Underground-Künstler Mike Kelley ist tot

Pop-, Massen- und Pornokultur zählten zu seinen Einflüssen, eine seiner Arbeiten fand sich auf einem Plattencover von Sonic Youth: Mike Kelley galt als einer der wichtigsten US-Künstler seiner Generation - in der Nacht zum Mittwoch wurde er in Los Angeles tot aufgefunden.

AP / Walker Art Center / Gagosian Gallery

Hamburg/Los Angeles - Er galt als einer der prägenden US-amerikanischen Künstler seiner Generation, einem breiteren Publikum wurde er bekannt durch die Abbildung eines seiner Werke auf dem Plattencover des Sonic-Youth-Albums "Dirty". In der Nacht zum Mittwoch ist Mike Kelley nach Angaben eines Sprechers der örtlichen Justizbehörden in seinem Haus in Los Angeles tot aufgefunden worden. Er wurde 57 Jahre alt. Wie die "New York Times" meldet, geht die Polizei von Selbstmord aus.

Kelley wurde 1954 in einem Vorort von Detroit geboren. Während seiner College-Zeit in Ann Arbor, Michigan, spielte er in den frühen Siebzigern in der Proto-Punk-Noiseband Destroy All Monsters. 1978 legte Kelley die Prüfung am California Institute of Arts die Abschlussprüfung ab.

Kelleys Arbeit umfasste Installationen, Performances, sogar ein Musical: "Day Is Done", eine Revue mit Vampiren, Dämonen und Hillybilly-Tänzern. Charakteristisch für Kelley waren auch die aus verschlissenen Kuscheltieren gefertigten Stoffskulpturen mit hohem Wiedererkennungswert. Der Pop-, Massen- und Pornokultur blieb der Künstler dabei nah: In seinen Werken finden sich gleichermaßen Verweise auf "Superman"-Comics wie auf S&M-Inszenierungen.

Spätestens nach der zuerst 1993 im New Yorker Whitney Museum und dann auch in München gezeigten Retrospektive "Mike Kelley: Catholic Tastes" galt Mike Kelley als einer der wichtigsten Künstler seiner Generation. Sich selbst sah er als Außenseiter und trat auch, als er längst ein weltweit etablierter Kunststar war, mit der Attitüde des Underground-Künstlers auf. Dem "Interview Magazine" sagte Kelley 2009: "Ich wurde Künstler, weil ich Außenseiter sein wollte. Als ich jung war, beschäftigte man sich mit Kunst, wenn man der Gesellschaft wirklich den Rücken kehren wollte."

sha/rtr



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