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Ufo-Eklat: Bublath verlässt Maischberger-Show

Der Mann hatte genug von grünen Männchen: ZDF-Moderator Joachim Bublath verließ gestern Abend Maischbergers Talkshow. Die Runde diskutierte Übersinnliches und Außerirdisches - und Bublath fühlte sich "wie im Kuriositätenkabinett".

Hamburg - Es war, wie man so schön sagt, ein eher buntes Thema, das am Dienstagabend bei "Menschen bei Maischberger" (ARD) auf der Tagesordnung stand: "Ufos, Engel und Außerirdische". Als Gäste diskutierten: Rocksängerin Nina Hagen, die behauptet, die Begegnung mit einem Ufo vor 23 Jahren habe ihr Leben verändert, die Engel-Autorin Sabrina Fox und der populärwissenschaftliche Ufologe Johannes von Buttlar. Dazu kam der Physiker und Psychologe Walter von Lucadou, der eine Beratungsstelle für Menschen leitet, die mit Übernatürlichem konfrontiert wurden - und ZDF-Wissenschaftsmoderator Joachim Bublath. Letzterem wurde es nach 45 Minuten zu bunt: Der promovierte Physiker verließ genervt die Talkrunde.

Talkgast Bublath: "Mein Part war sinnlos"
WDR

Talkgast Bublath: "Mein Part war sinnlos"

Er habe gedacht, er sei in eine Diskussionsrunde eingeladen, bemerkte Bublath noch, bevor er das Studio verließ. Dies sei aber eine Therapiestunde, die er nicht stören wolle. Während Moderatorin Sandra Maischberger seinen Abgang bedauerte ("Wir haben jetzt einen vernünftigen Menschen in der Runde verloren."), frohlockte Nina Hagen: "Wenn jetzt auch noch George W. Bush verschwindet, haben wir es geschafft." Maischberger entgegnete, Hagens Äußerung sei intolerant und warf der Sängerin vor, sie habe einen Gast verloren, "weil du ihn die ganze Zeit angeschrien hast". In Hagens Kopf laufe anscheinend einiges durcheinander, meinte Maischberger.

Hagen hatte sich bereits zuvor über Bublaths rationale Haltung echauffiert, als dieser ihre Überzeugung, Ufos gebe es tatsächlich, in Zweifel zog. "Mir wird schlecht, wenn ich neben solchen Menschen sitzen muss, die alles ins Lächerliche ziehen", beschwerte sich die Punk-Diva. Sie nannte Bublath ein "Alien-Geschöpf" und setzte sich demonstrativ um.

"Ich kam mir vor wie im Kuriositätenkabinett auf dem Oktoberfest", sagte Bublath zu SPIEGEL ONLINE. "Wenn Sie als Gast sprachlos sind, was wollen Sie da machen?" Er habe eine kritische Diskussion erwartet, aber stattdessen sei es nur um die persönlichen Erfahrungen der anderen Gäste gegangen.

Nun kann man sich fragen, ob sich der Wissenschaftsjournalist bei diesem bizarren Thema nicht vorher hätte überlegen sollen, ob er überhaupt teilnehmen soll. Aber Bublath hält dagegen: "Teil meiner Entscheidung, in die Sendung zu gehen war, dass man auch die rationale Ebene in diese Diskussion reinbringen muss."

Auch die Frage, ob die Naturwissenschaft im Gegenzug die Menschen nicht mehr auf ihrem Weg mitnehmen müsste, hätte er spannend gefunden. "Es sollte eigentlich die Frage gestellt werden, warum unsere Gesellschaft immer irrationaler wird und solche Geistesvorstellungen bereitwillig annimmt", sagte Bublath. Zu einer solchen Diskussion sei es aber nie gekommen.

"Dann fing Frau Hagen wieder mit ihren Ufos an"

Er habe lange darauf gewartet, dass die zuvor abgesprochenen Themen diskutiert würden, "aber dann wurde wieder ein neues Fass mit Engeln aufgemacht und Frau Hagen fing wieder mit ihren Ufos an. Da war mir klar: Das wird nichts mehr." Er habe sich einfach fehl am Platz gefühlt und sei deshalb lieber gegangen. Bublath: "Da saß eine Gruppe, die in dieser Geistesvorstellung lebt und damit ihr Geld verdient. Mein Part war sinnlos."

Sein Abgang ist bereits der zweite eines Talkgastes in diesem Monat: Vor knapp drei Wochen hatte Johannes B. Kerner die ehemalige Tagesschau-Sprecherin und Buchautorin Eva Herman aus dem Studio komplimentiert. Sie hatte ihre umstrittene Äußerung zur Familienpolitik im Dritten Reich nicht zurücknehmen wollen.

acl/ddp/AP

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