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Umstrittenes Familienbild: Zentralrat empört über Herman und Katholiken

Eva Hermans Rede auf dem Fuldaer Katholikenkongress hat beim Zentralrat der Juden Entrüstung ausgelöst: Der Auftritt sei eine "Ohrfeige" für die Aufarbeitung der Nazi-Diktatur - und zeige, welch "seltsamer Geist" bei den Katholiken herrsche.

Fulda/Berlin - Eva Herman hat beim katholischen Kongress Zuspruch geerntet - zum Unmut des Zentralrats der Juden in Deutschland. Das breite Lob für die wegen ihrer Äußerungen zu NS-Familienpolitik umstrittenen Ex-Moderatorin bedeute "nicht nur ein Armutszeugnis für die Teilnehmer, sondern auch eine Ohrfeige für all diejenigen, die sich über 60 Jahre in der Aufarbeitung der Nazi-Diktatur engagiert haben", sagte Dieter Graumann, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden.

Autorin Herman: "Ohrfeige für die Aufarbeitung der Nazi-Diktatur"
AP

Autorin Herman: "Ohrfeige für die Aufarbeitung der Nazi-Diktatur"

Einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge wurde die 48-Jährige für eine Gastrede auf dem Katholikenkongress in Fulda gefeiert. Rund 700 Besucher des "Forums Deutscher Katholiken" hätten die ehemalige "Tagesschau"-Sprecherin mit tosendem Applaus bedacht, nachdem diese rund 40 Minuten lang betont hatte, wie wichtig heute Werte wie Liebe, Familie und Kinder seien.

Wenn der Kongressleiter Herman nun zur "Märtyrerin im Kampf für Ehe, Familie und Kinder" mache, zeige dies, "welch seltsamer Geist in der Leitungsspitze des 'Forums Deutscher Katholiken' zu herrschen scheint". Die Grundwerte von Ehe, Familie und Kindern seien von den Nazis nicht erfunden, sondern missbraucht worden.

"Angesichts der hässlichen Häufung von kritikwürdigen Vorfällen" erwartet der Zentralrat jetzt ein "klärendes Wort" vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann. Als kritikwürdige Vorfälle bezeichnete er unter anderem die "wirren Vergleiche des Kölner Kardinals Joachim Meisners mit entarteter Kunst, die Ausfälle während der Israel-Reise der Bischofskonferenz im Sommer sowie den jetzigen Vorfall beim Forum Deutscher Katholiken".

Kultfigur für konservative Katholiken

"Wir haben Eva Herman eingeladen, weil sie aus unserer Sicht zum Thema Erziehung der Familie das Richtige sagt", erläuterte Hubert Gindert, der Initiator und Vorsitzende des Forums Deutscher Katholiken, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Kinder müssten mindestens in den ersten drei Jahren von einem Elternteil betreut werden, "und es ist nur natürlich, dass dies die Mutter ist".

Das Forum Deutscher Katholiken gilt als äußerst konservativ. Seit seiner Gründung im Jahr 2000 versteht es sich als Plattform "papst- und kirchentreuer Katholiken". Der Hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel gilt seit langem als Befürworter der Organisation.

Forum-Chef Gindert ist der Ansicht, das im Sommer 2006 verabschiedete Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz bedrohe das Grundrecht der Meinungs- und Redefreiheit, da es dazu führen könnte, dass Priester und Laien künftig die Lehre der Kirche nicht mehr vertreten dürfen.

Auf der Webseite des Forums Deutscher Katholiken kann man nachlesen, was Gindert unter dieser Lehre versteht: "Abtreibung ist ein verabscheuungswürdiges Verbrechen", steht dort, homosexuelles Tun "eine schlimme Abirrung und ein schwerer Verstoß gegen Gottes Gebote". Diese Tatsachen dürfe man nun nicht mehr aussprechen, ohne sich strafbar zu machen.

Wettern gegen die Kritiker

Während ihrer Rede beklagte sich Herman laut "Bild"-Zeitung erneut über die öffentliche Schelte, die sie für ihre Thesen einstecken musste. "Letztes Jahr hatte ich bereits ordentlich öffentlichen Gegenwind bekommen für diese Thesen, persönliche Beleidigungen waren keine Seltenheit. Alles, was nach Familie, nach Glück mit Ehepartnern und mit Kindern, nach dem Weiblichen, dem Männlichen und dem Muttersein klingt, wird in unserem Land leider auffallend schnell mit Nazi-Parolen in Zusammenhang gebracht."

