Unesco-Liste Siedlungen der Berliner Moderne sind Weltkulturerbe

Gütesiegel für die Hauptstadt: Die Unesco hat die Siedlungen der Berliner Moderne zum Weltkulturerbe erklärt. Die Bauten von Gropius und Co. waren zu ihrer Zeit revolutionär - und fanden viele Nachahmer.


Berlin - Hohe Ehrung für deutsche Baukunst: Die Unesco hat die Siedlungen der Berliner Moderne in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Das entschied das Welterbekomitee im kanadischen Quebec, wie die deutsche Unesco-Kommission mitteilte. Die denkmalgeschützten Siedlungen repräsentierten einen neuen Typ des sozialen Wohnungsbaus aus der Zeit der klassischen Moderne und hätten in der Folgezeit beträchtlichen Einfluss auf die Entwicklung von Architektur und Städtebau ausgeübt, hieß es in der Begründung der Unesco.

Aufgenommen in die Welterbeliste wurden die Tuschkastensiedlung Falkenberg, die Wohnstadt Carl Legien in Prenzlauer Berg, die Ringsiedlung in Siemensstadt, die Hufeisensiedlung Britz, die Siedlung Schillerpark im Wedding und in ihrer Nachbarschaft die Weiße Stadt. Sie alle entstanden zwischen dem Ersten Weltkrieg und dem Machtantritt der Nationalsozialisten.

In den Sozialbauten gab es Bäder, Zentralheizungen sowie Balkons oder Loggien. Die Wohnblöcke waren zum damaligen Zeitpunkt nach sozialen und hygienischen Gesichtspunkten geradezu revolutionär organisiert. Ihre Ästhetik und die Grundregeln, nach denen sie Erlebnis- und Funktionsräume organisierten, gelten bis heute als beispielhaft.

Architekten wie Walter Gropius, Bruno Taut und Hans Scharoun schufen damit eine Verbindung zwischen ausgezeichnetem künstlerischen Niveau und baulichem Pragmatismus. Bis heute sind die Siedlungen hervorragend erhalten. Deutschland hatte Ende Januar 2006 einen Antrag für die Aufnahme dieser Siedlungen in die Welterbeliste der Unesco eingereicht.

Das Welterbekomitee der Unesco tagt derzeit im kanadischen Québec. Während der Konferenz, die noch bis zum 10. Juli dauert, wird noch über weitere Neueinträge in die Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt entschieden.

Neben den Siedlungen der Berliner Moderne wurden auch vier weitere Stätten auf die Liste des Welterbes aufgenommen. Dabei handelt es sich um den Berg Le Morne auf Mauritius, ein früheres Versteck entflohener Sklaven, die archäologische Stätte Al-Hidschr in Saudi-Arabien, Anlagen aus Erdhäusern in der chinesischen Provinz Fujian sowie befestigte christlich-armenische Klosteranlagen im Nordosten Irans.

Mit Al-Hidschr wurde am Sonntag erstmals ein Ort in Saudi-Arabien in die Liste des Welterbes aufgenommen. Dort sind Überreste der Kultur der Nabatäer erhalten.

Die Bundeshauptstadt hat neben den Wohnsiedlungen bisher schon zwei Stätten auf der Welterbeliste. 1990 wurden die preußischen Schlösser und Gärten von Berlin und Potsdam mit dem Gütesiegel versehen, 1999 kam die Museumsinsel hinzu. Weltweit gibt es rund 850 Kultur- und Naturschönheiten, die unter dem Schutz der Unesco stehen.

pad/AP/AFP/ddp



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