiebeln) klein schneiden/kleinschneiden, (Essen) warm machen/warmmachen

c) Schreibung von Substantiv + Verb

Der Rat empfiehlt, die Liste der Zusammensetzungen aus Substantiv und Verb, bei denen die ersten Bestandteile die Eigenschaften selbständiger Substantive weitgehend verloren haben, um eislaufen, kopfstehen und nottun zu erweitern und leidtun entsprechend einzustufen (das heißt, die Variante Leid tun zu streichen).

Weiterhin sollen in vier Übergangsfällen Doppelschreibungen zulässig sein: achtgeben/Acht geben, achthaben/Acht haben, haltmachen/Halt machen, maßhalten/Maß halten.

Ansonsten gilt die Regel, nach der in Verbindungen aus Substantiv + Verb das Substantiv groß- und getrennt vom Verb geschrieben wird. Beispiel: Rad fahren.

d) Schreibung von Verb (Infinitiv) + Verb

Verbindungen aus Verb (Infinitiv) + Verb werden prinzipiell getrennt geschrieben. Die Zusammenschreibung soll aber ermöglicht werden bei übertragen gebrauchten Verbindungen mit zweitem Bestandteil bleiben oder lassen.

Beispiel: in der Schule sitzenbleiben, die Freundin stehenlassen" sowie bei kennen lernen.

e) Schreibung von Verbindungen mit Adjektiven als erstem Bestandteil

Bei Verbindungen mit einem einfachen unflektierten Adjektiv als graduierender Bestimmung ist Getrennt- wie Zusammenschreibung möglich.

Beispiele: eng verwandt/engverwandt, schwer krank/schwerkrank.

f) Schreibung mehrgliedriger Anglizismen

Die Schreibung mehrgliedriger Anglizismen aus Adjektiv und Substantiv wird an das Akzentmuster gekoppelt: Zusammenschreibung, wenn der Hauptakzent auf dem adjektivischen Bestandteil liegt; Getrenntschreibung, wenn beide Bestandteile einen Akzent tragen.

Beispiele: Freestyle, Hightech, Shootingstar; Golden Goal, Private Banking, Round Table.

Sind beide Akzentmuster möglich, dann sowohl getrennt- als auch zusammengeschrieben werden.

Beispiele: Big Band/Bigband, Hot Pants/Hotpants, Small Talk/Smalltalk

2. Groß- und Kleinschreibung:

Die Änderungsvorschläge betreffen:

a) Einzelne Schreibweisen

- zwecks Unterscheidung zwischen substantivischem und nichtsubstantivischem Gebrauch ist in einigen Fällen Kleinschreibung vorgesehen.

Beispiel: zu eigen machen, geben versus sein Eigen nennen; jemandem feind sein versus jemandes Feind sein. Ebenso: freund, klasse, spitze, not und andere in Verbindung mit den Verben sein/bleiben/werden.

- aufgrund des unklaren Wortartstatus:

Zusammenschreibung von bankrottgehen, pleitegehen (versus in den Bankrott gehen)

Groß- wie Kleinschreibung bei recht/Recht und unrecht/Unrecht in Verbindung mit Verben wie geben, haben, tun

b) Regeln

- Dem Schreibgebrauch entsprechend ist bei Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv mit einer neuen, idiomatisierten Gesamtbedeutung die Großschreibung des Adjektivs möglich, zum Beispiel:

der Blaue Brief (= Mahnschreiben), der Runde Tisch (in der Politik), das Schwarze Brett (= Anschlagtafel)

- Die Schreibung von Verbindungen mit fachsprachlichem oder terminologischem Charakter richtet sich nach dem Gebrauch im jeweiligen Bereich. Beispiele:

die Erste Hilfe (bei Unglücksfällen), die Rote Karte (im Sport)

- die "Höflichkeits"-Großschreibung beim Pronomen Du und den dazugehörigen Fällen in Briefen wird wieder erlaubt

3. Zeichensetzung:

Die wesentlichen Änderungsvorschläge betreffen:

a) Komma bei selbständigen Sätzen, die mit "und", "oder" usw. verbunden sind

Der Vorschlag des Rats bringt eine wesentliche Änderung mit sich: die Beschränkung auf selbständige Sätze. Dies hat zur Folge, dass in Sätzen wie "Es war nicht selten, dass er sie besuchte(,) und dass sie bis spät in die Nacht zusammensaßen, wenn sie in guter Stimmung war" ein Komma nach "besuchte" nicht mehr zulässig ist.

b) Komma bei Infinitivgruppen

Der Rat bestätigt grundsätzlich die Regelung der Rechtschreibreform, nach der Infinitivgruppen, die von einem Korrelat oder Verweiswort abhängen, durch Komma abgesetzt werden. Beispiel: Anna hat es nie bereut, diese Ausbildung gemacht zu haben.

Der Rat schlägt aber vor, dieses Komma bei einem bloßen Infinitiv freizustellen. Beispiel: Thomas dachte nicht daran(,) zu gehen.

Darüber hinaus spricht er sich für ein obligatorisches Komma bei Infinitivgruppen aus, die mit "um", "ohne", "statt", "anstatt", "außer" oder "als" eingeleitet sind.

Beispiel: Sie öffnete das Fenster, um frische Luft hereinzulassen.

Das Komma soll auch bei Infinitivgruppen gesetzt werden, die von einem Substantiv abhängen und mehr als den bloßen Infinitiv umfassen.

Beispiel: Er wurde beim Versuch, den Tresor zu knacken, vom Nachtwächter überrascht.

4. Worttrennung am Zeilenende

Für den Bereich der Worttrennung am Zeilenende empfiehlt der Rat nur eine Änderung: die Abtrennung von Einzelvokalen am Wortanfang und -ende prinzipiell auszuschließen. Nicht erlaubt wären: E-sel, Feiera-bend, Bi-omüll.

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