Unesco-Auswahlkomitee Hebron wird Weltkulturerbe

Sie ist Juden, Christen und Muslimen heilig: Nun wurde die Altstadt von Hebron von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Israel reagiert empört.

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Die Unesco hat die Altstadt von Hebron zum Weltkulturerbe erklärt und zugleich auf die Liste gefährdeter Stätten gesetzt. Dies gab das Komitee in Krakau bekannt. Die Experten entscheiden dort bis zum 12. Juli über mehr als 30 Nominierungen. Die Entscheidung für Hebron fiel in geheimer Abstimmung mit zwölf Ja-Stimmen bei drei Gegenstimmen und sechs Enthaltungen.

Hebron ist seit 1998 zweigeteilt: Einen Teil kontrolliert die Palästinensische Autonomiebehörde, einen Israel. In dem von Israel kontrollierten Teil leben 800 jüdische Siedler umgeben von etwa 50.000 Palästinensern.

In Hebron befindet sich auch das Grabmal der Patriarchen, in dem nach biblischer Überlieferung unter anderem Abraham und Isaak begraben sind. Abraham wird sowohl im Judentum als auch im Christentum und im Islam als Stammvater verehrt. Die Palästinenser hatten sich dafür eingesetzt, von der Unesco einen besonderen Schutzstatus für Hebron zugesprochen zu bekommen, weil sie zunehmende Zerstörungen in der Altstadt beklagen, die sie den jüdischen Siedlern zur Last legen.

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Unesco-Anträge: Das sind die Welterbe-Kandidaten

Die Welterbe-Experten gaben dem Notfallantrag der Palästinenser mit ihrer Entscheidung nun statt. Dabei wurde Hebron von der Unesco als "islamische" Stadt bezeichnet.

Die Israelis reagierten daraufhin empört. Regierungschef Benjamin Netanyahu kündigte an, er werde die Zahlungen an die Vereinten Nationen um etwa 900.000 Euro reduzieren. Das Votum des Welterbekomitees für Hebron bezeichnete er als "eine weitere wahnsinnige Entscheidung der Unesco". Die Palästinenser feierten es hingegen als diplomatischen Erfolg.

Es ist das vierte Mal in diesem Jahr, dass Israel eine Kürzung seiner Zahlungen an die Uno ankündigte. Sie sinken damit von elf Millionen Dollar auf nur noch 2,7 Millionen Dollar, wie ein israelischer Behördenvertreter bestätigte. Zuletzt hatte Netanyahu im Mai die Kürzung der Mittel um eine Million Dollar angekündigt, als die Unesco die Annexion Ostjerusalems durch Israel anprangerte.

In einem auf YouTube veröffentlichten Video empörte sich Netanyahu: "Die Unesco sagt, dass das Grab der Patriarchen ein palästinensischer Ort ist, also kein jüdischer Ort, und dass es gefährdet ist." Er kündigte an, die religiöse Stätte, die Religionsfreiheit und die Wahrheit weiterhin beschützen zu wollen.

Auch der israelische Außenamtssprecher Emmanuel Nahschon warf der Uno-Kulturorganisation vor, die jüdische Geschichte der Stadt zu ignorieren. "Die Unesco-Entscheidung zu Hebron und dem Grab der Patriarchen ist ein moralischer Schandfleck", erklärte er auf Twitter. Er warf der Unesco "Fake History", Geschichtsfälschung, vor und erklärte, sie solle sich schämen.

Die Siedlerorganisation Yesha erklärte, Hebron sei "die zweitheiligste Stätte im Judentum, 4000 Jahre jüdische Geschichte zu ignorieren, ist purer Antisemitismus".

Das palästinensische Außenamt hingegen feierte das Abstimmungsergebnis als "Erfolg in der diplomatischen Schlacht", die von den Palästinensern "an allen Fronten" geschlagen werde, um dem "israelischen und amerikanischen Druck" zu widerstehen: "Die Welt hat unser Recht anerkannt, Hebron und die Abrahamsmoschee unter palästinensische Hoheit zu stellen."

Seit 2011 haben sich die Beziehungen zwischen den Vereinten Nationen und Israel zunehmend verschlechtert. In dem Jahr wurden die Palästinenser Mitglied der Unesco. Ende Dezember vergangenen Jahres hatte der Uno-Sicherheitsrat außerdem erstmals seit 1979 eine Resolution gegen den israelischen Siedlungsbau verabschiedet. Darin wurde der sofortige Stopp israelischer Siedlungsaktivitäten im Westjordanland und in Ostjerusalem gefordert. Israel hatte das Uno-Votum scharf kritisiert.

koe/dpa/Reuters/AFP

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