Gindert teilt diese Ansicht: "Frau Herman hat sich ganz klar vom Nationalsozialismus distanziert. Wir würden sie deswegen zum Thema Familie und Erziehung jederzeit wieder einladen."

Gindert unterstellt Rhiel "Einknicken"

Im Vorfeld der Veranstaltung hatte es Ärger über den Auftritt Hermans gegeben: Der hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) trat als Schirmherr des Forums zurück, um gegen die Rede der Moderatorin zu protestieren. Über die genauen Gründe seiner Absage wollte sich das Hessische Wirtschaftsministerium auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht äußern.

Gindert hatte mit Rhiel nach eigenen Angaben keinen Kontakt. Die Anfrage, Eva Herman auszuladen, sei am Vormittag vor der Konferenz in Fulda gekommen. Als sich das Forum weigerte, dieser Aufforderung folge zu leisten, sei eine Stunde später die Absage des Ministers gekommen. "Ich finde es traurig, dass Politiker auf Mediendruck so schnell in die Knie gehen", sagte Gindert. "Ich frage mich: Wie können wir uns auf solche Politiker verlassen, wenn Deutschland einmal wirklich in eine Krise gerät." Ein Sprecher Rhiels wollte die Vorwürfe nicht kommentieren.

Einen Monat ist es her, da hatte der NDR entschieden: Eva Herman, 48, ist für uns nicht länger tragbar. Der Sender beendete die Zusammenarbeit mit der Moderatorin, weil diese sich bei der Vorstellung ihres neuen Buches im Ton vergriffen haben soll. Sie soll sich lobend über familiäre Werte und die Familienpolitik im Nationalsozialismus geäußert haben, wurde berichtet. Herman bestreitet dies, sie fühlt sich falsch zitiert und missverstanden.

Zentralrats-Vizepräsident Graumann erklärte, der NDR habe sich "völlig zu Recht" von Herman getrennt, nicht etwa weil sie die Grundwerte von Ehe, Familie und Kindern propagierte, sondern weil sie den Ursprung dieser Werte in direkten Zusammenhang mit nationalsozialistischer Familienideologie brachte und diese damit teilweise verherrlichte.

