Trotz Protesten Geburtskirche in Betlehem wird Weltkulturerbe

Israel und Deutschland waren gegen den Antrag: Dennoch hat die UNESCO die Geburtskirche in Betlehem als Weltkulturerbe anerkannt. Die Palästinenser, auf deren Gebiet der sogenannte "Geburtsort von Jesus" liegt, hatten die dringende Aufnahme beantragt - die Renovierung soll so gesichert werden.

Geburtskirche Jesu in Betlehem: Seit Freitag offizielles Weltkulturerbe
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Geburtskirche Jesu in Betlehem: Seit Freitag offizielles Weltkulturerbe


St. Petersburg - Israels Proteste haben nichts genützt: Am Freitag hat die UN-Kulturorganisation UNESCO die Geburtskirche von Betlehem auf ihre Liste des Weltkulturerbes genommen. Das beschloss das Weltkulturerbe-Komitee im russischen St. Petersburg. Damit erhalten die Palästinenser acht Monate nach ihrer umstrittenen Aufnahme als Vollmitglied in die UNESCO erstmals eines der begehrten Weltkulturerbe-Label. Die Entscheidung fiel mit 13 Ja- und sechs Nein-Stimmen bei zwei Enthaltungen.

Die Geburtskirche gilt als eines der ältesten und heiligsten Gotteshäuser des Christentums. Der römische Kaiser Justinian I. ließ sie im 6. Jahrhundert neu erbauen, nachdem die im 3. Jahrhundert an derselben Stelle errichtete konstantinische Basilika beim Samaritaneraufstand von 529 stark beschädigt worden war. Das zehn Kilometer südlich von Jerusalem gelegene Gotteshaus soll religiösen Überlieferungen zufolge über jener Höhle errichtet worden sein, in der Jesus zur Welt kam. Unter der Kirche liegt die Geburtsgrotte mit dem sogenannten Silberstern.

Für die Einstufung der Kirche von Betlehem, des "Geburtsorts von Jesus", als Weltkulturerbe hatten die Palästinenser einen Dringlichkeitsantrag gestellt. Sie begründeten dies mit dem zunehmenden Verfall des Bauwerks, das nach ihren Angaben seit rund 50 Jahren nicht mehr restauriert wurde. Der Internationale Rat für Denkmalpflege (Icomos) hatte in einem Gutachten die Dringlichkeit des Antrags verneint. Neben Ländern wie den USA und Israel sehen auch christliche Kirchenvertreter den Antrag kritisch. Sie wollen die Geburtskirche aus politischen Auseinandersetzungen heraushalten und befürchten Einschränkungen bei der Nutzung als religiöser Wallfahrtsort. Auch Deutschland lehnte die Dringlichkeit ab und sprach sich für ein normales Aufnahmeverfahren aus.

Ende Oktober 2011 waren die Palästinenser nach heftigem Streit als Vollmitglied in die UN-Kulturorganisation aufgenommen worden. Das Votum der UNESCO-Vollversammlung löste damals massive Proteste Israels und der USA aus.

Über die Neuaufnahmen in die Liste schützenswerter Kultur- und Naturstätten entscheiden in der russischen Metropole 21 Mitglieder des Welterbekomitees. Die Beschlüsse werden mehrheitlich auf Grundlage von Expertengutachten getroffen. Ausschlaggebend dafür sind der universelle Wert der Stätte sowie ein Plan, der den Erhalt für künftige Generationen sicherstellt.

Auch Israel erreichte einen Eintrag in die Liste des Welterbes. Dort wurden mehrere Höhlen im Karmel-Gebirge aufgenommen, denen eine besondere Bedeutung beim Wissen um die frühmenschliche Entwicklung zukommt. Zudem erhielten unter anderem Bali (Indonesien) und die Pazifikinsel Palau die Anerkennung als Welterbestätten.

hpi/dpa/afp

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