ssu/phw/tdo/dpa/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 112 Beiträge
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1. Man man man.....
kdshp 09.10.2007
Zitat von sysopEva Hermans Rede auf dem Fuldaer Katholiken-Kongress hat beim Zentralrat der Juden Entrüstung ausgelöst: Der Auftritt sei eine "Ohrfeige" für die Aufarbeitung der Nazi-Diktatur - und zeige, welch "seltsamer Geist" bei den Katholiken herrsche. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,510418,00.html
Hallo, sorry mir geht der "Zentralrat der Juden" so langsam mächtig auf den PIP (selbstzensur). Diese ständige kritik und versuche sich in politk einzumischen kann und will ich nicht mehr nachvollziehen können. Ja haben die denn die moral für sich gepartet ? PS Ich bin kein rechter !
2. Es kotzt mich an....
taffy-61 09.10.2007
Hat der Zentralrat vielleicht auch noch etwas anderes zu tun als sich zu empören? Über alles und jedes? Über Ex-Moderatorinnen, die eine eigene Meinung haben? Über U21-Nationalspieler, die gerne noch mal in ihre "andere" Heimat fahren würden und dafür auch auf Spiele bei "Paria"-Staaten verzichten? Ich sage es ganz offen: das gezielte Betroffenheits-Gegeifere des Zentralrats kotzt mich an. Punkt. Keine Ahnung, welche Klientel sie bedienen. Eines steht fest: mit diesen tendenziösen Tiraden bedienen die Damen und Herren ganz hervorragend alle Dumpfbacken, die ohnehin gegen "die Juden" hetzen. Jeder schießt sich halt so gut ins Knie, wie er kann. Ich bin gespannt, wie lange es noch dauert, bis der Zentralrat das Einschläfern aller Schäferhunde fordert. Blondi läßt grüßen... Sie sollten gegen die Gründe ihres Unmutes einfach juristisch vorgehen.
3. Der Zentralrat soll aufhören
Family Man 09.10.2007
Ich finde es unmöglich und empörend vom Zentralrat der Juden, die Werte der Familie in die NAZI-Ecke zu stellen. Nachher ist man womöglich Antisemit weil man Für Familie und Kinder ist. Hier geht es um etwas ganz anderes. Es geht darum, das die Familie die wichtigste und schönste Gemeinschaft ist, daß das Leben zu bieten hat. Die ist absolut schützenswert, und wer wirklich erlebt hat wie toll es ist eine Familie mit Kindern zu haben, der versteht was für einen Sinn das Leben hat. Viele Grüße vom Family Man
4. Man schlägt den Sack und meint den Esel
Rainer Helmbrecht 09.10.2007
Zitat von sysopEva Hermans Rede auf dem Fuldaer Katholiken-Kongress hat beim Zentralrat der Juden Entrüstung ausgelöst: Der Auftritt sei eine "Ohrfeige" für die Aufarbeitung der Nazi-Diktatur - und zeige, welch "seltsamer Geist" bei den Katholiken herrsche. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,510418,00.html
Ich bin weder katholisch nach ein besonderer Freund von Frau Herman, aber ich finde, dass hier keine Aufarbeitung der Nazizeit betrieben wird, sondern eine Verschleierung. Ich ärgere mich über die Moslems die jede Diskussion abwürgen und jeder Auseinandersetzung ausweichen und hier wird den Katholiken pauschal etwas unterstellt. Es wird die Nazikeule rausgeholt. Wenn diese Katholiken die Ansichten von Frau Herman unterstützen dann ist das ihre Meinung, der ich mich nicht anschließen muss. Es gibt viele Fälle in denen die USA Israel rücksichtslos unterstützten, obwohl selbst Juden diese Unterstützung kritisch sahen. Wir leben in einer Demokratie und ich habe das Recht zu lesen, was die Katholiken denken, auch was Frau Herman denkt und ich möchte auch wissen, was der Zentralrat der Juden darüber denkt. Ich halte mich auch für reif genug mir meine Meinung darüber zu bilden. Diese Aufarbeitung der Nazizeit, der letzten 60 Jahre hat uns nur Neonazis beschert und die Jugend weniger aufgeklärt als neugierig gemacht. Ich habe nichts dagegen ein Unrecht so zu benennen und auch zensieren, aber nicht in der Form, dass man es 60 Jahre falsch macht und darauf besteht, es noch 60 Jahre falsch zu machen. MfG. Rainer
5. Der Zentralrat....
Polarwölfin, 09.10.2007
Zitat von sysopEva Hermans Rede auf dem Fuldaer Katholiken-Kongress hat beim Zentralrat der Juden Entrüstung ausgelöst: Der Auftritt sei eine "Ohrfeige" für die Aufarbeitung der Nazi-Diktatur - und zeige, welch "seltsamer Geist" bei den Katholiken herrsche. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,510418,00.html
....sollte sich vielleicht erst mal im Lesen üben. Hier ist der Originalwortlaut von Eva Herman, der einfach nur medial ausgeschlachtet wurde, ohne dass sich jemand wirklich mal die Mühe gemacht hat, genau zu lesen: “Wir müssen den Familien Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen auch ‘ne Gerechtigkeit schaffen zwischen Kinderlosen und kinderreichen Familien. Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68er wurde damals praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten, es war ‘ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehenbleiben. Ich hab’ neulich mit einem Musikprofessor zusammengesessen, ein Linksintellektueller, früher fast ein Linksradikaler ein bißchen gewesen, ähm, der versucht, den Chorgesang wieder zu beleben in Hamburg. Und er sagt, das ist verlorengegangen, das ist garnicht mehr, äh, das ist garnicht mehr anwesend…” Das ist bestimmt keine rhetorische Glanzleistung und ich bin kein Eva-Herman-Fan, aber da Naziparolen rauszulesen, das musste man wollen. Ausgesprochen wurden sie nämlich nicht. Aber es ist wie immer. Einer fängt an und alle anderen wollen auch was vom Medienkuchen und dann wird abgeschrieben und auszugsweise zitiert. Der Zentralrat sollte aufpassen, dass er keine Phobien kriegt.
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